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Die Recycling- und Entsorgungswirtschaft steht vor erheblichen wirtschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen. Das machte bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock auf der Mitgliederversammlung des Verbandes am 29. September in Köln deutlich.

1005 eric rehbock bvse hgfBesonders angespannt ist die Situation beim Kunststoff- und Textilrecycling. Gleichzeitig stehen mit der Umsetzung der europäischen Verpackungsverordnung PPWR weitreichende Veränderungen an. Große Sorgen bereiten der Branche zudem die zahlreichen Brandereignisse in Recycling- und Entsorgungsanlagen. Trotz der schwierigen Situation vermittelte Rehbock den Mitgliedsunternehmen keine resignative Botschaft. Im Gegenteil: Der bvse werde sich weiterhin mit Nachdruck für mittelständische Recycling- und Entsorgungsunternehmen einsetzen.

„Die Probleme sind mannigfaltig. Wir hatten schon bessere Zeiten. Aber der bvse und seine Mitgliedsunternehmen waren immer kämpferisch. Auch das werden wir durchstehen“, erklärte Rehbock.

Kunststoffrecycling unter massivem wirtschaftlichem Druck

Besonders kritisch bewertete der bvse-Hauptgeschäftsführer die Lage der Kunststoffrecyclingbranche. Die Unternehmen stehen wirtschaftlich stark unter Druck, das habe der diesjährige Internationale Altkunststofftag mit 300 Teilnehmer:innen deutlich gezeigt. Recyclingkunststoffe müssen sich auf einem Markt behaupten, auf dem Neuware und Importe die Wettbewerbsbedingungen erheblich beeinflussen. Für Recycler wird es damit zunehmend schwieriger, ihre Produkte wirtschaftlich abzusetzen. Für den bvse ist deshalb entscheidend, dass die Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen auch tatsächlich zu einer verlässlichen Nachfrage nach Rezyklaten führt. Recyclingquoten allein helfen den Unternehmen nicht, wenn für die gewonnenen Sekundärrohstoffe keine funktionierenden Märkte bestehen.

Textilrecycling: Getrennte Sammlung allein löst die Probleme nicht

Auch beim Textilrecycling sieht Rehbock erheblichen Handlungsbedarf. Der Internationale Alttextiltag in diesem Jahr habe gezeigt, dass die wirtschaftliche Situation der Textilsammler und -verwerter extrem angespannt ist. Rehbock betonte, dass der bvse im intensiven Austausch mit Bundesumweltministerium und Herstellern ist, damit das über Jahre aufgebaute Sammelsystem nicht durch das neue Textilgesetz in Frage gestellt werde. Rehbock: „Wir setzen alles daran, um unsere Textilrecycler im Rennen zu halten.“ Aus Sicht des bvse muss deshalb stärker darauf geachtet werden, Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling als zusammenhängendes System zu betrachten.

PPWR verändert die Verpackungsentsorgung

Ein weiterer Schwerpunkt der Rede war die Umsetzung der europäischen Verpackungsverordnung PPWR, mit der sich insbesondere der bvse-Kreislaufwirtschaftsausschuss, aber auch der Internationale Altpapiertag intensiv auseinandersetzten. Die neuen europäischen Vorgaben werden die Verpackungswirtschaft und damit auch die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verpackungsabfällen erheblich verändern. Für die mittelständische Recycling- und Entsorgungswirtschaft kommt es nach Auffassung des bvse bei allen Systemen der erweiterten Herstellerverantwortung darauf an, dass bei der nationalen Umsetzung funktionierende Marktstrukturen erhalten bleiben. Diese Systeme dürfen nicht dazu führen, dass bewährte Strukturen geschwächt oder mittelständische Unternehmen aus dem Markt gedrängt werden. Dabei spielt die Vermarktung der sortierten beziehungsweise aufbereiteten Sekundärrohstoffe eine elementare Rolle, machte bvse-Hauptgeschäftsführer Rehbock deutlich.

Der Verband wird die konkrete Ausgestaltung deshalb intensiv begleiten. Entscheidend ist, dass die neuen europäischen Vorgaben nicht nur formal umgesetzt werden, sondern tatsächlich zu mehr Recycling und zum Einsatz hochwertiger Sekundärrohstoffe führen.

Batteriebrände werden zum existenziellen Risiko

Mit großer Sorge blickt der bvse zudem auf die weiterhin hohe Zahl von Bränden in Sammelfahrzeugen sowie Recycling- und Entsorgungsanlagen. Insbesondere falsch entsorgte Lithium-Batterien und batteriehaltige Geräte stellen für die Branche ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Für Rehbock ist deshalb klar, dass die Recycling- und Entsorgungsunternehmen mit diesem Problem nicht allein gelassen werden dürfen. Maßnahmen müssen bereits dort ansetzen, wo Batterien und batteriehaltige Geräte in die Entsorgungswege gelangen. Eine ordnungsgemäße getrennte Erfassung ist damit nicht nur eine Frage des Recyclings, sondern zunehmend auch des Brand- und Arbeitsschutzes.

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