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KIBAG und SORTAG: zwei Marken, ein geschlossener Kreislauf. Die Sortieranlage in Rümlang liefert Recycling-Gesteinskörnungen direkt in die Betonproduktion der KIBAG. Foto: STEINERT GmbH

SORTAG ist ein Unternehmen der KIBAG-Gruppe, die zu den größten Baustoffproduzenten der Schweiz zählt. Mit STEINERT-Sortiertechnik sortiert SORTAG Bauabfälle so, dass daraus mineralische Recycling-Gesteinskörnungen entstehen, die den strengen Schweizer Normen für RC-Beton genügen. Ein Beitrag von STEINERT.

0325 Steinert2Gemischte Bauabfälle mit Beton, Ziegeln, Holz, Kunststoffen und Isolationen kommen bei SORTAG an und werden sensorbasiert in verwertbare Fraktionen sortiert. Foto: STEINERT GmbHWenn das sortierte Material direkt in die eigene Betonproduktion geht, gibt es keinen Puffer. Was die Sortierung durchlässt, landet im eigenen Produkt. Das macht die Qualitätsanforderung an SORTAG besonders konkret: Die Anlage muss so sortieren, dass die mineralische Fraktion den Normen für RC-Beton genügt, die in der Schweiz zu den strengsten weltweit gehören.

Genau das ist die Situation bei SORTAG in Rümlang bei Zürich. SORTAG gehört zur KIBAG-Gruppe. KIBAG ist einer der größten Baustoffproduzenten der Schweiz, betreibt 25 Betonwerke und deckt den gesamten Baustoffkreislauf ab: vom Bauvorhaben über Rückbau und Recycling bis zurück in die eigene Betonproduktion. Die Anlage sortiert jährlich 35.000 bis 40.000 Tonnen gemischte Bauabfälle und Sperrgut. Das Ziel: mineralische Recycling-Gesteinskörnungen, die den Anforderungen der Schweizer Betonnormen genügen. Kein Downcycling zu Straßenunterbau, sondern Material, das zurück in die Betonproduktion der eigenen Gruppe fließt.

"KIBAG ist ein sehr großer Betonproduzent und dafür brauchen wir RC [Anm. d. Red.: Recycling]-Baustoffe", sagt Benjamin Rickli, Leiter Entsorgung bei KIBAG und SORTAG. "SORTAG kann das in perfekter Qualität liefern."

Was reinkommt und was rauskommen muss

Das Inputmaterial ist ein Gemisch aus Mineralik, Holz, Kunststoffen, Isolationen, Verbundstoffen, Stahl, Schrott und Nichteisen-Metallen. Daraus muss eine mineralische Fraktion mit rund 98 Prozent Reinheit entstehen. Metalle lassen sich vergleichsweise einfach abtrennen. Das eigentliche Problem sitzt tiefer: Gips.

Gips ist in fast jedem Gebäude verbaut, als Putz oder Trockenbauplatten. Im Bauschutt ist er überall. Er hat eine ähnliche Dichte wie Beton und Ziegel, lässt sich per Windsichtung nicht abtrennen und zerfällt beim Brechen zu Feinkorn, das sich in der mineralischen Fraktion verteilt.

Im Beton löst Gips Sulfatreaktionen aus, die das Material langfristig schädigen. Die Schweizer Normen sind entsprechend streng: Im Betongranulat liegt der maximale Fremdstoffanteil bei 0,3 Massenprozent.

0325 Steinert3Benjamin Rickli verantwortet die Sortierung von jährlich 35.000 bis 40.000 Tonnen Bau- und Rückbauabfällen bei SORTAG in Rümlang bei Zürich. Foto: STEINERT GmbH"Früher waren die RC-Komponenten noch mit Gips versetzt", sagt Rickli. "Was wir heute sagen können: Wir sind gipsfrei."

Aber Gips ist nicht das einzige Thema. Die Zusammensetzung von Bauabfällen schwankt, je nach Saison, Baukonjunktur und Rückbauprojekt. Was heute vor allem Betonabbruch ist, kann morgen ein Mischabbruch mit hohem Holz- und Isolationsanteil sein. Eine Sortieranlage, die nur auf ein Problem hin optimiert ist, kommt da an Grenzen.

Sechs Maschinen, ein flexibles Sortierkonzept

0325 Steinert5Nahinfrarot-Sortierung im Betrieb: UniSort PR EVO 5.0 von STEINERT trennt nichtmineralische Störstoffe aus dem Bauabfallstrom bei SORTAG. Foto: STEINERT GmbHSORTAG setzt auf ein integriertes Sortierkonzept von STEINERT, das magnetische Separation und sensorbasierte Sortierung in einem Prozess verbindet. Sechs STEINERT-Maschinen decken den gesamten Sortierprozess ab.

