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„Wer Sammelcontainer entfernt, gefährdet die textile Kreislaufwirtschaft“ 

Der bvse-Fachverband Textilrecycling warnt vor einem weiteren Rückbau kommunaler Altkleidercontainersysteme. Aktueller Anlass ist die Entscheidung der Stadt Oberhausen, die europaweite Ausschreibung zur Sammlung und Verwertung von Alttextilien wenige Tage vor Ablauf der – zuvor bereits verlängerten – Angebotsfrist aufzuheben und die städtischen Depotcontainer ab dem 1. August schrittweise aus dem öffentlichen Raum abzuziehen.

Für den Verband ist diese Entscheidung ein Warnsignal. Bestehende Sammelinfrastrukturen stehen bereits unter enormen Druck. Der Rückbau kommunaler Depotcontainersysteme verschärft diese Entwicklung weiter – mit erheblichen Folgen für die getrennte Sammlung und das Recycling von Alttextilien.

Bewährtes Sammelsystem wird aufgegeben

Pressebild Marwin Gedenk bearbeitet 300 dpiMit der Aufhebung der Ausschreibung gibt die Stadt Oberhausen ein Sammelsystem auf, über das nach den Ausschreibungsunterlagen jährlich zwischen 600 und 750 Tonnen Alttextilien an rund 30 Containerstandorten erfasst wurden. Die parallel angebotene haushaltsnahe Abholung erreicht dagegen nach Schätzungen lediglich 50 bis 150 Tonnen pro Jahr.

Nach Einschätzung des Vorsitzendenden des bvse-Fachverbands Textilrecycling, Marwin Gedenk, kann die haushaltsnahe Abholung die Depotcontainersammlung weder hinsichtlich der Sammelmengen noch der Wirtschaftlichkeit ersetzen.

„Wenn Kommunen Depotcontainer abbauen, gehen wertvolle Sammelmengen verloren. Das gefährdet nicht nur das Textilrecycling, sondern auch die Erreichung der europäischen Kreislaufwirtschaftsziele. Oberhausen darf deshalb kein Vorbild für andere Kommunen werden“, erklärt Gedenk.

Verwertung muss transparent bleiben

Die Entscheidung in Oberhausen wirft zudem Fragen zur künftigen Verwertung der Alttextilien auf. Die aufgehobene Ausschreibung umfasste ausdrücklich sowohl die Sammlung als auch die Verwertung der Alttextilien.

Für den bvse-Fachverband stellt sich deshalb die Frage, auf welchem Weg die künftig erfassten Alttextilien verwertet werden, wer diese Verwertung übernimmt und wie eine hochwertige Verwertung dauerhaft sichergestellt werden soll.

„Wenn die ursprünglich ausgeschriebene Verwertungsleistung entfällt, muss transparent dargestellt werden, wie die künftig gesammelten Alttextilien hochwertig verwertet werden sollen. Gerade im Sinne der Kreislaufwirtschaft muss nachvollziehbar sein, welcher Verwertungsweg künftig vorgesehen ist“, so Gedenk.

Alttextilcontainer bleiben unverzichtbar

Seit dem 1. Januar 2025 gilt die gesetzliche Pflicht zur getrennten Sammlung von Alttextilien. Depotcontainersysteme zählen zu den tragenden Säulen der Alttextilerfassung.

Weniger frei zugängliche Sammelcontainer dürften dazu führen, dass mehr Alttextilien im Restmüll landen. Ein Teil könne zwar über Wertstoffhöfe oder gemeinnützige Sammlungen aufgefangen werden, diese könnten die wegfallenden Containerkapazitäten jedoch keinesfalls ersetzen, betont Gedenk.

Hinzu kommt, dass die verbliebenen Container bereits heute vielerorts deutlich stärker ausgelastet sind. Statt funktionierende Sammelsysteme zurückzubauen, fordert der bvse eine intensivere Bewirtschaftung der Standorte durch häufigere Leerungen sowie die konsequente Beseitigung von Beistellungen.

„Überlaufende Container sind kein Beleg dafür, dass das Sammelsystem versagt. Sie zeigen vielmehr, dass die vorhandenen Kapazitäten den Bedarf nicht mehr decken. Die richtige Antwort lautet deshalb: häufiger leeren statt Container abbauen“, macht Gedenk deutlich.

Der bvse warnt zudem vor einem Dominoeffekt. Wenn Kommunen ihre Sammelcontainer entfernen, steigt der Mengendruck auf die verbleibenden gewerblichen und gemeinnützigen Sammelsysteme. Diese geraten zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen, sodass langfristig weitere Containerstandorte verloren gehen könnten. Dadurch würden auch die bestehenden Erfassungs-, Sortier- und Verwertungsstrukturen weiter geschwächt.

Herstellerverantwortung braucht Sammelinfrastruktur

Besonders kritisch bewertet der Verband die Entwicklung vor dem Hintergrund der europäischen Ziele zur getrennten Sammlung von Alttextilien und der geplanten Einführung der Erweiterten Herstellerverantwortung (EPR).

„Mit der Einführung der Erweiterten Herstellerverantwortung werden leistungsfähige Sammelsysteme wichtiger denn je. Es ist widersprüchlich, einerseits höhere Sammel- und Recyclingquoten zu fordern und andererseits bestehende Sammelinfrastrukturen zurückzubauen. Wer heute Container abbaut, riskiert, dass morgen die notwendigen Sammelkapazitäten fehlen“, erklärt Gedenk.

bvse fordert politische Unterstützung

Der bvse appelliert an Kommunen sowie an die politischen Entscheidungsträger in Bund und Ländern, bestehende Depotcontainersysteme als unverzichtbaren Bestandteil der Alttextilerfassung zu erhalten, die bestehende Sammelinfrastruktur gezielt finanziell zu unterstützen und sie bei der Ausgestaltung der Erweiterten Herstellerverantwortung ausdrücklich zu berücksichtigen.

„Deutschland braucht für eine funktionierende textile Kreislaufwirtschaft verlässliche und leistungsfähige Sammelstrukturen. Haushaltsnahe Abholsysteme verursachen aufgrund des höheren Personal-, Fahrzeug- und Verwaltungsaufwands deutlich höhere Kosten je gesammelter Tonne als Depotcontainersysteme. Wer heute funktionierende Sammelinfrastruktur abbaut, schafft morgen höhere Kosten, geringere Sammelmengen und schlechtere Voraussetzungen für mehr Textilrecycling. Deshalb müssen bestehende Depotcontainersysteme erhalten und als unverzichtbarer Bestandteil der künftigen Kreislaufwirtschaft dauerhaft gesichert werden.

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