Mit Blick auf die in den Medien angekündigte Schließung des Recycling-Gipswerks in Embsen bei Lüneburg fordert der BUND Niedersachsen den Erhalt des bislang einzigen Recyclinggipsstandortes in Niedersachsen und den sofortigen Stopp neuer Naturgips-Abbaugenehmigungen im Südharz. Stattdessen müsse der Ausbau von Gipsrecycling im Land ambitioniert vorangetrieben werden.
Ein Werk aufzugeben, das seit mehr als 40 Jahren erfolgreich Recyclinggips produziert und gleichzeitig neue Abbaugenehmigungen für Naturgips zuzulassen, sei ein fatales Signal für die Natur im Südharz. Diese Entwicklung widerspreche der dringend notwendigen Neuausrichtung der Bauwirtschaft hin zu mehr Ressourcenschonung, so der BUND.
Susanne Gerstner, Landesvorsitzende des BUND Niedersachsen, erklärt: „Es ist völlig unverständlich, einen Standort zu schließen, der seit Jahren erfolgreich Recyclinggips produziert und noch vor kurzem von der IHK Lüneburg als Vorzeigeprojekt gelobt wurde. Das Werk stellt hochwertigen Gipsputz überwiegend aus Produktionsabfällen her und ist damit ein Paradebeispiel für funktionierende Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig klagen Gipsfirmen in Niedersachsen über Rohstoffknappheit und fordern immer mehr Naturgipsabbau. Ein solches Geschäftsmodell auf Kosten von Natur und Landschaft funktioniert nur so lange wie die Zerstörung der Natur für Unternehmen billiger ist als die Umstellung auf Recycling und umweltschonende Gipsersatzstoffe. Dem nachzugeben, wäre ein fataler Fehler.“
Das Dreiländereck im Südharz zwischen Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist von den Abbauplänen der Gipsindustrie besonders betroffen. Der Gipsabbau zerstört die weltweit einmalige Gipskarstlandschaft im Südharz zunehmend und unwiederbringlich. Die massiven Eingriffe in wertvollste Wälder und Schutzgebiete bedrohen nicht nur einen herausragenden Hotspot der Artenvielfalt, sondern auch die besonderen touristischen Potenziale in der Region. Gleichzeitig liegt die Recyclingquote bei Gips in Deutschland bei nicht einmal 5% und ein Großteil der Gipsprodukte landet als Abfall auf Deponien und wird nicht verwertet.
Susanne Gerster weiter: „Wir fordern von der Politik, keinen weiteren Gipsabbau im Südharz zuzulassen und konsequent auf Alternativen zu setzen. Recycling und der Einsatz nachwachsender Rohstoffe müssen gefördert und ausgebaut werden. Das erfordert verbesserte Einsatzmöglichkeiten für Recyclinggips mit verbindlichen Vorgaben bei öffentlichen Auftragsvergaben. Gleichzeitig müssen die Folgekosten für den Naturgipsabbau – Ressourcenverbrauch, Verlust an biologischer Vielfalt und touristischen Potenzialen – in die Kostenrechnung einbezogen werden. Das nützt mittelfristig auch der Industrie und den damit verbundenen Arbeitsplätzen – denn der Naturgips im Südharz ist endlich.“
Quelle: www.bund-niedersachsen.de