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24. Internationaler Altkunststofftag des bvse

Der bvse-Fachverband Kunststoffrecycling veranstaltet jährlich den Internationalen Altkunststofftag. Die Tagung hat sich zum zentralen Treffpunkt der internationalen Kunststoffbranche entwickelt. Regelmäßig erleben hunderte Teilnehmer aus dem In- und Ausland hochkarätige Referenten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu allen relevanten Themen rund um das Kunststoffrecycling.

Der 24. Internationale Altkunststofftag fand am 28./29. Juni 2022 im Crowne Plaza Hotel in Neuss (bei Düsseldorf) statt.

Rückblick auf den letzten Altkunststofftag am 28.06. und 29.06.2022 in Neuss:

Mehr als 300 Teilnehmer haben in Neuss am 24. Internationalen Altkunststofftag des bvse-Fachverband Kunststoffrecycling teilgenommen.

1214 textor fv mvDer zentrale Branchenevent der Kunststoffrecyclingbranche stand ganz unter dem Eindruck des Angriffskrieges von Rußland gegen die Ukraine und den daraus folgenden wirtschaftlichen Auswirkungen.

Dr. Dirk Textor berichtete vor der Presse, dass die Kunststoffrecyclingunternehmen aufgrund der allgemeinen Kriseneinflüsse teilweise mit erheblichen Margenproblemen zu kämpfen haben und diese Situation sich noch weiter verschärfen werde.

Noch zeigte sich Textor dennoch "sehr zufrieden" mit der Marktlage. "Die Nachfrage ist hoch und die Läger sind leer. PE- und PP-Recyclingkunststoffe übertreffen immer wieder die Neuwarepreise; nicht zuletzt auch deswegen, da Neuware nicht ausreichend verfügbar ist."

Er machte aber auch deutlich, dass sich die Recyclatpreise zunehmend aufgrund der hohen Kosten für Personal, Transport & Logistik und vor allem Energie erhöhen. "Es spricht viel dafür, dass wir in Deutschland angesichts der explodierenden Energiepreise in eine Rezession hineinsteuern", warnte Dirk Textor.

Er rief dazu auf, "diese Krise als Chance zu begreifen" und alle Anstrengung auf eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft auszurichten. Das bedeute auch, dass die Recyclinganlagen, wo immer das noch möglich sei, auf Energieeffizienz getrimmt werden müssen. "Wir werden über Jahre keine fallenden Energiepreise mehr erleben. Das muss allen Verantwortlichen klar sein", betonte der Vorsitzende des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling.

Auch die Diskussion über Recyclateinsatzquoten sowohl in Deutschland als auch innerhalb der Europäischen Union beschäftige die Tagungsteilnehmer.

bvse-Vizepräsident Herbert Snell machte deutlich, dass hier "der Teufel im Detail stecke". Snell erläuterte die Position des bvse-Fachverband Kunststoffrecycling, der der Meinung ist, dass produktbezogene Recyclateinsatzquoten eine zu "enge Lösung" darstellen, die durch das werkstoffliche Recycling nur schwer umsetzbar sind. Die Verfechter der sogenannten chemischen Verwertung würden jedoch mithilfe der produktbezogenen Quoten versuchen, ihre noch lange nicht ausgereiften oder industriell einsatzfähigen Verfahren "zu pushen".

"Wenn man zeitnah zu wirtschaftlich und ökologisch sinnvollen Lösungen kommen will, sollte daher nicht auf die Karte "produktbezogene Einsatzquote" gesetzt, sondern das Modell der polymerspezifischen Einsatzquoten als „weite Lösung“ umgesetzt werden, die nicht nur im Verpackungsbereich, sondern in allen Kunststoffprodukten zur Anwendung kommen. Diese Quoten können nach einer Erprobungsphase Schritt für Schritt angehoben werden", führte Herbert Snell abschließend aus.

bvse-Fachreferent Dr. Thomas Probst wies in Neuss daraufhin, dass der Export von Kunststoffabfällen immer stärker zurückgehe. Deutschland exportierte in 2021 nur noch 766.200 t an Kunststoffabfällen. Damit sinken die Ausfuhren das fünfte Jahr in Folge. Im 10-Jahres-Vergleich hat sich diese Menge fast halbiert.

Im Jahr 2021 importierte Deutschland aber auch 476.200 t, weil es an Kunststoffabfällen mangelt, die in der Praxis recyclingfähig sind. Gleichzeitig arbeiten die Recyclingunternehmen am Anschlag. Das wurde beim 24. Internationalen bvse-Altkunststofftag deutlich.

Es führe kein Weg an einem Ausbau der Recyclingkapazitäten vorbei. Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen deutlich geändert werden, hieß es beim bvse-Pressegespräch. bvse-Experte Dr. Thomas Probst legte den Finger in die Wunde: "Höhere Kapazitäten für das Kunststoffrecycling erfordern bessere Sammelqualitäten, den Ausbau der Sortierung sowie das Erweitern der Kapazitäten für die Aufbereitung und das Recycling."

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