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Johannes Karl, Schutt-Karl GmbH Bild: bvse

Der Referentenentwurf zur Novellierung der Ersatzbaustoffverordnung (EBV) sieht aus Sicht des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. wichtige Vereinfachungen und Klarstellungen vor. Beim 12. bvse-Mineraliktag / Baustoff Recycling Forum, am 15. Juli 2026, in Ingolstadt, warnte die Baustoffrecyclingbranche jedoch, dass regelkonform arbeitende Unternehmen ohne einen konsequenten und einheitlichen Vollzug weiterhin Wettbewerbsnachteile erleiden.

EBV-Novelle soll Verfahren vereinfachen

0724 Schmidmeyer DSC 2418Stefan Schmidmeyer, Geschäftsführer von bvse und Baustoff Recycling Bayern e.V., bewertete die Novellierung grundsätzlich positiv. Die vorgesehenen Änderungen betreffen unter anderem die Eignungsnachweise für mobile Anlagen, die werkseigene Produktionskontrolle, die Grundwasserdeckschicht und die Anzeigepflichten. Zudem sollen Verfahren stärker digitalisiert werden.

Kurz nach Schmidmeyers Vortrag wurde bekanntgegeben, dass der Referentenentwurf veröffentlicht worden war. Die Novelle bringe die Branche bei „Vereinfachung, Vereinheitlichung, Klarstellung und mehr Rechtssicherheit“ einen großen Schritt weiter und bedeute zumindest „ein bisschen weniger Bürokratie“, bilanzierte Schmidmeyer. Entscheidend sei nun, dass die Behörden die Vorgaben einheitlich anwenden und kontrollieren.

Praxisbericht: Jährlich rund 40.000 Euro für Analytik

20260715 1016061 002Welche Belastungen durch unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen entstehen, zeigte Johannes Karl von der Schutt-Karl GmbH anhand der betrieblichen Praxis.

Der mittelständische zertifizierte Entsorgungsfachbetrieb bereitet mineralische Abfälle stationär sowie mobil auf und stellte bereits vor Inkrafttreten der EBV im August 2023 qualitätsgesicherte Recyclingbaustoffe nach den Leitlinien der QUBA Qualitätssicherung Sekundärbaustoffe GmbH und des Bayerischen Recyclingleitfadens her.

Die Einführung der Verordnung sei mit viel Arbeit verbunden, aber grundsätzlich machbar gewesen. Für die produzierten Körnungen habe das Unternehmen zehn Eignungsnachweise benötigt. Jeder davon habe gegenüber einer regulären Fremdüberwachung etwa 900 Euro mehr gekostet. Daraus ergaben sich zusätzliche Kosten von rund 9.000 Euro.

Auch die laufenden Untersuchungen seien teurer geworden. „Pro Analyse in der Fremdüberwachung zahlen wir heute etwa 500 Euro mehr als vor der EBV“, berichtete Karl. Bei jährlich 20 bis 25 Analysen für die Zertifizierung der Recyclingbaustoffe summierten sich allein diese Mehrkosten auf mindestens 10.000 Euro. Insgesamt wende Schutt-Karl pro Jahr rund 40.000 Euro für Analytik im Bereich der Recyclingbaustoffe auf. Hinzu kämen Personal- und Dokumentationskosten, zusätzliche Transporte, technische Anforderungen und der Bedarf an größeren Lagerflächen.

Karl stellte die Notwendigkeit der Qualitätssicherung nicht infrage. „Ohne Qualität werden wir keine Akzeptanz und keinen Markt haben“, sagte er.

Schutt-Karl sieht Nachteile bei der Auftragsvergabe

Nach Karls Einschätzung tragen jedoch nicht alle Marktteilnehmer den Aufwand für Analytik und Güteüberwachung in gleichem Umfang.

Es sei zu beobachten, dass vor allem bei kleineren mobilen Maßnahmen und auf Sammelplätzen Materialien aufbereitet und anschließend verwendet werden, ohne dass eine Güteüberwachung erkennbar sei. Auch die Kontrolldichte unterscheide sich regional. „Der eine Landkreis kontrolliert mehr, der andere weniger.“

Bei Angebotsvergleichen habe Schutt-Karl wiederholt die Kunden-Rückmeldung erhalten, dass in günstigeren Konkurrenzangeboten keine Positionen für Analytik und Güteüberwachung ausgewiesen seien. „Die Folge ist, dass unser Angebot oft eine Ablehnung erhält“, berichtete Karl. Für Unternehmen, die alle Anforderungen umsetzten, entstehe damit „ein deutlicher Wettbewerbsnachteil“. Sein Fazit: „Gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen am Markt noch lange nicht.“

Die Branche benötige daher nicht in erster Linie zusätzliche Vorgaben, sondern wirksame Kontrollen und einheitliche Maßstäbe. „Die Ersatzbaustoffverordnung hat wichtige Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft geschaffen. Die Umsetzung ist teilweise anspruchsvoll und aufwendig – umso wichtiger sind einheitliche Maßstäbe für alle Beteiligten“, betonte Karl.

Öffentliche Hand nutzt RC-Baustoffe noch zu selten

Beim Absatz von Recyclingbaustoffen sieht das Unternehmen ebenfalls Nachholbedarf. Während die Nachfrage privater und gewerblicher Auftraggeber steige, würden RC-Baustoffe in Ausschreibungen und Genehmigungen der öffentlichen Hand teilweise weiterhin ausgeschlossen.

Karl verwies auf ein Projekt, bei dem eine Genehmigung den Einsatz von Recyclingbaustoffen zunächst untersagt habe. Nach Gesprächen mit der Behörde und unter Verweis auf die Einbautabellen der EBV habe Schutt-Karl schließlich 7.000 Tonnen Recyclingmaterial liefern können. „Es gibt grundsätzlich ein hohes Marktpotenzial für Recyclingbaustoffe, aber die Umsetzung scheitert gerade in der öffentlichen Hand noch“, sagte Karl.

QUBA sichert mehr als vier Millionen Tonnen

0724 Fischer DSC 2424Thomas Fischer und Daniel Rutte von der QUBA Qualitätssicherung Sekundärbaustoffe GmbH unterstrichen die Bedeutung nachvollziehbarer Qualitätsnachweise. „Was nicht dokumentiert ist, wird nicht geglaubt“, erklärten sie.

Mehr als 250 Zeichennutzer sichern inzwischen über vier Millionen Tonnen Sekundärbaustoffe nach dem QUBA-Standard. Von 2024 bis 2025 habe sich die qualitätsgesicherte Menge verdoppelt. Im Zuge einer Kooperation mit der AGROLAB GROUP sollen Laborergebnisse künftig über eine XML-Schnittstelle automatisiert in den digitalen Qualitätssicherungsprozess übernommen werden.

„Einheitliche Regeln allein reichen nicht. Entscheidend ist, dass sie von den Behörden nach denselben Maßstäben angewendet und kontrolliert werden“, fasst bvse-Geschäftsführer Stefan Schmidmeyer zusammen.

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