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bvse-Präsident Henry Forster warnt vor einer zunehmenden politischen Vernachlässigung der Kreislaufwirtschaft.

Auf der Jahrestagung des Verbandes in Köln machte er deutlich, dass die Branche vor erheblichen Herausforderungen steht. Gleichzeitig sieht Forster gute Gründe für Zuversicht: Gerade für junge Menschen könne die Recyclingwirtschaft mit sinnstiftender Arbeit und sicheren beruflichen Perspektiven punkten.

Mit einem sehr persönlichen Rückblick eröffnete bvse-Präsident Henry Forster seine Rede auf der Jahrestagung des Verbandes in Köln. Die Stadt verbinde er mit seinen Anfängen in der Entsorgungswirtschaft und der damaligen Aufbruchstimmung der Branche. Anfang der 1990er-Jahre habe er einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz bei Mercedes-Benz aufgegeben, um in die damals noch junge Kreislaufwirtschaft einzusteigen. Entscheidend sei für ihn dabei gewesen, einer Tätigkeit nachzugehen, die über das reine Geldverdienen hinausgehe. „Es war etwas Sinnstiftendes“, erklärte Forster. Man habe etwas für die Umwelt, die Kreislaufwirtschaft und die Sicherung von Rohstoffen tun können. Dieser Charakter der Branche sei bis heute erhalten geblieben – vom Müllwerker bis zum Geschäftsführer.

Gerade darin sieht der bvse-Präsident eine große Zukunftschance. In einer Arbeitswelt, die zunehmend durch Künstliche Intelligenz und Robotik verändert werde, könne sinnstiftende Arbeit zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil werden. Viele junge Menschen fragten sich heute sehr genau, welche Tätigkeiten künftig durch KI ersetzt werden könnten. Handwerkliche und praktische Berufe gewännen deshalb wieder an Attraktivität. Von dieser Entwicklung könne auch die Recycling- und Entsorgungswirtschaft profitieren.

Sorge um Stellenwert der Kreislaufwirtschaft

Seinem grundsätzlichen Optimismus stellte Forster jedoch eine deutlich kritischere Bestandsaufnahme der aktuellen Lage gegenüber. Angesichts von Kriegen, wirtschaftlichen Problemen und internationalen Handelskonflikten drohten Umwelt- und Kreislaufwirtschaftspolitik aus dem Blickfeld zu geraten. Diese Entwicklung bereite ihm große Sorgen. Nach einigen Treffen auf höchster politischer Ebene habe er den Eindruck gewonnen, dass Umwelt- und Kreislaufwirtschaftsthemen auch innerhalb der Bundesregierung derzeit von anderen Krisen überlagert würden.

Dabei wirkten sich die internationalen Krisen unmittelbar auf die Recyclingwirtschaft aus. Globale Warenströme und etablierte Verwertungskonzepte gerieten unter Druck. In der Folge könnten ganze Sammel- und Verwertungssysteme ins Wanken geraten, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden und denen die Bevölkerung vertrauten. Als Beispiele nannte Forster die schwierige Situation bei Alttextilien und Altglas.

Batteriebrände können existenzielles Risiko werden

Besonders eindringlich warnte der bvse-Präsident vor den Folgen von Bränden durch Lithiumbatterien. Die zunehmenden Brandereignisse in Recycling- und Entsorgungsanlagen seien längst nicht mehr nur ein technisches oder betriebliches Problem. Sollte sich die Situation weiter verschärfen, drohe Unternehmen der Verlust ihres Versicherungsschutzes. Forster warnte vor weitreichenden Folgen: „Wenn wir als Branche keine Versicherungen mehr bekommen, dann werden wir ein komplettes Marktversagen erleben.“

Dass dieses Risiko bislang vergleichsweise wenig politische Aufmerksamkeit erfahre, könne er nicht nachvollziehen. Die Situation sei ernst und könne für Unternehmen existenzbedrohend werden.

Sekundärrohstoffe müssen strategische Bedeutung erhalten

Grundsätzlich kritisierte Forster den politischen Umgang mit Rohstoffen. Gerade ein rohstoffarmes Industrieland wie Deutschland müsse der Nutzung von Sekundärrohstoffen wesentlich größere Bedeutung beimessen. Deutschland wolle eine starke Industrienation und ein erfolgreicher Exportstandort bleiben, gehe aber gleichzeitig fahrlässig mit seinen Rohstoffressourcen um. Das betreffe inzwischen nicht nur Primärrohstoffe, sondern zunehmend auch die im eigenen Land gewonnenen Sekundärrohstoffe.

Forster beklagte zudem, dass sich viele Unternehmerinnen und Unternehmer der Recycling- und Entsorgungswirtschaft von Politik und Behörden alleingelassen fühlten. Genehmigungsverfahren, staatliche Strukturen und Institutionen müssten Unternehmertum ermöglichen und stärken, statt zusätzliche Hemmnisse aufzubauen.

Starke Verbände als Antwort auf wachsende Unsicherheit

Umso wichtiger sei es, dass die Branche ihre eigenen Strukturen stärke. „Wir müssen im Verband stark sein, müssen uns helfen und müssen Resilienzen entwickeln“, forderte Forster. Dazu gehöre auch eine wesentlich engere Zusammenarbeit mit anderen Verbänden. Angesichts wachsender wirtschaftlicher, regulatorischer und geopolitischer Unsicherheiten, müsse die Recyclingwirtschaft ihre gemeinsamen Interessen stärker bündeln.

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