Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

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Die Versicherbarkeit von Recyclinganlagen, drohende Einschränkungen beim Schrottexport und steigende Risiken in der Transportlogistik standen im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung des bvse-Fachverbandes Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling am 30. September in Köln.

Auf scharfe Kritik stießen die Überlegungen der Europäischen Kommission, Schrottexporte mithilfe abfallrechtlicher Regelungen einzuschränken.

Schrottexporte: bvse warnt vor Eingriffen in funktionierende Märkte

1019 sebastian willSebastian Will, geschäftsführendes Mitglied des bvse-Präsidiums und stellvertretender Fachverbandsvorsitzender, warnte vor den wirtschaftlichen Folgen entsprechender Maßnahmen. „Das würde zu einem erheblichen Eingriff in funktionierende Recyclingmärkte führen“, erklärte Will. Seine Forderung an die europäische Politik fiel entsprechend eindeutig aus: „Diese Pläne müssen vom Tisch!“

Hintergrund der Diskussion ist die strategische Bedeutung von Metallschrotten für die europäische Rohstoffversorgung und die Dekarbonisierung der Industrie. Während die EU die Verfügbarkeit von Sekundärrohstoffen für die heimische Industrie verbessern will, sieht die Recyclingwirtschaft in staatlichen Exportbeschränkungen erhebliche Risiken für den Wettbewerb und die wirtschaftliche Verwertung von Schrott.

Für die überwiegend mittelständisch geprägte Branche sind funktionierende internationale Absatzmärkte von zentraler Bedeutung. Sie ermöglichen es den Unternehmen, auf unterschiedliche Nachfragesituationen zu reagieren und ihre aufbereiteten Sekundärrohstoffe zu marktgerechten Bedingungen zu vermarkten.

Eine Einschränkung dieser Absatzmöglichkeiten könnte den Wettbewerbsdruck auf die Abnehmer verringern und damit die Erlössituation der Recyclingunternehmen belasten. Aus Sicht des bvse dürfen industriepolitische Ziele deshalb nicht zulasten funktionierender Recyclingmärkte verfolgt werden.

Batteriebrände gefährden die Entsorgungssicherheit

1019 bernhard jehleMit deutlichen Worten kritisierte Bernhard Jehle, bvse-Vizepräsident und Vorsitzender des Fachverbandes Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling, die aus seiner Sicht unzureichenden Ergebnisse des vom Bundesumweltministerium einberufenen Runden Tisches zu Batteriebränden in der Abfallwirtschaft.

Besonders enttäuscht zeigte sich Jehle darüber, dass sich die Beteiligten nicht auf die Einrichtung eines Brandschutzfonds verständigen konnten. Angesichts der zunehmenden Brandereignisse in Sammelfahrzeugen und Recyclinganlagen stehe die Branche vor einer existenziellen Herausforderung.

„Ob unsere Unternehmen überhaupt versichert werden können, angesichts der Häufigkeit der Brandereignisse, steht völlig in den Sternen. Das kann dazu führen, dass die Entsorgungssicherheit künftig nicht mehr gewährleistet werden kann“, warnte Jehle.

Damit rückt neben den unmittelbaren Schäden durch Batteriebrände zunehmend die wirtschaftliche Absicherung der Recyclingunternehmen in den Mittelpunkt. Können Betriebe keinen ausreichenden Versicherungsschutz mehr erhalten oder steigen die Prämien auf ein wirtschaftlich nicht mehr tragbares Niveau, geraten Investitionen und im schlimmsten Fall ganze Betriebsstandorte in Gefahr.

Die Problematik reicht damit weit über die betroffenen Unternehmen hinaus. Denn ohne leistungsfähige und wirtschaftlich abgesicherte Entsorgungs- und Recyclingbetriebe lässt sich die Funktionsfähigkeit der Kreislaufwirtschaft langfristig nicht gewährleisten.

Phantomfrachtführer verursachen Millionenschäden

1019 charleen richterEin weiteres wirtschaftliches Risiko für die Schrott- und Metallwirtschaft beleuchtete Charleen Richter von KRAVAG Versicherung. Ihr Vortrag beschäftigte sich mit der wachsenden Zahl von Frachtdiebstählen durch sogenannte Phantomfrachtführer.

Dabei übernehmen Kriminelle unter falscher Identität reguläre Transportaufträge, holen die Ware ab und verschwinden anschließend mitsamt der Ladung. Besonders gefährdet sind hochwertige und vergleichsweise leicht vermarktbare Güter, darunter Metalle.

Die von Richter vorgestellten Zahlen verdeutlichen die Dimension des Problems. Im Jahr 2025 registrierten deutsche Transportversicherer 171 entsprechende Fälle – doppelt so viele wie im Vorjahr. Der durchschnittliche Schaden lag bei rund 180.000 Euro. Insgesamt summierten sich die Schäden auf etwa 30 Millionen Euro. Rechnerisch verschwand damit etwa alle zwei Tage eine komplette Lkw-Ladung.

Nach Darstellung Richters gehen die Täter zunehmend professionell vor. Sie nutzen die Identitäten existierender Transportunternehmen, manipulieren E-Mail-Adressen und Telefonnummern oder gründen eigens für ihre Betrugsaktivitäten vorbereitete Firmen.

Teilweise werden zunächst reguläre Transporte durchgeführt, um Vertrauen aufzubauen und eine glaubwürdige Geschäftshistorie vorweisen zu können. In anderen Fällen verschaffen sich Kriminelle Zugang zu den IT-Systemen etablierter Frachtführer und übernehmen Transportaufträge über deren tatsächliche Benutzerkonten.

Gerade für die Schrottwirtschaft können solche Betrugsfälle erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Neben dem unmittelbaren Warenverlust drohen Auseinandersetzungen über Haftungsfragen und Versicherungsschutz. Richter empfahl den Unternehmen deshalb, bei der Vergabe von Transportaufträgen konsequent auf sichere Kommunikationswege, sorgfältige Dokumentenprüfungen und den persönlichen Kontakt zu den beauftragten Frachtführern zu achten.

Insbesondere bei kurzfristigen Transportaufträgen und bislang unbekannten Geschäftspartnern dürfe Zeitdruck nicht dazu führen, notwendige Sicherheitsprüfungen zu vernachlässigen.

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