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CMA und bvse fordern klare Absage an die Sliding Scale – Grüner Stahl muss nach tatsächlichen Emissionen bewertet werden.

cma bvseDie Verbände CMA Circular Metal Association (ehemals BDSV & VDM) und bvse-Recycling Germany sprechen sich gegenüber der EU-Kommission für ein glaubwürdiges europäisches Green-Steel-Label aus, das tatsächliche Klimavorteile sichtbar macht, Kreislaufwirtschaft stärkt und verlässliche Orientierung für Kunden, Investoren und öffentliche Beschaffung bietet. Zugleich warnen die zwei Verbände eindringlich vor der Einführung einer sogenannten Sliding Scale als Grundlage für die Definition von grünem Stahl.

Nach Auffassung der Verbände muss ein Green-Steel-Label einem einfachen Grundsatz folgen: Grüner Stahl muss Stahl mit niedrigen, nachvollziehbaren und überprüfbaren Emissionen sein. Maßgeblich sollte der tatsächliche Product Carbon Footprint sein – nicht die Frage, aus welcher Produktionsroute ein Stahlprodukt stammt oder wie schwierig die Transformation einzelner Anlagen ist.

Die Sliding Scale verfehlt diesen Anspruch. Sie passt Emissionsgrenzwerte an den Anteil des eingesetzten Stahlschrotts an. Je höher der Recyclinganteil, desto strenger wird der Grenzwert. Umgekehrt erhalten Produktionsrouten mit geringerem Einsatz recycelter Rohstoffe großzügigere Schwellenwerte.

Dadurch kann Stahl mit höheren tatsächlichen Emissionen eine günstige „grüne“ Klassifizierung erhalten, während recyclingbasierte und bereits heute deutlich emissionsärmere Produktionswege strengeren Anforderungen unterliegen.
„Ein Green-Steel-Label darf nicht dazu führen, dass höhere Emissionen methodisch schöngerechnet werden. Wer grünen Stahl definieren will, muss tatsächliche Umweltleistung messen – nicht historische Produktionsstrukturen schützen“, erklären CMA und bvse gemeinsam.

Die Verbände sehen in der Sliding Scale eine strukturelle Benachteiligung zirkulärer Produktionswege. Der Einsatz von recyceltem Stahl ist eine der ausgereiftesten, skalierbarsten und wirksamsten Möglichkeiten, Emissionen in der Stahlproduktion zu senken. Er reduziert den Bedarf an Primärrohstoffen, Energie und emissionsintensiver Erz- und Kohle-basierter Produktion. Eine Methodik, die diesen Vorteil rechnerisch abschwächt oder in strengere Anforderungen übersetzt, sendet aus Sicht der Verbände das falsche Signal an Markt und Politik.

Besonders kritisch bewerten CMA und bvse die möglichen Folgen für Leitmärkte und öffentliche Beschaffung. Wenn Produkte mit deutlich unterschiedlichen tatsächlichen CO₂-Fußabdrücken in vergleichbare Leistungsklassen eingeordnet werden, verliert das Label seine Orientierungsfunktion. Öffentliche Mittel könnten dann in Produkte fließen, die nur aufgrund methodischer Anpassungen als „grün“ erscheinen. Das wäre kein Beitrag zu wirksamer Klimapolitik, sondern ein erhebliches Greenwashing-Risiko.

Die Verbände unterstützen stattdessen den Ansatz, die Methodik im Rahmen der europäischen Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte weiterzuentwickeln. Die vom Joint Research Centre der Europäischen Kommission erarbeitete Grundlage setzt richtigerweise beim Product Carbon Footprint und vergleichbaren Umweltleistungsklassen an. Dieser Ansatz sollte beibehalten, aber ambitionierter ausgestaltet werden, damit das Label tatsächliche Dekarbonisierung vorantreibt und nicht lediglich den Status quo zertifiziert.

Die Verfügbarkeit von Stahlschrott darf aus Sicht der Verbände nicht als Begründung für eine Schwächung des Labels dienen. Recycelter Stahl ist zwar zirkulär, aber die Materialverfügbarkeit nicht unbegrenzt. Daraus folgt jedoch nicht, dass seine Umweltvorteile im Label herabgestuft werden dürfen. Die richtige Antwort liegt in besseren Sammel-, Sortier- und Aufbereitungsstrukturen, anspruchsvollen Qualitätsstandards, recyclinggerechtem Produktdesign und stabilen Märkten für Sekundärrohstoffe.

Zugleich warnen CMA und bvse davor, die Debatte über Green Steel mit Forderungen nach Exportrestriktionen für recycelten Stahl zu verbinden. Recycelter Stahl ist ein international benötigter Rohstoff für emissionsärmere Stahlproduktion. Handelsbeschränkungen würden nicht automatisch zu mehr Nutzung in Europa führen, könnten aber Märkte verzerren, Sammelanreize schwächen und Investitionen in Qualität und Aufbereitung erschweren.
CMA und bvse fordern die europäischen Entscheidungsträger daher auf, Sliding-Scale-basierte Ansätze von der Green-Steel-Definition, öffentlichen Beschaffung, Leitmärkten und Förderinstrumenten auszuschließen. Ein glaubwürdiges Label muss auf tatsächlichen, überprüfbaren Emissionen beruhen, Recyclingrohstoffe als zentralen Dekarbonisierungshebel anerkennen und die Recyclingwirtschaft eng in die weitere Methodikentwicklung einbinden.

Fazit der Verbände: Die Sliding Scale sollte nicht nachgebessert, abgeschwächt oder umetikettiert werden. Sie sollte verworfen werden.

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