Nach der mechanischen Vorsortierung und dem Sieben nach Korngröße beginnt die Metallabtrennung: Ein STEINERT UME Überbandmagnet und STEINERT MOR Magnetbandrolle ziehen die Eisenmetalle aus dem Strom, STEINERT EddyC trennt Nichteisenmetalle ab.

Damit sind die Metalle raus und die nachgelagerten Aufbereitungssysteme geschützt.

Im nächsten Schritt übernimmt UniSort PR EVO 5.0 die Sortierung per Nahinfrarot: Sie trennt Holz, Kunststoffe und andere nichtmineralische Bestandteile von der Mineralik.

UniSort PR EVO 5.0 arbeitet mit hyperspektraler NIR-Kamera, was die Erkennung auch bei schwierigen Materialien zuverlässiger macht.

0325 Steinert4Zwei STEINERT KSS XT | CLI Kombinationssortiermaschinen in der SORTAG-Anlage in Rümlang produzieren gipsfreies Recycling-Granulat für die Betonproduktion der KIBAG-Gruppe. Foto: STEINERT GmbHDen entscheidenden Schritt übernehmen zwei STEINERT KSS XT | CLI Kombinationssortiermaschinen.

Sie kombinieren Kamera-, Laser-, Induktion- und Röntgentechnik und bringen die mineralische Fraktion auf finale Reinheit. Hier wird der Gips aussortiert, hier werden Störstoffe erkannt, die einzelne Sensoren allein nicht sicher identifizieren können.

Die Kombination mehrerer Sensoren in einer Maschine ist auch der Grund, warum die Anlage flexibel auf wechselnde Inputzusammensetzungen reagieren kann, ohne dass Hardware getauscht werden muss.

"Somit steht die Produktqualität im Zentrum", sagt Rickli. "Und so haben wir ein gutes Produkt am Ende des Tages."

Heute Betonabbruch, morgen Mischabbruch

Rickli beschreibt den Betriebsalltag nüchtern: "Wir haben grundsätzlich zwei bis drei Standardprogramme, mit denen wir den ganzen Tag sortieren und durchwegs gute Qualitäten produzieren können. In speziellen Fällen ist es eine Möglichkeit, mit der Sortiertechnik von STEINERT Abfallströme zu ändern, andere Produkte auszusortieren."

Das klingt unspektakulär, ist aber in der Praxis ein Unterschied. Die meisten C&D-Sortieranlagen sind auf einen bestimmten Materialstrom kalibriert. Ändert sich die Zusammensetzung, sinkt die Sortierqualität oder es braucht manuelle Nacharbeit. Bei SORTAG lässt sich das Sortierprogramm anpassen. Rickli sieht das als konkreten Vorteil gegenüber dem, was vorher möglich war: "Das ist die Flexibilität die wir früher nicht hatten, aber heute haben."

Schweizer Niveau, internationales Problem

Die Schweiz gehört zu den Ländern mit den strengsten Anforderungen an Recycling-Baustoffe. Die SIA 2030 und die BAFU-Richtlinie definieren exakte Grenzwerte, öffentliche Auftraggeber verlangen zunehmend RC-Beton und kontrollieren die Qualität entsprechend. Gleichzeitig wird Deponieraum knapper und teurer, die natürlichen Kiesreserven gehen zurück.

"Weltweit sehen wir uns sehr weit vorne", sagt Rickli. "Weil die Schweiz einen sehr hohen Standard am Beton hat. Und dort braucht es einfach Top-Qualität, sonst ist es nicht mehr absetzbar."

0325 Steinert6 gypsum free recycled concrete aggregate steinert sorting 1Das Ergebnis von sechs STEINERT-Sortierstufen: gipsfreie Recycling-Gesteinskörnungen für die Schweizer Betonproduktion. Foto: STEINERT GmbHDie Gips-Problematik ist dabei kein Schweizer Sonderthema. Die europäische Norm EN 206 begrenzt den Sulfatgehalt in Recycling-Zuschlagstoffen auf 0,2 Prozent. Studien aus Belgien, Frankreich und Kanada zeigen, dass die meisten industriell verfügbaren Recycling-Aggregate diesen Wert überschreiten. Gips lässt sich mit herkömmlicher mechanischer Sortierung nicht zuverlässig abtrennen, weil seine Dichte der von Beton und Ziegel zu ähnlich ist. Das macht sensorbasierte Sortierung für jeden Betreiber relevant, der mineralische Fraktionen für gebundene Anwendungen produzieren will. "Am Schluss geht es immer um die Outputfraktion und deren Qualität", sagt Rickli. "Das ist das A und O."

Quelle: STEINERT

 

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