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Bildquelle: AGR Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet mbH

Die AGR Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet mbH (AGR) startet auf der Zentraldeponie Emscherbruch (ZDE) einen Pilotversuch zur umweltgerechten Ablagerung von PFAS-belastetem Bodenmaterial. Ziel des Projekts ist es, eine sichere und nachhaltige Lösung für Bodenaushub zu erproben, der mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) belastet ist und künftig verstärkt auf Deponien entsorgt werden muss.

Auch vor dem Hintergrund der seit Januar 2026 geltenden strengeren Grenzwerte der Trinkwasserverordnung ist die sichere Entsorgung PFAS-belasteter Böden von besonderer Bedeutung, da so verhindert werden kann, dass diese langlebigen Schadstoffe aus belasteten Flächen in das Grundwasser gelangen und dort die Trinkwasserressourcen gefährden.

„So genannte Ewigkeitschemikalien wie PFAS stellen uns als Gesellschaft vor eine große Herausforderung. Mit dem Pilotversuch auf der ZDE zeigen wir Verantwortung, indem wir einen Weg beschreiten, diese Stoffe sicher und dauerhaft aus der Umwelt zu entfernen“, betont Stephan Kaiser, Geschäftsführer der AGR.

Ziel und Aufbau des Versuchs

Im Mittelpunkt des Pilotprojekts steht der Einsatz einer innovativen Sorptionsmatte zur In-situ-Entfernung von PFAS aus dem entstehenden Sickerwasser. Die Matte bindet PFAS- Verbindungen mithilfe von Ionenaustauschern und Adsorptionsprozessen und entzieht sie so dem Stoffkreislauf. Das Sickerwasser kann die Matte weiterhin ungehindert passieren, wird anschließend über eine Drainage erfasst und der regulären Sickerwasserbehandlung zugeführt. Parallel wird untersucht, in welchem Umfang und über welchen Zeitraum die Sorptionsmatten die PFAS langfristig binden können.

Das Versuchsfeld befindet sich im DK III-Bereich der Deponie. Es umfasst zwei Teilflächen von jeweils 30 × 10 Metern mit einem Gesamtvolumen von rund 1.000 m³. Eine vollständige Basisabdichtung mit einer Kunststoffdichtungsbahn (KDB) gewährleistet eine sichere Ablagerung des Materials.

Ablauf und Dauer

Der Pilotversuch ist auf einen Zeitraum von sechs bis maximal neun Monate angelegt. Nach Abschluss wird das Versuchsfeld mit einer Oberflächenabdeckung versehen, um das Eindringen von Niederschlagswasser zu verhindern. Sorptionsmatte, Basisabdichtung und Oberflächenabdeckung bilden gemeinsam ein mehrstufiges Sicherungssystem. Dieses sorgt dafür, dass die Schadstoffe dauerhaft im Deponiekörper verbleiben.

Die zuständigen Behörden – die Bezirksregierung Münster und das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) – haben den Pilotversuch geprüft und positiv bewertet. Nach aktueller Einschätzung sind keine nachteiligen Auswirkungen auf Umwelt, Bevölkerung oder Mitarbeitende zu erwarten. Vielmehr wird die Entwicklung umweltverträglicher Ablagerungskonzepte für PFAS-belastete Böden ausdrücklich begrüßt, da sie zur Bewältigung der derzeit bundesweit anspruchsvollen Entsorgungssituation beiträgt.

Wissenschaftliche Begleitung und transparente Auswertung

Der gesamte Pilotversuch erfolgt unter behördlicher und wissenschaftlicher Begleitung. Die Hochschule Ruhr-West in Bottrop unterstützt das Projekt wissenschaftlich.
Nach Abschluss werden sämtliche Ergebnisse in einem detaillierten Bericht dokumentiert und der Bezirksregierung Münster vorgelegt. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse kann ein belastbares Konzept für die dauerhafte Ablagerung von PFAS-belastetem Bodenmaterial entwickelt werden.

Ausblick: Modellcharakter für Deutschland
Bei positivem Verlauf könnten die gewonnenen Erkenntnisse auf weitere Deponien in Deutschland übertragen werden. Damit leistet der Pilotversuch einen potenziell wichtigen Beitrag zur bundesweiten, sicheren und umweltgerechten Entsorgung von PFAS-belasteten Böden – und zur langfristigen Lösung einer der aktuellen Herausforderungen im Bereich der Abfallwirtschaft.

Quelle: www.agr.de

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