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China: Umfangreiche Investitionen in Hausmüllentsorgung vorgesehen

Von Corinne Abele, GTAI

Shanghai (GTAI) - China setzt sein im Juli 2017 verkündetes Importverbot für 24 Festmüll-Kategorien schrittweise um. Seit 2018 ist unter anderem die Einfuhr von Kunststoffabfällen und unsortiertem Altpapier verboten. Bis Ende 2019 soll dies für alle inländisch ersetzbaren Abfälle gelten. Die Entscheidung setzt in- wie ausländische Entsorger unter Druck und hat das Potenzial, die weltweite Müllwirtschaft umzukrempeln. Gleichzeitig investiert das Land gewaltig in den Aufbau seiner Recyclingwirtschaft.

Die schrittweise Umsetzung des bereits im Juli 2017 gegenüber der Welthandelsorganisation angezeigten für 24 Arten von Müll- und Abfallprodukten geltendes Importverbot hat in der Recyclingbranche weltweit Schockwellen ausgelöst. Seit Anfang 2018 ist die Einfuhr von vanadiumhaltigen Schlacken, Haushaltsplastikabfällen, unsortiertem Altpapier und unsortierten Alttextilien verboten.

Bis Ende 2019 sollen alle durch inländische Ressourcen ersetzbaren Abfallprodukte nicht mehr eingeführt werden können. Die Liste der betroffenen Kategorien wird laufend ergänzt. Ende 2019 dürften Händler keinen Festmüll mehr einführen; bereits 2018 wird die Vergabe entsprechender Lizenzen stark reglementiert und kontrolliert.

Chinas Entscheidung hat für die Recyclingbranche weltweit Konsequenzen. Denn zusätzlich zum eigenen Müll nahm das Reich der Mitte bislang auch den Großteil des Festmülls der Industrieländer auf - allein etwa zwei Drittel der Kunststoffabfälle weltweit. Seit den 80er Jahren ist es weltweit der größte Importeur von festen Abfallstoffen. Die Entsorgung und Wiederverwertung erfolgte mehr schlecht als recht, häufig unter erheblichen Umweltbelastungen und jenseits nationaler Standards.

Hohe Abnahmepreise und geringe Frachtkosten machten die Müllverschiffung nach China für Entsorger in USA oder Europa profitabler als eigene Recyclinganlagen aufzubauen. Dies könnte sich nun ändern. Zwar wird bereits jetzt ein Teil des schlecht sortierten Plastikmülls nach Malaysia oder Vietnam umgeleitet. Schon allein aufgrund des Volumens ist dies jedoch keine Alternative.

Bereits 2017 dürfte Deutschland rund 40 Prozent weniger Kunststoffabfälle nach China und Hongkong ausgeführt haben als im Vorjahr. Gemäß deutscher Zollangaben exportierte Deutschland 2016 rund 765.000 Tonnen Kunststoffabfälle nach China und Hongkong (wovon ein Großteil ebenfalls in China landet). Als Direkteinfuhr aus Deutschland weist die chinesische Zollstatistik rund 390.000 Tonnen Kunststoffabfälle aus. Rund ein Drittel der Gesamteinfuhren stammen demnach aus Hongkong, Japan und den USA.

China setzt auf inländische Recyclingwirtschaft

Ziel des Importverbots ist nicht nur, die eigene Umwelt zu schonen, sondern auch eine inländische international wettbewerbsfähige Entsorgungs- und Recyclingbranche aufzubauen. Stärker als bislang sollen inländisch vorhandene wiederverwertbare Rohstoffe genutzt werden. Diese sind bislang häufig stark verunreinigt und im Vergleich zu importierten Abfällen schwieriger zu verwerten. Der Regierungserlass vom 18. März 2017 macht nun die Sortierung von Haushaltsmüll in China zur Pflicht. Bis 2020 soll die Recyclingrate bezogen auf den gesamten Haushaltsmüll 35 Prozent erreichen.

