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Mehr als 2.200 Lkw-Touren pro Jahr will die Zimmermann-Gruppe von der Straße auf die Weser verlagern. Dazu hat die ortsansässige Zimmermann Sonderabfallentsorgung Nord GmbH & Co. KG die Hafenanlage im niedersächsischen Liebenau reaktiviert und heute das 80 Meter lange Tankschiff TMS „Regina W“ erstmals beladen. Foto: Zimmermann-Gruppe

Am 2. November wurde im reaktivierten Hafen von Liebenau (Niedersachsen) zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder ein Schiff beladen.

Die ortsansässige Zimmermann Sonderabfallentsorgung Nord GmbH & Co. KG hat die stillgelegten Hafen-Anlagen für eine langfristige Nutzung hergerichtet, um wesentliche Transportmengen von der Straße auf die Weser zu verlagern. Das jetzt gecharterte Tankschiff mit einem Fassungsvermögen von mehr als 1.000 Tonnen soll mehr als 2.200 Lkw-Fahrten pro Jahr ersetzen.

Nach nur sechs Monaten Bauzeit erstes Schiff beladen

„Innerhalb der Zimmermann-Gruppe haben wir uns das strategische Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoß durch unsere Transporte zu reduzieren“, berichtet David Zimmermann, Geschäftsführer der Gütersloher Zimmermann-Gruppe. Ein wichtiger Hebel ist neben der Routen-Optimierung und dem Einsatz von Elektro-Lkw eine Verlagerung der Verkehre auf die Schiene und auf Wasserwege.

„Durch die unmittelbare Nähe unseres Betriebsgeländes zum Hafen Liebenau hat sich die Frage geradezu aufgedrängt, warum wir vorhandene Infrastruktur nicht wieder für den Transport auf der Wasserstraße nutzen sollten. Deshalb haben wir die Eigentümer angesprochen und geprüft, ob wir den stillgelegten Hafen reaktivieren können“, berichtet Dr. Jörg Wellenbüscher, Technischer Leiter der Zimmermann-Gruppe.

Auf die technische Projektplanung und Erstellung der Antragsunterlagen folgte ein umfangreiches Genehmigungsverfahren mit den zuständigen Behörden. „Innerhalb von nur sechs Monaten bekamen wir die erforderlichen Genehmigungen“, so Wellenbüscher. Unmittelbar danach begannen die Arbeiten zur Reaktivierung der Hafenanlage. Nach weiteren sechs Monaten Bauzeit war es schließlich so weit: Der Hafen Liebenau konnte heute offiziell wieder in Betrieb genommen werden.

Eine Schiffsladung ersetzt 40 Lkw-Touren

„Als Erstes haben wir drei massive Pfähle, sogenannte Dalben, entlang der mehr als 250 Meter langen Kaimauer in den Hafenboden gerammt, weil die alten Spundwände sanierungsbedürftig sind“, erklärt Dr. Jörg Wellenbüscher. An diesen Dalben werden die Schiffe festgemacht. „Außerdem haben wir in Rohrleitungen und eine Krananlage investiert“, ergänzt David Zimmermann. Die drei Dalben bekamen zusätzlich Leitern und je einen Steg, so dass sie zum Übergang auf die Landseite und zugleich als Notausstieg für das Schiffspersonal dienen.An der mittleren Dalbe wurde eine Krananlage errichtet, die das schwere Schlauchsystem zum Befüllen des Schiffes von der Land- zur Wasserseite sicher gewährleistet. Diese Konstruktion gleicht unterschiedliche Pegelstände der Weser sowie den zunehmenden Tiefgang des Schiffes während des Beladens aus.

„Zwischen unserem Betriebsgelände und dem Hafen wurde unterirdisch ein gut 200 Meter langes doppelwandiges Rohr verlegt“, nennt der Projektleiter weitere Eckdaten. Das gecharterte Tankschiff TMS „Regina W“ ist 80 Meter lang und 8,20 Meter breit. Es kann bis zu 1.059 Tonnen laden, lässt sich aber abhängig vom Wasserstand der Weser nicht immer voll auslasten. „Bei Vollauslastung ersetzt ein Schiff etwa 40 Lkw. Im Jahr kommen so etwa 60.000 Tonnen Ladung zusammen“, rechnet Jörg Wellenbüscher vor. „Das entspricht 2.200 bis 2.300 Lkw-Touren pro Jahr.“ Im Vergleich zum bisherigen Lkw-Transport sinke der CO2-Ausstoß durch die Verlagerung aufs Schiff auf etwa ein Drittel.

Schiffstransport auf für andere Gewerbebetriebe der Region

Das Projekt stößt wegen der Entlastung vom Lkw-Verkehr auch in der Gemeinde Liebenau auf Zustimmung. So sei die Wiederinbetriebnahme des Hafens nur ein erster Schritt. Mittelfristig denkt die Zimmermann-Gruppe beispielsweise über die Anlieferung von Schüttgütern per Schiff nach.

„Dazu müssten allerdings die Spundwände der Kaimauer saniert und auch das versandete Hafenbecken ausgebaggert werden“, erklärt Wellenbüscher. Der Schiffstransport könne dann auch für andere Gewerbebetriebe in der Region als Alternative angeboten werden. „Außerdem gibt es hier noch einen Schienenanschluss, den man reaktivieren könnte“, sieht er weiteres Potenzial.

Kooperationspartner Green Ports im Hafen Hamburg

Die Wasserstraßen-Anbindung am Standort Liebenau schafft zudem den Zugang zu den Häfen entlang der Weser und in ganz Norddeutschland. „Gerade mit unserem neuen Kooperationspartner Green Ports in Hamburg bieten sich Perspektiven für neue Stoffstrom-, Logistik- und Transportkonzepte“, sagt Christian Schult, Geschäftsführer Zimmermann Sonderabfallentsorgung Nord GmbH & Co. KG.

Erst im September 2026 hatte die Zimmermann-Gruppe eine strategische Partnerschaft mit der Tochtergesellschaft des international aktiven griechischen Konzerns Hellenic Environmental Center (HEC) vorgestellt. Das Vorhaben vereint zwei Geschäftspartner mit umfangreicher Erfahrung in Umweltmanagement, Schifffahrt und Hafendienstleistungen. Ziel ist es, moderne und integrierte Umweltlösungen für Schifffahrt, Industrie und Hafenaktivitäten in Hamburg als einem der wichtigsten europäischen Hafenknotenpunkte zu entwickeln.

David Zimmermanns Fazit: „Die Reaktivierung des Hafens in Liebenau ist ein wichtiger Meilenstein, um den Transport effizienter zu gestalten und die Straßen der Region zu entlasten. Zugleich schaffen wir zusätzliche Wachstumsperspektiven.“

 

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