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Quelle: RWE

RWE errichtet Versuchsanlage zur Phosphorgewinnung aus Klärschlamm

RWE geht neue Wege in der Produktion von Phosphor: Im Innovationszentrum Niederaußem errichtet das Essener Energieunternehmen eine Versuchsanlage zur Rückgewinnung des lebenswichtigen Rohstoffs.

Dazu hat RWE jetzt den Auftrag für eine sogenannte Multi-Fuel-Conversion-Anlage (MFC) erteilt. Von 2021 an sollen darin Gemische von Klärschlamm, Klärschlamm-Asche und Braunkohle hohen Temperaturen um 1.500 Grad und starkem Sauerstoffmangel ausgesetzt werden. Auf diese Weise entsteht gasförmiger Phosphor, der – möglichst rein abgeschieden – zu Phosphorsäure verarbeitet werden kann.

Phosphor ist für die Herstellung von Kunstdünger unersetzlich. Bisher wird dieser aus Mineralien gewonnen, die in Ländern wie China, Marokko/Westsahara, USA und Russland in Bergwerken abgebaut werden. Die Vorkommen sind aber begrenzt. Phosphor kann auch aus biogenen Abfällen zurückgewonnen werden. Eine der Hauptquellen dafür ist Klärschlamm. RWE macht hier schon jetzt einen entscheidenden Schritt in die Zukunft: Das Phosphor-Recycling aus Klärschlamm wird von 2029 an in Deutschland Pflicht.

Mit dem innovativen Ansatz geht die MFC-Anlage zudem ein dringendes Problem an: In Deutschland muss immer mehr Klärschlamm verbrannt werden. Denn immer weniger darf als Dünger auf Äckern und Feldern ausgebracht werden. RWE hat 2018 insgesamt 890.000 Tonnen Klärschlamm in verschiedenen Kraftwerken mitverbrannt. Das sind 13 Prozent der in Deutschland oder etwa 58 Prozent der in NRW anfallenden Menge.

In der MFC-Anlage wird nicht nur der Phosphoranteil des Klärschlamms zurückgewonnen, sondern auch ein Teil des Kohlenstoffs. Denn das Material wird nicht verbrannt und damit vollständig zu CO2 und Wasserdampf umgewandelt. Vielmehr entsteht Synthesegas, eine Mischung aus CO und Wasserstoff. Die wird in der chemischen Industrie als Rohstoff eingesetzt. Das Verfahren kann so einen wichtigen Beitrag für eine zukünftige Kreislaufwirtschaft leisten – nicht nur in Bezug auf Phosphor, sondern auch auf Kohlenstoff; und auch nicht nur für Klärschlamm, sondern auch für andere kohlenstoffhaltige Materialien, wie Abfälle oder Biomasse.

RWE hat den Auftrag über die Planung und Errichtung der MFC-Anlage an die Thermische Apparate Freiberg GmbH (TAF) vergeben. Bis zum Frühjahr 2020 sollen die ersten Teile errichtet sein. Die komplette MFC-Anlage soll im Sommer 2021 in Betrieb gehen. Die Versuchsanlage ist Teil des virtuellen „Innovations- und Technologiezentrums zur stofflichen Nutzung nachhaltiger Kohlenstoffquellen“ (ITZ-CC) in Nordrhein-Westfalen von RWE, Fraunhofer UMSICHT und Ruhr-Universität Bochum. Das ITZ-CC wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW gefördert.

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