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Gerresheimer ist mit einem leichten Umsatzplus in das Geschäftsjahr 2026 gestartet, musste beim operativen Ergebnis jedoch deutliche Einbußen hinnehmen.

Besonders das Behälterglasgeschäft entwickelte sich schwach: Umsatz, Ergebnis und Marge gingen erheblich zurück. Gleichzeitig gelang es dem Konzern, den Free Cashflow deutlich zu verbessern. Im Zuge seiner strategischen Neuausrichtung will Gerresheimer das Geschäft mit Behälterglas verkaufen.

Gerresheimer hat im ersten Quartal 2026 nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von 524 Millionen Euro erzielt. Gegenüber dem angepassten Vorjahreswert von 519 Millionen Euro entspricht dies einem Zuwachs von knapp einem Prozent. Deutlich schwächer entwickelte sich dagegen das operative Ergebnis: Das bereinigte EBITDA sank von 81 Millionen auf 66 Millionen Euro. Die entsprechende Marge ging von 15,7 auf 12,6 Prozent zurück.

Die Zahlen wurden später als ursprünglich vorgesehen veröffentlicht. Hintergrund waren inzwischen abgeschlossene interne Untersuchungen zur Erfassung von Umsatzerlösen und zur Bilanzierung in den Geschäftsjahren 2024 und 2025. Die endgültigen Zahlen für das erste Quartal will Gerresheimer im September vorlegen.

Behälterglasgeschäft mit deutlichem Ergebnisrückgang

Besonders schwach entwickelte sich der Geschäftsbereich Moulded Glass. Der Umsatz mit Behälterglas ging im ersten Quartal von 160 Millionen auf 144 Millionen Euro zurück. Noch wesentlich stärker fiel der Rückgang beim Ergebnis aus: Das bereinigte EBITDA brach von 32 Millionen auf sechs Millionen Euro ein. Die bereinigte EBITDA-Marge sank damit von 20,1 auf lediglich 4,5 Prozent.

Gerresheimer führt die Entwicklung unter anderem auf die weiterhin schwache Nachfrage nach Glasverpackungen für die Pharma- und Kosmetikindustrie zurück. Hinzu kam ein Produktionsstopp aufgrund einer Schmelzwannenreparatur im Werk Chicago Heights in den USA. Der Standort soll bis zum Ende des Geschäftsjahres 2026 geschlossen werden.

Zusätzlich wirkte sich das strikte Cash-Management auf die Produktion aus. Gerresheimer nahm Anlagen planmäßig zeitweise aus der Produktion, um Lagerbestände abzubauen und weniger Kapital zu binden. Diese Maßnahmen verbesserten zwar die Liquidität, belasteten jedoch Umsatz und Ergebnis im Behälterglasgeschäft.

Das Segment steht zudem vor einem grundlegenden strategischen Einschnitt. Gerresheimer will sich künftig stärker auf hochwertige Drug Delivery Devices, Medizinprodukte und Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel konzentrieren und treibt deshalb den geplanten Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts weiter voran.

Free Cashflow deutlich verbessert

Auf Konzernebene hatte die Verbesserung der Liquidität im ersten Quartal hohe Priorität. Der Free Cashflow lag zwar weiterhin mit 32 Millionen Euro im Minus, verbesserte sich gegenüber minus 141 Millionen Euro im Vorjahresquartal aber um 109 Millionen Euro.

Gerresheimer spricht vom besten Free Cashflow eines ersten Quartals seit fünf Jahren. Erreicht wurde die Verbesserung durch eine selektivere Investitionsplanung, ein striktes Working-Capital-Management und einen geringeren Aufbau von Lagerbeständen.

„Im ersten Quartal 2026 lag unser Fokus klar auf dem Free Cashflow“, erklärte Finanzvorstand Wolf Lehmann. Das strikte Cash-Management einschließlich der Optimierung von Beständen und Produktionsvolumina habe allerdings das Ergebnis beeinflusst. Für die zweite Jahreshälfte erwartet das Unternehmen wieder eine Verbesserung der Ertragslage.

Drug Delivery Devices wachsen kräftig

Einen deutlichen Gegenpol zum schwachen Behälterglasgeschäft bildete der neu formierte Geschäftsbereich Containment & Delivery Systems. Dazu gehören Primary Packaging Plastics, Centor, Medical Systems und Advanced Technologies.

Der Umsatz erhöhte sich von 281 Millionen auf 296 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg das bereinigte EBITDA von 52 Millionen auf 61 Millionen Euro. Die Marge verbesserte sich von 18,5 auf 20,6 Prozent.

Wachstumstreiber waren insbesondere Drug Delivery Devices. Gerresheimer profitierte hier nach eigenen Angaben von einer hohen Nachfrage und erfolgreichen Produktionsanläufen in den USA.

Auch der neue Geschäftsbereich Primary Injectable Solutions mit den Bereichen Syringe Systems und Tubular Glass steigerte seinen Umsatz. Die Erlöse erhöhten sich von 94 Millionen auf 101 Millionen Euro. Das Wachstum bei Spritzensystemen konnte die schwächere Entwicklung bei Röhrenglas in Europa und Asien weitgehend kompensieren.

Die Profitabilität ging allerdings zurück. Das bereinigte EBITDA sank von sieben Millionen auf sechs Millionen Euro, die Marge von 7,0 auf 5,7 Prozent.

Gerresheimer baut Portfolio um

Parallel zur operativen Entwicklung treibt Gerresheimer den Umbau des Konzerns voran. Ende Juli wurde ein Vertrag über den Verkauf der Geschäftsbereiche Centor und Primary Packaging Plastics an eine Tochtergesellschaft von Fonds unterzeichnet, die von Apax Partners beraten werden.

Der Verkauf von Centor soll noch im laufenden Geschäftsjahr abgeschlossen werden. Bei Primary Packaging Plastics rechnet Gerresheimer mit einem Vollzug im ersten Halbjahr 2027.

Die erwarteten Erlöse sollen die Verschuldung deutlich reduzieren und die Grundlage für eine umfassende Refinanzierung des Konzerns schaffen. Diese soll nach Abschluss des Verkaufs von Primary Packaging Plastics erfolgen.

Mit den Verkäufen und der geplanten Trennung vom Moulded-Glass-Geschäft verändert Gerresheimer sein Portfolio erheblich. Der Konzern will sich stärker auf Drug Delivery Devices, Medizinprodukte und Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel konzentrieren.

Stärkeres zweites Halbjahr erwartet

Für den weiteren Jahresverlauf setzt Gerresheimer auf eine Verbesserung. Insbesondere im zweiten Halbjahr erwartet das Unternehmen höhere Umsätze und eine Erholung der Ergebnisse. Dazu soll auch die weitere Umsetzung der „Gerresheimer Transformation Offensive“ beitragen.

Das erste Quartal zeigt dabei eine deutliche Verschiebung innerhalb des Konzerns: Während spezialisierte Pharmaprodukte wie Drug Delivery Devices und Spritzensysteme wachsen, steht das traditionelle Behälterglasgeschäft unter erheblichem Druck. Mit dem geplanten Verkauf von Moulded Glass soll diese Verschiebung künftig auch strukturell im Portfolio des Konzerns nachvollzogen werden.

Die endgültigen Ergebnisse für das erste Quartal will Gerresheimer im September veröffentlichen. Der Halbjahresbericht und die Mitteilung zum dritten Quartal sollen voraussichtlich im November folgen.

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