Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

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Vor rund 250 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ist am 6. Mai im Rahmen des traditionellen bvse-Messeabends zur IFAT Munich der Mittelstandspreis für das Recycling „DIE GRÜNEN ENGEL 2026“ verliehen worden.

Mit der Auszeichnung ehren der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V. und das Aufbereitungszentrum Nürnberg – DIE GRÜNEN ENGEL® seit 2014 Unternehmen und Persönlichkeiten, die mit innovativen Ansätzen und technologischen Entwicklungen die Kreislaufwirtschaft entscheidend voranbringen.

Der Preis wurde in den Kategorien Lebenswerk, Innovative Recyclinglösung und Zukunftsweisende Techniklösung für das Recycling vergeben. Darüber hinaus entschied sich die Jury, in diesem Jahr einen Sonderpreis „Inklusives Recycling“ zu verleihen, um eine Lösung mit besonderer gesellschaftlicher Relevanz hervorzuheben.

Auszeichnung für Pioniergeist, Technologie und gesellschaftliche Verantwortung

Ein besonderes Highlight des Abends war erneut die Moderation durch den Wissenschaftsjournalisten und TV-Moderator Dirk Steffens, der dem Verband und der Preisverleihung seit vielen Jahren im gemeinsamen Engagement für Umwelt-, Natur- und Ressourcenschutz verbunden ist.

Lebenswerk: Jürgen Manzei – Pionier des Kunststoffrecyclings

260506 Manzei 1Den Auftakt der Preisverleihung bildete die Ehrung von Jürgen Manzei, dessen Lebenswerk durch Laudator Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbands Kunststoffrecycling und langjähriger Branchenweggefährte, gewürdigt wurde.

Bereits in den 1970er-Jahren erkannte der oberfränkische Unternehmer mit ausgeprägter Affinität zu Technik und Wirtschaft die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Wasser- und Abfallströmen für die zukünftige Entwicklung. Es folgten Projekte in der Abwasser- und Abfallbehandlung, Beratungen für das Bundesumweltministerium sowie Beiträge zu den Vorarbeiten des Dualen Systems Deutschland und des „Grünen Punkts“.

Mit unternehmerischem Mut und Innovationskraft gründete Manzei Unternehmen, „die nicht nur wirtschaftlich erfolgreich waren, sondern auch Maßstäbe im Umweltschutz gesetzt haben“. Dabei habe er Lösungen geschaffen, „die heute als selbstverständlich erscheinen, aber damals echte Pionierarbeit bedeuteten“, betonte Textor.

Mit der Gründung von PURUS Plastics im Jahr 1994 in Arzberg wurde Manzei zu einem der frühen Vertragspartner des Dualen Systems und damit zu einem Wegbereiter des Recyclings von haushaltsnah erfassten Kunststoffverpackungen. PURUS ist seitdem kontinuierlich im Markt aktiv und zählt zu den etablierten Verarbeitern von Post-Consumer-Rezyklaten.

Früh erkannte Manzei zudem die Potenziale der werkstofflichen Verwertung von Kunststoffabfällen. Sein Ansatz sei dabei stets von einem konsequent produktorientierten Denken geprägt gewesen, so Textor. Ausgangspunkt sei die Frage gewesen, „was aus Kunststoffabfällen Sinnvolles entstehen kann“. Auf dieser Grundlage habe das Unternehmen eigene Aufbereitungsverfahren entwickelt und zugleich signifikante Recyclingkapazitäten aufgebaut.

Sein Lebenswerk steht für den Aufbau geschlossener Stoffkreisläufe sowie die industrielle Etablierung marktfähiger Produkte aus Recyclingkunststoffen. Mit dem aus Rezyklaten gefertigten Bodengittersystem ECORASTER setzte Manzei Impulse für nachhaltige Flächennutzung und klimaresiliente Infrastruktur. Das System wird heute international eingesetzt und trägt zur Regenwasserversickerung sowie zur Reduzierung von Hitzeinseln in urbanen Räumen bei.

Abschließend hob Textor auch die persönliche Dimension hervor: Manzei habe „immer die Möglichkeiten erkannt und nicht in Problemen gedacht“ und sei zugleich ein Unternehmer gewesen, der Verantwortung für Mitarbeitende und sein Umfeld übernommen habe. Er sei damit „ein Vorbild für Generationen“ und – im besten oberfränkischen Sinne – ein „Macher“, der sich nicht nur die Anerkennung der Branche, sondern darüber hinaus das höchste Lob der Region verdient habe: „Bassd scho.“

Innovative Recyclinglösung: Accurec – Batterierohstoffe im Kreislauf

In der Kategorie „Innovative Recyclinglösung“ wurde die Accurec-Recycling GmbH ausgezeichnet. Der Geschäftsführende Gesellschafter, Dr. Reiner Sojka, nahm den Preis für das Unternehmen entgegen.

