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„Politische Vorgaben müssen regelmäßig überprüft werden“

Interview mit Achim Ebel, Vice President Sales bei der Herbold Meckesheim GmbH

0726 HerboldMeckesheim Achim Ebel Herr Ebel, in welcher Rolle sieht sich Herbold Meckesheim in der Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe?

Wir leisten einen wichtigen Beitrag im Verfahrensablauf.

Unsere Waschanlagen ermöglichen es, Kunststoffabfälle so aufzubereiten, dass sie als Rohstoff wiederverwendet werden können.

Und zwar sowohl für Produktionsabfälle, die vergleichsweise leicht zu behandeln sind, wie auch für Post-Consumer-Abfall, wo das ungleich aufwändiger ist.

Wie funktioniert das?

Wir gehen schrittweise vor. Zunächst einmal werden die Oberflächen der Kunststoffe, die in gepressten Ballen ankommen, von allen möglichen Verunreinigungen gesäubert. Im zweiten Schritt werden die unterschiedlichen Kunststoffe voneinander getrennt. Am Ende stellen wir Schüttgüter her, die dann in den weiteren Recyclingprozess gehen. Unsere Prozesse sind komplex, denn viele Produkte sind sehr schlecht auf das spätere Recycling vorbereitet. Konsumentenverpackungen aus Kunststoff etwa sind oft mit einem Papier-Etikett versehen, Kunststoffflaschen und ihre Deckel bestehen häufig aus unterschiedlichem Material. Gutes Recycling mit überzeugenden Ergebnissen ist aber nur möglich, wenn das Ausgangsmaterial wiederverwertbar designt ist.

Welche Recycler bedienen Sie?


Herbold Meckesheim bedient mit seiner Verfahrenstechnik sowohl die mechanischen, wie auch die chemischen Recycler. Wir haben die Dekontaminationsaufgabe, das heißt, wir sind diejenigen, die aus schmutzigen Produkten gereinigte Güter herstellen. Die gehen entweder auf mechanischem Weg in einen Extruder oder in eine Spritzgussmaschine und daraus wird mit oder ohne Neuware-Einsatz ein neues Produkt hergestellt. Oder diese Schüttgüter gelangen in Reaktoren, in denen das Material chemisch behandelt wird.

Wie entwickelt sich der Markt? Nimmt die Nachfrage nach Waschanlagen zu?

Die Nachfrage nach Recyclinglösungen für Kunststoffe ist in vielen Industriestaaten riesig. Jeder, der Kunststoffe benutzt, der Kunststoffe in Verkehr bringt, als Produkt oder als Neuware, macht sich mittlerweile Gedanken darüber, wie er zur Nachhaltigkeit beitragen kann. Wir haben eine sehr hohe Nachfrage von allen Marktteilnehmern. Natürlich ist die Nachfrage nach Waschtechnologie abhängig von den Betreibern und auch abhängig von der Verfügbarkeit von Input-Material. Die wiederum hängt zusammen mit der Sammelstruktur von Abfällen. Wenn das Waste-Management nicht funktioniert, dann wird sich keine Recyclingstruktur entwickeln. Derzeit verlangsamt sich zwar die in die Weltmeere gelangende Menge an Kunststoffen, doch trotzdem steht die globale Lösung aus. Zwischen 8 bis 14 Millionen Tonnen Kunststoffe gelangen pro Jahr ins Meer. Dabei sind die größten Emittenten China, Indonesien, die Philippinen. Man kann jetzt sarkastisch sagen, das sind ja nur 443 Kilogramm pro Sekunde und es passiert anderswo. Doch alle Ozeane sind verbunden und wir haben nur eine Welt.

Haben Sie schon eine Waschanlage nach China verkauft?

Noch keine einzige. Es gibt dort welche, aber die sind auf einem Standard, der unter unserem liegt. Man verbraucht so viele Ressourcen wie Energie, Wasser und Chemikalien, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit ad absurdum geführt wird. Das wird sich sicher ändern. Aber ich glaube, als erstes muss man in diesem Riesenland schauen, dass man das Abfallmanagement reformiert. Erfreulich entwickeln sich dagegen die USA. Dort ist das Umweltbewusstsein in den letzten Jahren überall sehr in den Vordergrund gerückt. Aber da das noch nicht lange so ist, gibt es noch viel Entwicklungspotenzial.

Muss es politische Vorgaben geben, um die Kreislaufwirtschaft anzuschieben?

Quoten und gesetzlicher Druck sind sicherlich nicht falsch. Es ist aber wichtig, dass alle Vorgaben regelmäßig auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden. Sonst können sie sogar Schaden anrichten. Beim Dualen System wurden die Lizenzbeiträge für Kunststoffartikel angehoben, um damit mehr für Recycling ausgeben zu können. Die Verpackungsindustrie hat in der Folge ganz neue Produkte entwickelt. Diese enthalten jetzt biologische Rohstoffe wie Kokosfasern oder Bananenschalen. Aber sie werden mit Kunststoff behandelt, damit sie bestimmte Funktionen erfüllen. Diese Produkte werden nicht recycelt, denn es gibt keine Kokosfaserrücknahmelogistik. Das Beispiel zeigt, es läuft in der Gesetzgebung und bei Vorgaben noch einiges falsch.

Wird sich das Image des Kunststoffs durch die verstärkte Wiederverwertung bessern?

Das ist gut möglich. Das Ganze muss aber viel besser kommuniziert werden. Wiederholt werden muss, dass wir mit einer vernünftigen Verwertung, mit Einfließen von Rezyklaten in neue Produkte in der Lage sind, den Kunststoff mehrfach zu verwenden. Und zusätzlich muss man deutlich machen, dass wir mit unserer Art der Gesellschaft gar keine andere Wahl haben. Wir müssten sonst drastische Veränderungen in unseren Versorgungsketten vornehmen. Dann würde der Lkw des Getränkelieferanten wieder ein paar Liter mehr Benzin verbrauchen, weil er jede Menge Glas durch die Gegend fährt. Dann wird auch die Haltbarkeit für Frischwaren deutlich kürzer sein, weil die Schutzfunktion des Kunststoffes bei gleichzeitig geringstem Gewicht fehlt.

Das Interview führte Ina Vettkötter, VDMA e.V. | Abteilung Kunststoff- und Gummimaschinen

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