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Interview mit Michael Lackner, Managing Director Lindner Recyclingtech

0118 Lindner Michael LacknerHerr Lackner, wie hat sich die Kreislaufwirtschaft aus Sicht Ihres Recyclingunternehmens seit der K 2019 entwickelt?


Wir bei Lindner haben seit der letzten K einen starken Aufwärtstrend gesehen. 2019 war die Nachfrage nach Rezyklaten angesichts des extrem niedrigen Ölpreises im Keller. Denn dadurch war Neuware günstiger als Rezyklat. Heute geht es gar nicht mehr in erster Linie um das günstigste Rohmaterial. Es ist vielmehr so, dass die Markenartikel-Hersteller einen Rezyklatanteil in den Verpackungen verlangen, weil die Gesellschaft das verlangt. Diese starke Nachfrage nach Rezyklaten hat den Markt unglaublich belebt. Wir sehen hier kein Ende. Auf Seiten der Recycler selbst hat die seit einiger Zeit erlebte Konsolidierung der Branche zu größeren Playern geführt. Diese treiben das Thema Kreislaufwirtschaft stark an.

Auch die Politik will Rezyklatquoten. Wie wird man die erreichen?

Um diese höheren Quoten zu erreichen, muss man zwei Hebel ansetzen: bei der Qualität und bei der Menge. Das stellt die Maschinenhersteller vor die große Herausforderung, Technologien zu liefern, die bessere Qualitäten und deutlich höhere Mengen ermöglichen. Das ist das Gebot der Stunde. An diesen Aspekten arbeiten wir zurzeit.  

Wird diese

Entwicklung zu einer Entkopplung der Rezyklat-Preise von den Rohöl-Preisen führen?
Das ist teilweise schon passiert. Früher bekam man sein Rezyklat nicht los, wenn Rohöl billig war. Die Abhängigkeit vom Ölpreis war die Krux der Branche. Das ändert sich jetzt, weil die Gesellschaft eine Kreislaufwirtschaft verlangt, weil der Gesetzgeber höhere Rezyklatquoten vorschreibt und weil die Markenartikler sagen, sie können es sich aus Marketinggründen nicht mehr leisten, 100 Prozent Neuware einzusetzen. Sie setzen sich daher sehr dafür ein, dass die Kreislaufwirtschaft in Gang kommt. Der nächste Schritt wird ein verpflichtender Rezyklatanteil in den Produkten sein. Damit wäre die Abkoppelung vom Ölpreis zementiert.

Was bedeutet das alles für ein Unternehmen wie Lindner?

Wir liefern Technologie für das Recycling. Unsere Herausforderung besteht darin, dass wir die Technologien so weiterentwickeln, dass höhere Mengen und bessere Qualitäten möglich sind. Wir müssen effizienter und noch besser in der gesamten Aufbereitung des Kunststoffs werden. Damit wir nicht downcyceln, wie das in der Vergangenheit häufig der Fall war. Ziel muss es sein, die Produkte wieder in die gleiche Anwendung hineinzubringen. Langfristig muss eine Lebensmittelverpackung wieder eine Lebensmittelverpackung werden können.

Wo sind noch Schwierigkeiten?
Wir müssen es schaffen, sortenreine Kunststoffströme zu bekommen. Nach der möglichst sortenreinen Sortierung geht es darum, die Reinigungsprozesse noch besser und effizienter zu machen. Unsere neue Heißwäsche für das Recycling von Folien oder PET ist hier ein gutes Beispiel. All das ist nötig, damit ein Rezyklat herauskommt, das für höherwertige Anwendungen – also für das Upcycling – geeignet ist.  

Muss man auch firmenübergreifend arbeiten?


Wir haben Spezialisten für die verschiedenen Aufbereitungsstufen und -schritte im Recyclingprozess. Jetzt müssen die Schritte aufeinander abgestimmt werden. Wir müssen es schaffen, über den gesamten Aufbereitungsprozess hinweg Kooperationen zu formen. Wir müssen immer den gesamten Prozess im Auge behalten, um das Ziel zu erreichen, nicht nur die Optimierung eines Einzelaggregats. Solche Kooperationen gibt es bereits in Forschungsprojekten.

Kann man sich irgendwann einmal einen internationalen Kreislauf vorstellen?
Der Müll muss dort aufgearbeitet werden, wo er entsteht – hauptsächlich in den Industriestaaten. Und wir in Europa müssen schauen, dass wir den Müll, den wir produzieren, auch selbst wiederverwerten und in einem Kreislauf führen. Da sind wir auf einem guten Weg. Wenn es gar keine Übersee-Exporte mehr geben würde, könnten wir einen großen Teil des Problems mit dem Kunststoffmüll sicherlich beheben. Wir können das Rezyklat sehr wohl exportieren, aber nicht den Müll.  

 


Das Interview wurde uns von Ina Vettkötter vom VDMA e.V., Referentin Kunststoff- und Gummimaschinen Kommunikation, zur Verfügung gestellt.
Internet: https://www.vdma.org/

 

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