260506 AccurecIm Zentrum der prämierten Lösung steht die Rückgewinnung kritischer Batterierohstoffe wie Lithium, Nickel und Kobalt aus Altbatterien. Accurec kombiniert dazu thermische, mechanische und hydrometallurgische Prozessschritte zu einem integrierten Verfahren. In einer thermischen Vorbehandlung werden zunächst organische Bestandteile abgetrennt und energetisch genutzt sowie Zielmetalle in Verbindungen überführt, die eine selektive Trennung ermöglichen. Die verbleibenden Zielmaterialien werden mechanisch zu einer feinen Aktivmasse aufbereitet. Diese enthält die für die Batteriechemie relevanten Metalle und wird anschließend in einer vereinfachten hydrometallurgischen Stufe weiterverarbeitet.

Ein zentrales Merkmal des Verfahrens ist der weitgehende Verzicht auf klassische Chemikalien: „Wir brauchen keine Säuren oder Basen, sondern lediglich Wasser, das im Kreislauf geführt wird“, erläuterte Sojka. Auf diese Weise lasse sich unter anderem Lithiumcarbonat mit einer Reinheit von über 99 Prozent zurückgewinnen und für industrielle Anwendungen bereitstellen.

„Wir sind der erste Betrieb in Europa, der Lithium in dieser Form aus Altbatterien kommerziell zurückgewinnen kann – und das in einem wirtschaftlich tragfähigen, geschlossenen Prozess“, betonte Sojka. Das Verfahren habe damit den Schritt vom Demonstrationsmaßstab in den industriellen Betrieb vollzogen. Aktuell verfügt das Unternehmen über eine Recyclingkapazität von rund 4.000 Tonnen Batterien pro Jahr.

Vor dem Hintergrund steigender Nachfrage nach Batterierohstoffen und hoher Importabhängigkeit gewinnt die Technologie zusätzliche Relevanz. „Wir verfügen nicht über diese Rohstoffe in Europa – aber über Abfälle, die sie enthalten“, so Sojka. Das Recycling könne daher einen entscheidenden Beitrag zur Rohstoffsicherung leisten.

Neben der Substitution von Primärrohstoffen bietet das Verfahren auch ökologische Vorteile: Der Energieverbrauch liegt nach Unternehmensangaben rund 40 Prozent unter dem der Primärproduktion – pro Tonne recycelter Batterien werden etwa 0,75 Tonnen CO₂ eingespart. Bereits im aktuellen Anlagenbetrieb summiert sich dies auf mehrere tausend Tonnen vermiedene Emissionen pro Jahr.

Die ausgezeichnete Lösung unterstreicht damit die wachsende Bedeutung des Batterierecyclings als strategisches Element der Kreislaufwirtschaft und als Beitrag zur europäischen Rohstoffsouveränität – getragen von mittelständischer Prozesskompetenz und eigenentwickelter Anlagentechnik.

Zukunftsweisende Techniklösung: Gemeinschaftspreis für mehr Sicherheit im Recycling: Korn Recycling und WeSort.AI: X.Sort setzt neue Maßstäbe in der Anlagensicherheit

In der Kategorie „Zukunftsweisende Techniklösung“ wurde ein Gemeinschaftsprojekt der Korn Recycling GmbH und WeSort.AI ausgezeichnet. Stellvertretend nahmen Alexander Korn, Geschäftsführer der Korn Recycling GmbH, sowie Nathanael Laier, CEO und Co-Founder von WeSort.AI, den Preis entgegen.

260506 Korn WeSortDie prämierte Lösung X.Sort (auch bekannt als BatterySort) adressiert eines der aktuell drängendsten Probleme moderner Sortieranlagen: Lithium-Ionen-Batterien im Abfallstrom. Diese gelten als Hauptursache für Brände in Recyclinganlagen, verursachen jährlich Schäden in dreistelliger Millionenhöhe, gefährden Mitarbeiter und verursachen Umweltschäden.

Das entwickelte System ermöglicht erstmals die vollautomatische und präventive Ausschleusung von Batterien aus gemischten Stoffströmen – bevor es zu Beschädigungen oder Bränden kommt. Technologische Grundlage ist die Kombination aus Röntgentechnik und künstlicher Intelligenz. Während der Materialstrom mit Geschwindigkeiten von bis zu drei Metern pro Sekunde durchleuchtet wird, identifiziert eine speziell trainierte KI selbst kleinste, verdeckte oder beschädigte Batterien. „Nur die Kombination aus Röntgentechnik und KI führt zu wirklich guten Erkennungsraten“, betonte Nathanael Laier. Die identifizierten Störstoffe werden anschließend über ein präzises Luftdüsensystem gezielt aus dem Stoffstrom ausgeschleust.

Für die Praxis bedeutet dies einen deutlichen Sicherheitsgewinn im Anlagenbetrieb. „Man möchte nicht jeden Tag auf einem Pulverfass sitzen und auf den nächsten Brand warten“, erklärte Alexander Korn mit Blick auf die bislang hohe Brandgefahr durch falsch entsorgte Akkus. Das System setzt genau hier an und etabliert erstmals einen präventiven Ansatz im Brandschutz von Recyclinganlagen.

