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Auf diesem Freiluft-Prüfstand wird der Alterungsprozess kleiner schadstoffbelasteter Holzproben unter Einfluss von Sonne, Temperaturwechsel und Luftfeuchtigkeit untersucht. Die Abdeckung schützt die Proben vor direktem Niederschlag. Quelle: © HNEE/ Christian Müller

Im Verbundprojekt „WIn-Altholz“ wurden Verfahren erarbeitet, mit denen Altholz als Sekundärrohstoff möglichst lange im Stoffkreislauf gehalten werden kann. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gefördert.

0701 FNR 1Wie neu: ein Tisch aus aufgearbeitetem Altholz. Quelle: © HNEE/ Christian Müller„Unser Ansatz war und ist es, für Altholz und speziell für die als Massivholz vorliegenden Altholzfraktionen alternative Verfahren und Verwertungspfade zu entwickeln, um das Holz möglichst hochwertig stofflich weiter zu nutzen“, erklärt Projektkoordinator Alexander Pfriem, bis 2025 Professor am Fachbereich Holzingenieurwesen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und heute an der TU Dresden tätig.

Voraussetzung für die werterhaltende Nutzung massiver Althölzer ist der sichere Ausschluss von Schadstoffbelastungen über geeignete Schnellerkennungsverfahren zur Altholzsortierung.

0701 FNR 2Prototyp im Praxiseinsatz: Ein mobiler NIR-Handscanner analysiert die Oberfläche eines Altholzbretts und unterstützt die schnelle Sortierung von Holz mit möglicher Schadstoffbelastung. Quelle: © HNEE/ Christian MüllerEin wichtiger Teil des Vorhabens war deshalb die Entwicklung eines tragbaren Handscanners, mit dem Altholz vor seinem Rückbau oder auf dem Recyclinghof auf mögliche Schadstoffbelastungen geprüft werden kann.

Der Scanner unterscheidet mit Nahinfrarot-(NIR)-Spektrometrie zwischen unbehandeltem Altholz der Kategorie A I und belasteten Hölzern der Kategorien A II bis A IV.

Dazu baute das Projektteam eine Datenbank mit 1700 belasteten und unbelasteten Proben verschiedener Holzarten mit unterschiedlichen Oberflächen- und Alterungszuständen auf, außerdem sind 8000 NIR-Spektren sowie Analysedaten historischer und aktueller Holzschutzmittel abrufbar.

Die technische Entwicklung des Geräts umfasste Sensorik, Elektronik, Software und Gehäusekonstruktion. Das Scannergehäuse wurde im 3D-Druck gefertigt und für verbesserte Handhabbarkeit mehrfach überarbeitet. Die Bedienung erfolgt über wenige Tasten und farbige LEDs, die das Messergebnis unmittelbar anzeigen. Zusätzlich wurde eine WLAN-Schnittstelle integriert, über die der Scanner mit mobilen Geräten kommunizieren kann.

Schadstoffe eingekapselt: Stark belastetes Altholz nutzbar in RPC-Verbundwerkstoffen

Neben dem Scanner erarbeitete das Projektkonsortium einen Wiederverwendungs- und Verwertungsindex. Altholz lässt sich über seine spezifischen Merkmale – etwa Dimensionen, Beschädigungen, Schad- oder Störstoffe – mit dem Ziel der Wiederverwendung in Vollholzdimensionen anhand des Index bewerten und geeigneten Nachnutzungen zuordnen. Der Index bietet sich künftig als praxisnahe Entscheidungsgrundlage für Recyclinghöfe und Altholzaufbereiter an.

Ein weiterer Projektschwerpunkt war die Entwicklung eines Verbundwerkstoffes, um bisher stofflich nicht nachnutzbares Altholz der Kategorie A IV in einer sicheren, schadstoffumschließenden Kapselung wiederverwenden zu können. Bei dem Verbundwerkstoff handelt es sich um Reclaimed-Wood Plastic Composite (RPC). Belastete Holzpartikel sind von einer speziellen Polymermatrix umschlossen, die Schadstoffe dauerhaft bindet. Die RPC-Werkstoffe erwiesen sich außerdem als mechanisch stabil, UV-beständig und widerstandsfähig gegenüber Pilzbefall, so dass sie für die Herstellung von Terrassendielen, Parkbänken oder Außenbauteilen geeignet sind. Die Projektbeteiligten kommen zu dem Schluss, dass mit dem Vorhaben wichtige Grundlagen für eine ressourcenschonendere Altholzverwertung geschaffen wurden.

Hintergrund:

Für die breite praktische Anwendung des Verfahrens sind rechtliche Hürden auszuräumen, denn die geltende Altholzverordnung sieht die stoffliche Verwertung in Vollholzdimensionen und die Nutzung von Holz der Kategorie A-IV bislang nicht vor. Dennoch sehen die Projektpartner beachtliches Potenzial, alternativ zur themischen Verwertung nachhaltige Nutzungspfade auch für belastetes Vollholz zu etablieren. „Mittels wiederholter stofflicher Nutzung von Altholz kann die Ressourceneffizienz gesteigert und der zunehmende Druck auf die Wälder verringert werden“, heißt es im Abschlussbericht.

Quelle und weitere Informationen: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

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