Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

Menu
Sie sind hier:

Gordischer Knoten für echten Fortschritt beim Automobilrecycling in Europa noch lange nicht gelöst

Die Diskussion um bessere Lösungsansätze für das Automobilrecycling in Europa ist vielfältig und engagiert, doch von einem echten Durchbruch sind die Verantwortlichen noch weit entfernt, das wurde auf dem Internationalen Automobilrecycling Kongress (IARC) deutlich, der in diesem Jahr in Berlin stattfand.

day 170322 0055Die Lösungsansätze der Referenten waren vielfältig. Da aber das Grundproblem des Altfahrzeugrecyclings, nämlich der fehlende behördliche Vollzug in allen europäischen Ländern virulent ist, müssen die vielversprechendsten Modellansätze ins Leere laufen. Ob die vorgestellten zum Teil sehr individuellen Länderlösungen auf die anderen Mitgliedsländer übertragbar sind, dürfte zumindest bei einigen Ansätzen fraglich sein. So mutete beispielsweise das von Stig Thorlak, dem Vertreter des dänischen Herstellerverantwortungssystems DPA, vorgestellte Modell zwar ambitioniert an, ihm fehlten aber wichtige Punkte, die zu einem funktionierenden Kreislauf notwendig sind.

So erhalten in Dänemark Autobesitzer € 300, wenn sie ihr Altfahrzeug einem zugelassen Demontagebetrieb überlassen. Die Geldgeber blieben im Dunkeln. Thorlak sprach von der unbedingten Notwendigkeit, die wertvollen Rohstoffe im Land zu halten. Seine Forderung, dass alle (Unter-) Lieferanten, Altautoverwerter, Behörden und politischen Entscheidungsträger kooperieren müssen, um mehr Altautos in die Recyclingkette zu bekommen, ist auch 17 Jahre nach in Kraft treten der EU-Altfahrzeugrichtlinie uneingeschränkt zu unterstützen. Sie zeigt aber auch, dass sich in all den Jahren wenig bewegt hat.

Interessant war die Präsentation von Dr. Georg F. Mehlhart vom Öko-Institut. Die in Deutschland vom UBA beim Konkurrenzinstitut Ökopol in Auftrag gegebene und bereits abgeschlossene Studie über den Verbleib von Altfahrzeugen hat ihr Gegenstück in der noch laufenden Studie des Öko-Instituts auf europäischer Ebene.

Laut Mehlhart fallen in der EU jährlich 10 bis 12 Mio. Altautos an. Davon werden 6 Mio. offiziell als Altautos erfasst, die gemäß EU-Altauto-Richtlinie behandelt werden. Noch untersucht das Öko-Institut, wo die restlichen Fahrzeuge bleiben. Während die Ökopolstudie für Deutschland zu dem Schluss kommt, dass die vermeintlich fehlenden Altfahrzeuge zum großen Teil statistischen Lücken zuzuschreiben sowie auf einen eklatanten Mangel in den auf europäischer Ebene nicht harmonisierten Statistiken rund um die An-, Ab- und Ummeldungen von Fahrzeugen zu suchen sind, erwähnte Mehlhart illegale Machenschaften.

Schon vor dem Abschluss der Studie hat aber auch er erkannt, dass nur über eine verbesserte Datenlage und einen besseren Datenaustausch auf EU-Ebene konkrete Aussagen getroffen werden können. Melhart forderte zudem die bessere Durchsetzung der EU-Vorschriften in den einzelnen Mitgliedsländern und betonte die Notwendigkeit von Vorortbesichtigungen bei Verkäufern von Ersatzteilen oder bei Autoreparaturwerkstätten und -garagen.

In strengeren Vorschriften für den Export von Gebrauchtfahrzeuge sieht er ein hohes Potenzial an Fahrzeugen, die eigentlich in der EU wiederverwertet werden müssten. Der Hinweis auf einen verbesserten Vollzug war auch bei dem Vertreter des Öko-Instituts sehr deutlich.

Obwohl viele Probleme rund um das Altautorecycling nach fast 20 Jahren immer noch auf ihre Lösung warten und sich in der Zwischenzeit das Marktgeschehen anders entwickelt hat, als in der Theorie vorgesehen, will das Umweltbundesamt die nächste Stufe der Verwertung angehen.

Mit den neudeutschen Begriffen highcycling oder upcycling sollen die bisherigen Verfahren zur Schließung von Kreisläufen, die nunmehr als downcycling bezeichnet werden, auf eine qualitativ höhere Stufe gehoben werden. Die demontierten Teile bzw. Materialien sollen in den Produktionsprozess zurückfließen aus dem sie stammen. Das ist sicherlich ambitioniert und ökologisch gesehen sinnvoll. Wenn es aber nicht gelingt, die ökonomischen Randbedingungen so zu setzen, dass sich diese Form der Wiederverwertung entwickeln kann, bleiben diese Begriffe genau wie der Verwertungsnachweis Worthülsen.


Hintergrund:
Vom 22. bis 23. März 2017 fand zum 17. Mal der Internationale Automobilrecycling Kongress (IARC) in Berlin statt. Mit einem ansprechenden Programm rund um die Belange des Altfahrzeugrecyclings und der weiteren Aufbereitung von Materialien fand die Veranstaltung mit rund 200 Teilnehmern ein reges internationales Interesse. Diskutiert wurde – wie schon in den vergangenen Jahren – über das nach wie vor ungelöste Problem der mangelnden Verfügbarkeit von Altfahrzeugen bei den zertifizierten Demontagebetrieben.

Icon Mitglieder Mitglied werden Presse top

Wir benutzen lediglich technisch notwendige Sessioncookies, die das einwandfreie Funktionieren der Internetseite gewährleisten und die keine personenbezogenen Daten enthalten.