Umgesetzt wird der Plan in mehreren Phasen - zuerst in den regierungsunmittelbaren Städten Beijing, Shanghai, Tianjin und Chongqing sowie in weiteren 27 Provinzhauptstädten, danach in zehn als Demonstrationsstädte für Hausmüllentsorgung ausgewählten kleineren Kommunen. Auch öffentliche Einrichtungen wie Universitäten und Schulen, das Gaststätten- und Hotelgewerbe sowie Groß- und Einzelhandelsmärkte oder Neuerschließungen müssen bis 2020 den Müll trennen.

Vorgesehen ist zum einen eine Aussortierung und gesonderte Entsorgung schadstoffhaltigen Mülls (unter anderem Batterien, Lacke, Medikamente, Glühbirnen), die Trennung der Küchenabfälle sowie die Sortierung und Wiederverwertung von Papier-, Kunststoff-, Textil-, Verpackungs-, Elektronik-, Glas- und Metallabfällen sowie von Verpackungsmüll aus Verbundmaterialien. Die Recyclingwirtschaft soll künftig vor allem auf höherwertige inländische Rohstoffabfälle zurückgreifen können.

Gewaltige Investitionen bis 2020 geplant

Die bislang im Land vorhandenen Sammel- und Vertriebsstellen sowie Recycling- und Müllverbrennungsanlagen reichen dafür sowohl quantitativ als auch qualitativ nicht aus. Allein im Rahmen des Fünfjahresprogramms 2016 bis 2020 zur Behandlung von Siedlungsabfällen plant die Regierung daher, bis 2020 rund 38 Milliarden US-Dollar (US$) zu investieren. Allein 1,4 Milliarden US$ sind für den Aufbau von Recycling- und Sortieranlagen als Pilotprojekte sowie weitere 600 Millionen US$ für Vertriebsstellen vorgesehen. Und rund 2,8 Milliarden US$ sollen in die Behandlung von Küchenabfällen investiert werden.

Das National Development and Strategy Research Institute der Chinesischen Volksuniversität in Beijing untersuchte 2015 in zwölf Städten die Zusammensetzung des Haushaltsmülls. Demnach stellten Küchenabfälle etwa 59 Prozent des Hausmülls, Kunststoffprodukte 12 und Papierabfälle 9 Prozent.

Die bereits weltweit spürbaren Veränderungen, zu denen auch die Umleitung von Kunststoffabfällen beispielsweise nach Malaysia und Vietnam zählt, sind erst der Anfang. Dabei beinhaltet Chinas Importverbot durchaus Entwicklungschancen für die deutsche Entsorgungs- und Recyclingindustrie - Zuhause sowie (mit chinesischen Partnern) in China.

So dürften nach Expertenmeinung wohl künftig in Deutschland die stoffliche Verwertung von Kunststoffen erhöht und neue Anlagen gebaut werden. Bereits jetzt sind einige deutsche Anlagen- und Komponentenhersteller sowie Recyclingunternehmen wie Remondis und Alba im Markt aktiv, bislang allerdings vor allem zur Behandlung industriellen Festmülls.

Zwar ist das Segment der Müllsammlung und -verwertung von Hausmüll inzwischen auch für ausländische Investoren geöffnet, aber aufgrund des Preisgefüges bislang unattraktiv und aufgrund staatlicher Strukturen schwierig. Die Professionalisierung des Sektors wird mittelfristig die bislang (im grauen Bereich) tätigen unzähligen Ein-Mann- und Kleinstunternehmen sowie jenseits der Standards arbeitenden Entsorgungsunternehmen verdrängen, die wiederverwertbare Rohstoffe aus dem Haushaltsmüll sammeln und weiter verkaufen.

Chinas Recyclingbranche wird sich in den nächsten Jahren neu aufstellen und entsprechende Technologien benötigen. Auch die Anzahl der Übernahmen von Entsorgungsspezialisten im Ausland wird weiter steigen.

Trotz aller Ambitionen zur Rückgewinnung und Wiederverwertung von Rohstoffen wird die thermische Abfallverwertung auch künftig Chinas Markt dominieren. Werden bislang 31 Prozent des Hausmülls verbrannt, so soll der Anteil bis 2020 auf 56 Prozent steigen. Ende 2015 waren in China nach offiziellen Angaben 257 Müllverbrennungsanlagen in Betrieb, bis 2020 werden etwa 800 weitere benötigt.

(C.A.)

Quelle: https://www.gtai.de

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