Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

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Ausbau des Motors eines alten Volkswagen T6, bevor dieser demontiert wird.

Der Volkswagen Konzern bündelt seine Aktivitäten zur Kreislaufwirtschaft künftig am sächsischen Standort Zwickau. Das Fahrzeugwerk übernimmt ab sofort die konzernweite Rolle als zentrales Kompetenzzentrum für Circular Economy.

Von hier aus sollen neue Geschäftsmodelle auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft, technische und organisatorische Standards definiert sowie Know-how für weitere Standorte weltweit bereitgestellt werden. Volkswagen plant dafür Investitionen von bis zu 90 Millionen Euro in den kommenden Jahren. Der Freistaat Sachsen unterstützt das Projekt mit Fördermitteln von bis zu 10,7 Millionen Euro.

Kern des Vorhabens ist der systematische Aufbau industrieller Kreislaufwirtschaft im Automobilbereich. In einem ersten Schritt startet Zwickau mit der strukturierten Demontage von Fahrzeugen, um wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen und Bauteile nach Prüfung und Aufbereitung erneut in den Wertschöpfungskreislauf einzubringen. Perspektivisch sollen so neue Erlösquellen erschlossen und gleichzeitig Abhängigkeiten von globalen Rohstoffmärkten reduziert werden. Bis 2030 ist ein stufenweiser Kapazitätsaufbau auf bis zu 15.000 Fahrzeuge pro Jahr vorgesehen.

Die Initiative ist Teil der konzernweiten Circular-Economy-Strategie der Volkswagen Group, die unter dem Leitprinzip „REDUCE & GROW“ steht. Ziel ist es, den Einsatz von Primärrohstoffen und CO₂-Emissionen deutlich zu senken und zugleich neue Wertschöpfung, Resilienz und innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dazu zählen unter anderem Recycling, Refurbishment sowie Second-Life-Anwendungen für Fahrzeugkomponenten. Volkswagen verfolgt damit einen Ansatz, der ökologische und ökonomische Interessen miteinander verbindet.

Zwickau kommt dabei eine besondere Rolle zu. Am Standort werden Demontageprozesse definiert, erprobt und industrialisiert, um konzernweit einheitliche Standards zu schaffen. Ein weiterer Fokus liegt auf der sauberen Trennung von Materialien, um qualitativ hochwertige Rezyklate zu gewinnen. Ergänzend sollen datenbasierte Plattformen und KI-Anwendungen eingesetzt werden, um Materialflüsse, Recyclingquoten und Geschäftsmodelle transparent zu steuern und zu optimieren. Technologische Innovationen werden in Zwickau entwickelt und anschließend auf andere Standorte übertragen.

„Kreislaufwirtschaft wird für die Volkswagen AG in den kommenden Jahren immer wichtiger“, sagt Andreas Walingen, Leiter Group Circular Economy. „Sie adressiert zentrale Herausforderungen der Automobilindustrie: Rohstoff-Resilienz, Dekarbonisierung, Wirtschaftlichkeit und Beschäftigung. Unser Ziel ist es, Rohstoffe für den Bau neuer Fahrzeuge wiederzuverwenden. Das macht Volkswagen unabhängiger vom weltweiten Rohstoffhandel, senkt den CO₂-Fußabdruck und eröffnet neue Geschäftsmodelle.“ Mittelfristig sei der Aufbau eines europaweiten Wertschöpfungsnetzwerks mit weiteren Standorten und Partnern notwendig, um Circular Economy wirtschaftlich erfolgreich zu skalieren.

Bereits im laufenden Jahr werden in Zwickau rund 500 Vorserien- und Erprobungsfahrzeuge demontiert. Ab 2027 soll die Zahl der Fahrzeuge deutlich steigen. Ein modulares Demontagekonzept ermöglicht dabei eine schrittweise Erweiterung der Kapazitäten. Die Investitionen fließen unter anderem in Umbauarbeiten, technische Anlagen sowie KI-gestützte Anwendungen.

Auch regionalpolitisch hat das Projekt Bedeutung. „Volkswagen Sachsen übernimmt erneut eine Pionierrolle“, betont Danny Auerswald, Sprecher der Geschäftsführung Volkswagen Sachsen. „Nach der vollständigen Umstellung auf Elektromobilität erschließen wir nun den wichtigen Geschäftsbereich der Kreislaufwirtschaft. Mit unserer Erfahrung in der Großserienproduktion und der starken Hochschullandschaft in Sachsen schaffen wir die Grundlage, diese neuen Geschäftsfelder für den Konzern wirtschaftlich zu entwickeln.“

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter sieht in dem Vorhaben ein Signal für die Zukunftsfähigkeit der Region: „Das Werk in Mosel übernimmt eine Vorreiterrolle innerhalb des Konzerns. Sachsen zeigt damit einmal mehr, dass es Lösungen für die Transformation der Automobilindustrie bietet. Die Diversifizierung des Standorts stärkt die Region und eröffnet den Beschäftigten neue Perspektiven.“

Parallel zum operativen Aufbau wird Zwickau auch zu einem zentralen Ausbildungs- und Weiterbildungsstandort für Kreislaufwirtschaft. In Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Bildungsinstitut und der Westsächsischen Hochschule werden Ausbildungsberufe und Studiengänge um entsprechende Inhalte erweitert. Damit schafft Volkswagen die personellen Voraussetzungen für den konzernweiten Ausbau der Circular Economy.
Der Einstieg in das neue Geschäftsfeld wurde im Rahmen der Tarifverhandlungen im Dezember 2024 beschlossen. Neben der Fahrzeugproduktion soll die Kreislaufwirtschaft langfristig ein zweites Standbein für Beschäftigungssicherung, Kompetenzaufbau und nachhaltige Wertschöpfung in der Region Mitteldeutschland bilden.

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