Bayerischer Landtagsantrag fordert Unterstützung für Sammelstrukturen bis zur Textil-EPR – bvse sieht zentrale Forderung des Verbandes aufgegriffen.
Der bvse begrüßt den Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag, die bestehenden Sammelstrukturen für Alttextilien mit einer zeitlich befristeten finanziellen Unterstützung zu stabilisieren. Aus Sicht des bvse-Fachverbandes Textilrecycling greift der Antrag damit eine zentrale Forderung der Branche auf.
„Der Kipp-Punkt ist erreicht. Jetzt entscheidet sich, ob wir die bestehende Infrastruktur stabilisieren können oder weitere Sammel- und Sortierkapazitäten verlieren. Die Finanzierungslücke ist allerdings kein bayerisches Problem. Die gesamte Branche braucht eine belastbare Brücke bis zum EPR-Start“, erklärt Marwin Gedenk, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Textilrecycling.
Wie akut die Lage ist, wurde auch bei der Mitgliederversammlung im Rahmen der bvse-Jahrestagung am 29. September in Köln deutlich. Viele Sammler befürchten einen Zusammenbruch des Sammelsystems bis zur Etablierung des EPR-Systems im April 2028.
Unternehmen verschwinden durch Insolvenzen vom Markt oder ziehen Container ab, um weitere Verluste zu vermeiden. Die verbleibenden Sammler sehen sich mit einem wachsenden Anteil qualitativ minderwertiger Textilien und zunehmenden Störstoffen konfrontiert. Gleichzeitig werden Container aufgebrochen und Textilien außerhalb der Container abgeladen, wo sie durch Witterungseinflüsse für die Wiederverwendung unbrauchbar werden.
Auch die Zahlen der bvse-Textilstudie zeigen die strukturelle Verschärfung: Die Sammelmenge in Deutschland stieg auf rund 1,3 Millionen Tonnen. Gleichzeitig sank der Anteil der Wiederverwendung von 62 auf 44 Prozent, während die thermische Verwertung von 12 auf 21 Prozent zunahm. Der Anteil an Fremd- und Störstoffen liegt inzwischen bei 15 bis 20 Prozent.
„Mehr Menge ist heute nicht mehr gleich mehr Wert. Sinkende Qualitäten, schwierige Absatzmärkte und steigende Kosten für Sammlung, Sortierung und Entsorgung setzen die Unternehmen massiv unter Druck“, so Gedenk.
Zusätzliche Unsicherheit besteht durch die seit Januar 2025 geltende Pflicht zur Getrenntsammlung von Textilien. Aus Sicht des bvse braucht es deshalb kurzfristig eine verlässliche Finanzierung der bestehenden Sammel- und Sortierstrukturen. Eine solche Finanzierungsbrücke fordert der Verband bereits seit Längerem.
„Die EPR ist der entscheidende Hebel für eine dauerhafte Lösung. Aber sie kommt zu spät, um die aktuelle Finanzierungskrise allein aufzufangen. Wenn heute Sammel- und Sortierstrukturen verschwinden, fehlen sie morgen für die EPR“, betont Gedenk.
Der bvse wertet den bayerischen Antrag daher als wichtigen politischen Impuls und fordert eine bundesweit tragfähige Übergangslösung. Ein entsprechender Vorstoß der Grünen im Bundestag fand bislang keine Mehrheit.