Darüber hinaus eröffnet die Technologie zusätzliche stoffliche Potenziale: Nahezu alle ausgeschleusten Batterien und Elektrogeräte können dem Recycling zugeführt werden. Allein am Standort Albstadt werden monatlich rund 1,5 Tonnen Batterien und Akkus sowie zusätzliche Mengen an elektronikhaltigen Komponenten separiert und in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt. Dies trägt zur Sicherung kritischer Rohstoffe wie Lithium und Kobalt bei und reduziert Treibhausgasemissionen – am Standort Albstadt von Korn Recycling um bis zu rund 5.000 Tonnen CO₂-Äquivalente jährlich.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Anlagenbetreiber Korn und Technologieentwickler WeSort.AI war dabei ein zentraler Erfolgsfaktor. „Eine Weltneuheit wie X.Sort entsteht nicht am Schreibtisch – man muss in die Anlage“, betonte Nathanael Laier, CEO und Co-Founder von WeSort.AI. Alexander Korn ergänzte, dass erst die Kombination aus praktischem Anlagen-Know-how und KI-Expertise die Umsetzung auf industriellem Niveau ermöglicht habe. Zudem übernahm Korn Recycling als Partner mit großer unternehmerischer Investitionsbereitschaft in dem Projekt eine tragende Rolle.

Die ausgezeichnete Lösung steht exemplarisch für die Innovationskraft der Branche und zeigt, wie durch partnerschaftliche Entwicklung praxisnahe und zugleich technologisch anspruchsvolle Antworten auf aktuelle Herausforderungen entstehen. Sie steht darüber hinaus exemplarisch für den Einsatz von KI in der Kreislaufwirtschaft – als Hebel für mehr Anlagensicherheit, höhere Recyclingquoten und die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus bislang schwer beherrschbaren Stoffströmen.

Sonderpreis „Inklusives Recycling“: Eichhorn – Barrierefreiheit im Alltag der Kreislaufwirtschaft

260506 Eichhorn 2Mit dem Sonderpreis „Inklusives Recycling“ zeichnete die Jury die Eichhorn Transport- und Entsorgungs-GmbH aus und wurde damit einer Lösung mit besonderer gesellschaftlicher Relevanz gerecht, die Inklusion im Alltag der Kreislaufwirtschaft konkret und praxisnah umsetzt. Die Auszeichnung nahm Gesellschafter Dominik Eichhorn entgegen. Im Mittelpunkt stehen tastbare 3D-Symbole zur Kennzeichnung von Abfallbehältern, die blinden und sehbehinderten Menschen eine eigenständige Mülltrennung ermöglichen. Klare, fühlbare Formen – etwa Kreis, Dreieck oder Quadrat – ersetzen dabei die bislang üblichen farbbasierten Systeme und schaffen Orientierung unabhängig von visuellen Reizen.

„Manchmal sind es kleine Ideen, die den Alltag ein Stück einfacher machen“, betonte Dominik Eichhorn. Ziel sei es gewesen, Barrieren abzubauen und Menschen mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen: „Recycling bedeutet Verantwortung – und Verantwortung bedeutet, niemanden zurückzulassen.“

Die Lösung ist bewusst einfach gehalten, robust im Alltag einsetzbar und niedrigschwellig skalierbar: Die benötigten 3D-Daten werden kostenfrei zur Verfügung gestellt und können mit handelsüblichen Druckern reproduziert werden. Entwickelt wurde das Konzept in enger Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund.

Mit der Auszeichnung würdigt die Jury ein Projekt, das beispielhaft zeigt, wie technologische Ansätze und gesellschaftliche Verantwortung im Recycling zusammenwirken können – und wie auch kleine Innovationen große Wirkung entfalten.

Mittelstand als Innovationstreiber der Kreislaufwirtschaft

Mit der Verleihung „DIE GRÜNEN ENGEL 2026“ unterstreichen die Veranstalter, bvse und DIE GRÜNEN ENGEL®, einmal mehr die zentrale Rolle mittelständischer Unternehmen als Innovationstreiber der Kreislaufwirtschaft.

„Die ausgezeichneten Lösungen zeigen eindrucksvoll, mit welcher Innovationskraft und Praxisnähe der Mittelstand die großen Herausforderungen der Branche adressiert“, betonte bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock. „Sie haben mit ihren Lösungen eindrucksvoll gezeigt, dass Innovation im Recycling heute skalierbar, wirtschaftlich tragfähig und industriell umsetzbar ist.“

Florian Lankes, Geschäftsführer des Aufbereitungszentrums Nürnberg DIE GRÜNEN ENGEL® ergänzte: „Die Bandbreite der ausgezeichneten Projekte, von technologischen Durchbrüchen bis hin zu inklusiven Ansätzen, zeigt, wie vielfältig und zukunftsorientiert die Recyclingbranche aufgestellt ist. Genau diese Innovationskraft gilt es sichtbar zu machen und weiter zu stärken.“

Weitere Eindrücke vom Veranstaltungsabend mit Filmausschnitten zu den prämierten Lösungen folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

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