Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

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Bild: ©BMUKN/ Bernd Lammel

Fehlende Datentransparenz, unzureichende stoffstrombezogene Informationen und schleppende Digitalisierung bremsen nach Einschätzung des bvse die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft. Auf der Netzwerkressourcenkonferenz im Bundesumweltministerium am 19. Mai diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden über den Einsatz digitaler Lösungen und Künstlicher Intelligenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 

Der bvse brachte dabei seine Erfahrungen aus dem diesjährigen DIGITAL-KI-SUMMIT aktiv in die Debatte ein und warb für mehr Vernetzung, belastbare Datengrundlagen und praxisnahe Digitalisierungspfade für Recyclingunternehmen.

Schwarzelühr-Sutter: Digitalisierung reduziert Ressourceneinsatz um bis zu sieben Prozent – Spielraum für Investitionen

Foto © Bernd Lammel - Telef.: +49 (172) 311 4885 - DEU / Berlin / .2026 / VDI /Netzwerkkonferenz "AP 6 NeRess im Bundesumweltministerium in Berlin, Stresemannstraße 128Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter Bild: © BMUKN/ Bernd Lammel

Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter betonte die Bedeutung digitaler Datenstrukturen für die Kreislaufwirtschaft. Entscheidend sei es, Daten besser zu nutzen, schnelle Zugriffe darauf zu ermöglichen und daraus Erkenntnisse abzuleiten.

Mit den richtigen Daten könnten die notwendigen Weichen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft gestellt werden. Digitalisierung reduziere den Ressourceneinsatz um bis zu sieben Prozent und schaffe dadurch zusätzliche Investitionsspielräume. Gleichzeitig forderte sie, die Digitalisierung in der Verwaltung deutlich intensiver und zielgerichteter voranzutreiben.

Besonders kleine und mittlere Unternehmen stünden weiterhin vor erheblichen Herausforderungen bei der Digitalisierung. Gerade dieser Mittelstand sei jedoch die tragende Säule der Kreislaufwirtschaft. Umso wichtiger seien Austausch, Vernetzung und praxisnahe Orientierungshilfen. Ihren Vortrag schloss die Staatssekretärin mit einem Appell, angelehnt an das Motto des diesjährigen Katholikentages: „Habt Mut, steht auf!“

Zirkularität und Digitalität stärker zusammenführen

In der anschließenden Diskussion machten die Panellisten deutlich: Kreislaufwirtschaft umfasst weit mehr als Recycling allein, sie umfasst den ganzen Lebenszyklus. Zirkularität und Digitalität müssen künftig stärker zusammengeführt werden, um Stoffströme transparent zu machen, Ressourcen effizienter einzusetzen und die Transformation hin zu einer zirkulären Wirtschaft erfolgreich zu gestalten.

Praxisperspektive aus dem DIGITAL-KI-SUMMIT: Orientierungspfade für Recyclingunternehmen

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Bild: Dr. Moritz Gomm, Entsorger Circle
Mit konkreten Praxisbeispielen aus dem DIGITAL-KI-SUMMIT brachte der bvse die Perspektive der Recyclingwirtschaft in die Diskussion ein. Fachreferent Johannes Hanke zeigte in seinem Impulsvortrag auf, dass KI zunehmend Einzug in die Kreislaufwirtschaft hält – allerdings deutlich langsamer als in anderen Branchen. Nach Einschätzung des Verbandes fehlt es vielen Unternehmen weiterhin an Orientierung und an Initialzündungen für konkrete Digitalisierungsprojekte.
Anhand von Best-Practice-Beispielen aus der Recyclingwirtschaft zeigte der bvse-Digital-Experte Erfolgsfaktoren und Entwicklungsperspektiven für Unternehmen auf.

„Für den bvse ist es wichtig, Digitalisierungspfade aufzuzeigen. Wie der persönliche Pfad aussieht, müssen Unternehmen aber grundsätzlich selber bestimmen“, betonte Hanke und ergänzte: „Der Appetit kommt bekanntlich beim Essen.“

Austausch und Datentransparenz als Grundlage einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft

0520 Netzwerkkonferenz 4 Gomm Bildquelle bvseDr. Moritz Gomm, Entsorger Circle Bild: bvse

Auch Hanke hob die Bedeutung von Netzwerken und Erfahrungsaustausch hervor. Wichtig sei insbesondere die Vernetzung von Unternehmen, die bereits Digitalisierungs- und KI-Lösungen einsetzen. Ein solches Netzwerk baut derzeit der Entsorger Circle auf, dessen Gründungsmitglied der bvse ist.

Im anschließenden Fachpanel diskutierte Johannes Hanke gemeinsam mit Jens Bahnsen (Buhck Umweltservices), Lukas Ries (Otto Dörner Gruppe) sowie Karsten Kurth (BDE) unter der Moderation von Dr. Ulrike Lange (VDI ZRE) über die Digitalisierung in der Recyclingwirtschaft. Im Fokus standen dabei nicht nur der Digitale Produktpass, sondern insbesondere stoffstrombezogene Daten und deren Bedeutung für funktionierende Recyclingmärkte. Die Verbände investieren bereits heute erhebliche Eigeninitiative und Ressourcen in die Datenerhebung, um faktenbasierte Marktübersichten und Rückblicke liefern zu können.

Dazu betonte Johannes Hanke: „Die Kreislaufwirtschaft ist mit einem großen schwerfälligen Schiff vergleichbar. Wir können es navigieren wie zu Zeiten von Christoph Columbus nur anhand der Himmelskörper; was wir aber eigentlich benötigen ist ein modernes Ortungs- und Navigationssystem, um den Status-Quo zu ermitteln.“

Gleichzeitig machte Hanke deutlich, dass bestehende Datenerhebungen durch Compliance- und Datenschutzvorgaben zunehmend erschwert oder unmöglich gemacht werden. „Um eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zu etablieren, ist die Ermittlung des Status quo auf allen Recyclingmärkten unabdingbar“, lautete das Resümee des bvse-Fachreferenten.

0520 Netzwerkkonferenz 5 Panel Bildquelle Dr. Moritz Gomm Entsorger CirclePanel v.l.n.r. Lukas Ries, Karsten Kurth, Jens Bahnsen, Johannes Hanke, Dr. Ulrike Lange   Bild: Dr. Moritz Gomm, Entsorger Circle

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