Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

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v.l.n.r.: Peter Kempers (Inhaberfamilie Kempers), Christoph Homann (Head of Circular ELV und Geschäftsführer im Geschäftsfeld Automotive PreZero), Ayton Kempers (Inhaberfamilie Kempers)

PreZero stärkt mit Kempers-Übernahme seine Position im Automotive-Recycling.

PreZero baut sein Geschäft mit der Rückgewinnung strategisch wichtiger Rohstoffe für die Automobilindustrie weiter aus. Das Kreislaufwirtschaftsunternehmen übernimmt die Autorecycling Kempers GmbH im niedersächsischen Meppen. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe. Angaben zum Kaufpreis und zum Umsatz des übernommenen Unternehmens wurden nicht gemacht.

Mit der Akquisition sichert sich PreZero zusätzliche Kapazitäten für die Verwertung von Altfahrzeugen und den Zugang zu wiederverwertbaren Rohstoffen und Fahrzeugkomponenten. Kempers ist seit mehr als 60 Jahren im Autorecycling tätig und verarbeitet auf einer Betriebsfläche von über 35.000 Quadratmetern jährlich bis zu 10.000 Fahrzeuge.

Ausbau der industriellen Wertschöpfungskette

Die wirtschaftliche Bedeutung der Übernahme liegt vor allem in der Erweiterung der Wertschöpfungskette. PreZero verbindet die Demontage von Altfahrzeugen mit der Rückgewinnung und Aufbereitung von Rohstoffen, insbesondere aus Fahrzeugbatterien. Damit erschließt das Unternehmen zusätzliche Materialströme und erweitert seine Möglichkeiten, Sekundärrohstoffe für die industrielle Produktion bereitzustellen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei das bereits bestehende Batterierecyclinggeschäft in Meppen. Im Sommer 2025 hatte PreZero den Batteriespezialisten RE.LION.BAT übernommen. Durch die Integration von Kempers können künftig Altfahrzeuge vor Ort demontiert, Batterien ausgebaut und anschließend im benachbarten Recyclingwerk aufbereitet werden.

Die räumliche Bündelung beider Geschäftsbereiche bietet wirtschaftliche Vorteile. Kürzere Transportwege, abgestimmte Prozesse und die gemeinsame Nutzung vorhandener Infrastruktur können die Effizienz der Recyclingprozesse verbessern. Gleichzeitig stärkt PreZero seine Kontrolle über die vorgelagerten Materialströme und reduziert die Abhängigkeit von externen Zulieferern.

Meppen soll damit zu einem zentralen Kompetenzzentrum für die automobile Kreislaufwirtschaft ausgebaut werden.

Rohstoffversorgung wird zum Wettbewerbsfaktor

Der Zukauf erfolgt vor dem Hintergrund eines grundlegenden Strukturwandels in der Automobilindustrie. Mit der Elektrifizierung des Antriebsstrangs und dem wachsenden Bedarf an Batterierohstoffen gewinnt die Rückgewinnung von Metallen und anderen Wertstoffen aus Altfahrzeugen zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung.

Für die europäischen Automobilhersteller geht es dabei nicht allein um die Erfüllung regulatorischer Anforderungen. Angesichts geopolitischer Risiken und der Abhängigkeit von internationalen Rohstoffmärkten wird der verlässliche Zugang zu Sekundärrohstoffen zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor.

PreZero will von dieser Entwicklung profitieren und sich stärker als industrieller Rohstoffpartner etablieren. Die Übernahme von Kempers ergänzt dabei die Kooperation mit der BMW Group sowie die kürzlich angekündigte Zusammenarbeit mit Bosch und C-ECO.

Mit diesen Partnerschaften und dem Ausbau eigener Recyclingkapazitäten verfolgt PreZero das Ziel, größere Teile der automobilen Wertschöpfungskette abzudecken und langfristige Geschäftsbeziehungen mit der Fahrzeugindustrie aufzubauen.

„Altfahrzeuge sind die Rohstoffquelle von morgen“, erklärt Christoph Homann, der künftig als Head of Circular ELV und Geschäftsführer im Geschäftsfeld Automotive bei PreZero den neuen Bereich verantwortet. Durch die systematische Rückführung gewonnener Rohstoffe in industrielle Kreisläufe wolle das Unternehmen die Versorgungssicherheit der Industrie stärken und deren Abhängigkeit von globalen Importen verringern.

Konsolidierung im Autorecyclingmarkt

Die Übernahme verdeutlicht zugleich die zunehmende strategische Bedeutung spezialisierter Autorecyclingunternehmen. Ihre Demontagekapazitäten, Materialströme und technischen Kompetenzen werden für große Recyclingkonzerne und industrielle Abnehmer immer interessanter.

Für mittelständische Autoverwerter ergeben sich daraus neue Marktchancen, zugleich steigen jedoch die Anforderungen an Investitionen, technische Ausstattung und die Einbindung in industrielle Lieferketten. Insbesondere die sichere Demontage von Hochvoltbatterien und die hochwertige Rückgewinnung von Materialien erfordern zunehmend spezialisiertes Know-how.

Kempers bringt diese Kompetenzen in den PreZero-Verbund ein. Die bisherige Geschäftsführung sieht in der Übernahme die Möglichkeit, das Geschäft weiterzuentwickeln und den Standort langfristig zu sichern. Ayton Kempers betont, dass die Zusammenarbeit mit PreZero neue Perspektiven für das professionelle Autorecycling eröffne und zur Sicherung lokaler Arbeitsplätze beitragen solle.

Wirtschaftlichkeit entscheidet über den Erfolg

Mit der Akquisition stärkt PreZero seine Position in einem Markt, der durch steigende Anforderungen an Ressourceneffizienz, Rohstoffsicherheit und industrielle Kreislaufführung geprägt ist. Die Kombination aus Fahrzeugdemontage, Batterierecycling und strategischen Partnerschaften mit Automobilherstellern schafft die Grundlage für zusätzliche Wertschöpfung.

Ob sich daraus dauerhaft wirtschaftliche Vorteile ergeben, hängt allerdings maßgeblich von den verfügbaren Altfahrzeugmengen, den Kosten der Demontage und Aufbereitung sowie der Nachfrage nach den zurückgewonnenen Materialien ab. Auch die Entwicklung der Rohstoffpreise und die Qualität der erzeugten Sekundärrohstoffe bleiben entscheidende Faktoren.

Mit dem Ausbau des Standorts Meppen setzt PreZero darauf, dass sich die Versorgung der Automobilindustrie mit recycelten Rohstoffen zunehmend zu einem eigenständigen, industriell organisierten Geschäftsfeld entwickelt. Die Übernahme von Kempers ist damit nicht nur eine Erweiterung der Recyclingkapazitäten, sondern auch eine Investition in die künftige Rohstoffversorgung der europäischen Automobilindustrie.

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