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„Neuausrichtung und Ausbau der Klärschlamm-Entsorgung sind dringend notwendig. Das Rückgewinnen von Phosphor muss dabei von Beginn an mitgedacht werden.“ Erklärt Umweltstaatssekretär Andre Baumann auf dem 7. Phosphor-Kongress Baden-Württemberg.

Umweltstaatssekretär Andre Baumann hat beim digitalen Phosphor-Kongress des Landes deutlich gemacht, wie dringend notwendig Neuausrichtung und Ausbau der Klärschlamm-Entsorgung in Verbindung mit der Phosphor-Rückgewinnung sind. „Wir müssen die Klärschlamm-Entsorgung in allen Regionen unseres Landes zukunftsfähig ausrichten, damit wir die Erfolge der Vergangenheit in die Zukunft bringen“, sagte Baumann.

„Es ist ein großer Erfolg des Umweltschutzes in Baden-Württemberg, dass heute kein Klärschlamm auf Äckern ausgebracht, sondern nahezu vollständig energetisch verwertet wird. Das Mitverbrennen des Klärschlamms in Zementwerken wird auslaufen und aus der Kohlekraftnutzung müssen wir für den Klimaschutz aussteigen. Darum brauchen wir im Land zusätzliche Mono-Verbrennungsanlagen, in denen Klärschlamm verbrannt wird. Phosphor gilt es auch aus dem Klärschlamm zu holen“, betonte Staatsekretär Baumann heute (18.11.) bei einem Impulsgespräch zur Rückgewinnung von Phosphor.

Eine Klärschlamm-Verwertung in Zementwerken ist ab 2029 grundsätzlich nur nach vorheriger Phosphor-Rückgewinnung möglich; Kohlekraftwerke werden sukzessive abgeschaltet.

„Dass wir den Ausbau der Infrastruktur für die Klärschlamm-Entsorgung in den Koalitionsvertrag aufgenommen haben, beweist, welche Bedeutung wir dieser Thematik landespolitisch beimessen“, so Baumann. Besonders im Nord-Osten und im Süden des Landes werden noch Verbrennungskapazitäten benötigt.

Der Umweltstaatssekretär hob die wichtige Rolle der Kommunen und Abwasserzweckverbände hervor, die die erforderlichen Kapazitäten zur thermischen Behandlung ihrer Klärschlämme aufbauen müssen und ermutigte zur interkommunalen Zusammenarbeit. Das Umweltministerium unterstütze sie bei dieser Herausforderung gemeinsam mit dem DWA-Landesverband (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall).

Bisher werden erhebliche Klärschlamm-Mengen aus Baden-Württemberg in einem sächsischen Braunkohlekraftwerk mitverbrannt. „Von diesem Abfalltourismus müssen wir loskommen und uns im Land selbst um unsere Abfälle kümmern“, erklärte Baumann. Wesentlich für die Akzeptanz neuer Anlagen vor Ort seien Transparenz und das frühzeitige Einbeziehen der betroffenen Bürgerinnen und Bürger. „So können Missverständnisse ausgeräumt und gemeinsame Lösungen für Konfliktpunkte gefunden werden.“

Chance für Nahwärmenetze und das Rückgewinnen von Phosphor

Neue Verwertungsanlagen bieten laut Andre Baumann große Chancen. Durch den Bau einer Klärschlammverbrennung könnten Nahwärmenetze aus- oder aufgebaut und umliegende Gemeinden mit klimaneutraler Wärme versorgt werden. Zudem ermögliche die Klärschlamm-Monoverbrennung – im Gegensatz zur aktuellen Mitverbrennung in Kohlekraftwerken – das Rückgewinnen des lebenswichtigen Rohstoffs Phosphor. Baumann: „So können wir unsere Abhängigkeit vom Import zunehmend schadstoffbelasteter Rohphosphate aus Asien und der Westsahara reduzieren, bei dessen Abbau massive Umweltschäden verursacht werden“.

Ein wichtiger Partner bei der Nutzung von Sekundär-Phosphaten ist für Baumann der stark wachsende ökologische Landbau, bei dem ein großer Bedarf an pflanzenverfügbarem Phosphor-Dünger bestehe. Laut einer aktuell vom Umweltministerium geförderten Studie besteht allein in Baden-Württemberg ein jährliches Phosphor-Defizit von neun Kilogramm pro Hektar.

Noch sei die Verwendung von aus Klärschlamm gewonnenen Sekundär-Phosphaten im Ökolandbau nicht zugelassen. Hierzu müssten erst die rechtlichen Rahmenbedingungen auf EU-Ebene geschaffen und die Sekundär-Phosphate in die Positivliste der EU-Ökoverordnung aufgenommen werden. Der erste wichtige Schritt auf diesem Weg wurde mit der Aufnahme der Sekundärphosphate in die EU-Düngeprodukteverordnung inzwischen erfolgreich genommen.

Quelle und weitere Informationen: https://um.baden-wuerttemberg.de .

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