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Kunststoffrecycling: bvse für Working-Groups zur Qualitätsverbesserung

Die Qualitätsdiskussion beim Kunststoffrecycling nimmt an Fahrt auf. Gründe hierfür sieht der Fachverband Kunststoffrecycling unter anderem im neuen Verpackungsgesetz, den aktuell laufenden Beratungen in Brüssel zur "Circular Economy", der geplanten Kunststoffstrategie der EU-Kommission und nicht zuletzt im von China angekündigten Importstopp von Kunststoffabfällen ab dem 01.01.2018.

"Seit Jahren forcieren wir diese Qualitätsdiskussion, zuletzt mit der Veröffentlichung unserer "7 Forderungen für die Zukunft des Kunststoffrecyclings in Deutschland". Entscheidend ist, dass alle an der Wertschöpfungskette Beteiligten endlich erkennen, dass sie im gleichen Boot sitzen und es nichts nützt mit dem Finger auf den jeweils anderen zu zeigen, wenn man nicht zügig vorankommt", betont Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling.

Unter Verweis auf die Veröffentlichung einer Umfrage des EuPC, warb er dafür nicht nur dauernd nach Gründen zu suchen, warum es nicht geht. Textor verwies dabei auf eine Reihe von Kunststoffverarbeitern, die seit Jahrzehnten Agglomerate und Mahlgüter in ihrer Produktion einsetzen, die zu großen Teilen aus Mischkunststoffen und Folien hergestellt wurden: "Diese Unternehmen zeigen, dass es funktioniert. Wenn schlechte Qualitäten die Regel und nicht die Ausnahme wären, dann würden diese Firmen doch keine Recyclate einsetzen."

Nach Ansicht der bvse-Kunststoffrecycler kann es nur dann deutliche Fortschritte geben, wenn entlang der gesamten Wertschöpfungskette die "vorhandenen Stellschrauben" für eine quantitative wie qualitative Steigerung des Kunststoffrecyclings angepasst werden. Wer eine höhere Qualität bei Recyclaten einfordert, sollte auch dementsprechend die eigenen Erzeugnisse so gestalten, dass sie recycelt werden können.

"Wir müssen mehr tun als bisher, damit Kunststoffverpackungen auch recycelt werden können. Dazu muss es einen intensiven Austausch geben zwischen denen, die Verpackungen designen und denen, die sie recyceln", erklärte Dr. Textor. Der bvse-Fachverband Kunststoffrecycling kann sich daher gemeinsame Working-Groups vorstellen, die sich zu technischen Fragen austauschen oder sich beispielsweise auch auf praxisnahe Standards verständigen könnten.

Der bvse sieht auch schon bei der haushaltsnahen Sammlung erhebliches Verbesserungspotenzial, wie Vizepräsident Herbert Snell erklärt: "Es kann doch nicht sein, dass Kommunen ihre Hausmüllentsorgung optimieren und dann die Sammlung für Verpackungsabfälle zur weiteren Restmüllsammlung verkommt. Es gibt Beispiele, dass als Folge einer Umstellung der öffentlich-rechtlichen Sammlung die Restmüllmenge kleiner wurde und sich stattdessen die Gelbe-Tonne-Sammlung deutlich erhöht hat und die Material-Qualität dementsprechend in den Keller gerauscht ist. Da hilft dann auch die modernste Sortieranlage nicht mehr weiter!"

Aber auch die Sortieranlagenbetreiber sind aus Sicht der Kunststoffrecycler in der Verantwortung. Die von den Sortieranlagen gelieferten Sekundärrohstoffe entsprechen nach den Auswertungen der GBP Quality GmbH, zuletzt präsentiert auf der bvse-Tagung zum Verpackungsgesetz, zumeist nicht den vereinbarten Spezifikationen. Snell: "Auch hier gilt: Qualität beginnt beim Input!" Um diesem Ziel näher zu kommen, werden höhere Sortierkapazitäten benötigt. Dadurch entstehe Spielraum für eine Verbesserung der Sortierqualität, die einhergehen müsse mit der Möglichkeit, dass Sortierer und Kunststoffrecycler bilaterale Vereinbarungen treffen können.

Eine weitere Stellschraube sieht der bvse-Fachverband Kunststoffrecycling auch im öffentlichen Beschaffungswesen. Die Vergabepraxis der öffentlichen Hand hinke der in § 45 Kreislaufwirtschaftsgesetz verankerten Verpflichtung, ihren Bedarf nach Möglichkeit auch verstärkt über Recyclingprodukte zu decken, immer noch stark hinterher. Gerade die Bundesbehörden, aber auch bundeseigene Unternehmen, hier insbesondere die Deutsche Bahn, sollten diese bundesgesetzliche Verpflichtung ernst nehmen. Der bvse bedauert, dass dies nicht im ausreichenden Maße geschieht und vermisst hier wirksame Maßnahmen der für den Gesetzesvollzug zuständigen Länderbehörden.

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