Die europäische Wirtschaft sieht große Chancen in einer stärkeren Kreislaufwirtschaft – fordert dafür aber klare und wettbewerbsfreundliche Rahmenbedingungen.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) zeigt auf, wie der geplante „Circular Economy Act“ der EU den Wandel unterstützen kann, ohne Unternehmen im internationalen Wettbewerb zu benachteiligen.
Im Mittelpunkt stehen verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und ein funktionierender Binnenmarkt für Sekundärrohstoffe.
Wiederverwenden statt Wegwerfen: Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft ist längst nicht mehr nur ein umweltpolitisches Leitbild, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Erfolgsfaktor. Entsprechend hoch ist die Bedeutung, die Unternehmen der Förderung zirkulärer Geschäftsmodelle beimessen – insbesondere auf europäischer Ebene.
Mit dem geplanten „Circular Economy Act“ will die Europäische Union Ressourceneffizienz, Recycling und den Einsatz von Sekundärrohstoffen deutlich ausbauen. Für Unternehmen in Deutschland und Europa eröffnet das neue Marktchancen, bringt zugleich aber auch Anpassungsdruck mit sich.
Unternehmen sehen Chancen – aber auch Unsicherheiten
Viele Betriebe investieren bereits in recyclingfähige Produkte, effizientere Produktionsprozesse und neue Geschäftsmodelle. Laut einer DIHK-Unternehmensumfrage aus dem Jahr 2024 haben sich mehr als die Hälfte der Unternehmen bereits konkret mit Maßnahmen zur Umstellung auf zirkuläre Geschäftsmodelle beschäftigt, weitere 20 Prozent planen entsprechende Schritte.
Während etwa jedes zweite Unternehmen in der Transformation wirtschaftliche Chancen erkennt, können mehr als ein Drittel die Auswirkungen auf das eigene Geschäftsmodell derzeit noch nicht abschließend beurteilen.
Nachfrage nach Recyclingmaterial stärken
Aus Sicht der Wirtschaft sollte die Politik vor allem marktorientierte Anreize schaffen, statt auf detaillierte Einzelvorgaben zu setzen. Informationskampagnen und transparente Produktkennzeichnungen könnten die Nachfrage nach Produkten mit Recyclinganteil gezielt erhöhen.
Gleichzeitig müsse das Angebot hochwertiger Sekundärrohstoffe verbessert werden. Dazu gehören der Ausbau moderner Recyclingkapazitäten, technologieoffene Ansätze – einschließlich chemischem Recycling – sowie europaweit einheitliche Qualitätsstandards.
Bürokratie abbauen und Binnenmarkt stärken
Ein zentrales Anliegen der Unternehmen ist eine möglichst unbürokratische Umsetzung neuer Vorgaben. Regelungen sollten praxisnah gestaltet, digital nutzbar und ressourcenschonend sein. Besonders komplexe Vorschriften müssten überprüft, vereinfacht oder zeitlich angepasst werden.
Zudem sieht die Wirtschaft Hindernisse im europäischen Binnenmarkt für Sekundärrohstoffe. Unterschiedliche nationale Regelungen – etwa bei der Definition des Abfallendes, bei Herstellerverantwortung oder Kennzeichnungspflichten – erschweren derzeit einen funktionierenden Markt.
Fairen Wettbewerb sicherstellen
Ein weiteres Problem sehen Unternehmen im internationalen Wettbewerb. Importprodukte aus Drittstaaten unterliegen häufig nicht denselben Umwelt- und Recyclingstandards wie europäische Waren. Daher fordert die DIHK einen europaweit harmonisierten und konsequenten Vollzug bestehender Regelungen.
Als wichtigen Hebel betrachtet die Wirtschaft die Digitalisierung. Der geplante digitale Produktpass könne Berichtspflichten vereinfachen und den Informationsfluss entlang von Lieferketten verbessern – vorausgesetzt, er werde europaweit einheitlich und unternehmensfreundlich umgesetzt.
Darüber hinaus fordert die DIHK stärkere Förderprogramme und innovationsfreundliche Regulierung, um neue Recyclingtechnologien, Materialinnovationen und zirkuläre Geschäftsmodelle voranzutreiben.
Rohstoffpotenziale besser nutzen
Besonders großes Potenzial sehen Unternehmen in der besseren Nutzung von Sekundärrohstoffen aus Elektroaltgeräten und Bauabfällen. Diese Stoffströme enthalten wertvolle Rohstoffe, die bislang nur unzureichend zurückgewonnen werden.
Auch im Chemikalienrecht sieht die Wirtschaft Handlungsbedarf. Stoffbeschränkungen müssten Umwelt und Gesundheit schützen, gleichzeitig aber den Einsatz sicherer Recyclingmaterialien ermöglichen.
Nach Einschätzung der DIHK kann die Transformation zur Kreislaufwirtschaft nur gelingen, wenn Unternehmen frühzeitig und systematisch in Gesetzgebungs- und Normungsprozesse eingebunden werden. So ließen sich Lösungen entwickeln, die ökologische Ziele mit wirtschaftlicher Realität verbinden.