Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

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Die Zahl der Brandereignisse in der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft hat sich innerhalb von fünf Jahren nahezu verdreifacht. Allein in 181 untersuchten Anlagen entstanden zwischen 2021 und 2025 Schäden von schätzungsweise 250 bis knapp 400 Millionen Euro. Das zeigt die Studie „Brandereignisse in der Entsorgungswirtschaft“, die der bvse gemeinsam mit ASA, BDE, CMA und VKU heute (14.10.2026) in einer Online-Konferenz vorgestellt hat.

Der bvse-Recycling Germany fordert daraus konkrete Konsequenzen: eine wirksamere Vermeidung falsch entsorgter Batterien, eine stärkere Herstellerverantwortung und wirtschaftlich tragfähigen Versicherungsschutz für Recyclingunternehmen.

„Tag für Tag brennen Sammelfahrzeuge und Recyclinganlagen, Millionenwerte werden vernichtet und, noch schlimmer, Menschen gefährdet, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Schwerverletzten oder Todesopfer zu beklagen sind“, warnt der bvse-Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen, Christian Hündgen.

Mehr als jede zweite Anlage von Bränden oder gefährlichen Hotspots betroffen

Die von ASA, BDE, bvse, CMA und VKU beauftragte Studie basiert auf einer Erhebung unter 181 Entsorgungs- und Recyclinganlagen sowie einer wissenschaftlichen Analyse des Brandgeschehens.

Mehr als jede zweite untersuchte Anlage war zuletzt von Bränden oder gefährlichen Hotspot-Ereignissen betroffen. Besonders häufig traten diese bei Anlagen zur Behandlung von Leichtverpackungen sowie Rest- und Gewerbeabfällen auf.

Der Anteil der Brandereignisse, die auf Lithium-Ionen-Batterien zurückgeführt werden, ist nach Verbändeerhebungen zwischen 2021 und 2025 von rund 63 auf 73 Prozent gestiegen. In nahezu der Hälfte der befragten Anlagen lag der überwiegende Brandentstehungsort 2025 bereits vor dem ersten Aufbereitungsaggregat, etwa bei der Anlieferung, in Lagern, Bunkern oder Fahrzeugen.

„Die Recyclingwirtschaft kann die Risiken nur begrenzt beeinflussen, trägt die wirtschaftlichen Folgen aber bislang weitgehend alleine. Eines wird immer deutlicher: Selbst erhebliche Investitionen in den Brandschutz allein können das Problem nicht lösen. Prävention muss früher ansetzen – bevor Batterien und batteriehaltige Geräte falsch entsorgt werden und in die Anlagen gelangen. Wir müssen die Ursachen bekämpfen, statt nur die Folgen zu begrenzen“, betont Hündgen.

Einweg-E-Zigaretten müssen endlich verboten werden

Andreas Habel, Fachreferent bei bvse-Recycling Germany, sieht insbesondere bei der Sammlung und Rückgabe batteriebetriebener Produkte dringenden Handlungsbedarf:

„Ein zentrales Ergebnis der Studie ist: Viele Brände entstehen bereits bei der Sammlung oder Lagerung der Abfälle. Selbst die beste Technik kann diese Brände nicht vollständig verhindern. Deshalb muss die Zahl der falsch entsorgten Batterien und batteriebetriebenen Produkte schnell sinken. In den vergangenen Jahren ist die Zahl batteriebetriebener Produkte, die aufgrund ihrer Größe leicht in der Mülltonne landen können, stark gestiegen – und damit auch die Zahl der Fehlwürfe. Genau hier muss angesetzt werden: Einweg-E-Zigaretten, die immer wieder Brände auslösen, müssen endlich verboten werden. Während andere europäische Länder bereits handeln, dauern die rechtlichen Prüfungen in Deutschland weiterhin an.“

Millionenschäden und steigende Versicherungskosten setzen Recycler unter Druck

Von den ermittelten Gesamtschäden entfallen schätzungsweise 200 bis 320 Millionen Euro auf Brandereignisse mit Lithium-Ionen-Batterien als wahrscheinliche Ursache. Neben Sachschäden berücksichtigt die Studie auch Betriebsunterbrechungen, Feuerwehreinsätze und weitere wirtschaftliche Folgen. Die tatsächlichen bundesweiten Schäden dürften deutlich höher liegen, da die Erhebung nur einen Teil der Anlagen erfasst.

Parallel verschärft sich die Lage auf dem Versicherungsmarkt. Steigende Prämien, höhere Selbstbehalte und der teilweise Rückzug von Versicherern setzen die Unternehmen zunehmend unter Druck.

Der bvse-Landesvorsitzende von NRW, Christian Hündgen, warnt: „Zugleich müssen Recyclinganlagen wieder zu angemessenen Bedingungen versicherbar sein. Andernfalls drohen weitere Betriebseinschränkungen und Geschäftsaufgaben. Auch notwendige Investitionen in Innovationen und den Ausbau der Kreislaufwirtschaft stehen auf dem Spiel.“

bvse fordert Herstellerbeteiligung an Brandschutz- und Schadenskosten

Der bvse fordert eine deutlich bessere Erfassung von Altbatterien und batteriehaltigen Geräten, mehr Verbraucheraufklärung sowie eine stärkere Beteiligung der Hersteller an den Kosten der Brandprävention und Schadensbewältigung.

„Wir erwarten, dass die Hersteller von Batterien und batteriehaltigen Geräten ihrer Produktverantwortung stärker nachkommen. Sie müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher noch besser über die richtige Entsorgung informieren und den Ausbau geeigneter Sammelstrukturen unterstützen“, erklärt Hündgen.

Ein möglicher Ansatz ist ein herstellerfinanzierter Präventions- und Ausgleichsfonds, der Brandschutzmaßnahmen unterstützt und wirtschaftliche Schäden abfedert. Seine Umsetzung wird auch im Zusammenhang mit den Ergebnissen des Runden Tisches „Maßnahmen gegen Brandereignisse in der Abfallentsorgung“ geprüft.

Ein Weiter-so ist keine Option

„Sollten die rechtlichen Hürden zu hoch sein, erwarten wir wirksame Alternativen, etwa ein Pfandsystem für Batterien“, so Hündgen.

Der bvse-Recycling Germany drängt darauf, dass aus den bisherigen Prüfaufträgen rasch verbindliche Maßnahmen werden. Dazu bringt der NRW-Landesvorsitzende Christian Hündgen die Forderung auf den Punkt: „Ein Weiter-so ist keine Option. Es geht um die Funktionsfähigkeit der Kreislaufwirtschaft.“

Zum Download
>>> Abschlussbericht "Brandereignisse in der Entsorgungswirtschaft"
>>> Zusammenfassende Schlussfolgerungen zur Studie 
>>> Vortrag zur Pressekonferenz mit Grafiken

 

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