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Die Abfallwirtschaft steht in Polen vor neuen Herausforderungen

Von Beatrice Repetzki | Berlin

Trotz Fortschritten steht die Branche vor großen Aufgaben. Die Bevölkerung muss den Müll  noch stärker trennen. Energieerzeugung mit Müllverbrennungsanlagen weitet sich aus.

Polens muss seine legalen und illegalen Deponien verringern und mehr kommunale Abfälle verbrennen beziehungsweise recyceln. Die Europäische Union (EU), die den Mitgliedsländern immer strengere Umweltauflagen vorgibt, kofinanziert einen Teil der Projekte.

Die Hälfte seiner Siedlungsabfälle muss Polen seit 2020 recyceln. Diese Quoten erreichten 2018 laut Umweltministerium 84,5 Prozent der Gemeinden (neueste Angabe). Diese müssen den kommunalen Müll in die fünf Kategorien Papier, Glas, Metalle und Kunststoffe, Bioabfälle sowie gemischte Abfälle trennen. Dabei genügt es seit 2021, wenn die Gemeinden an entsprechenden Regularien arbeiten. Sie können zudem empfindlichen Strafzahlungen entgehen, da sie ab 2021 die Hälfte des gesamten Müllberges recyceln müssen und nicht mehr jeweils die Hälfte in vier Kategorien. Gemäß einem Gesetzesprojekt soll es Gemeinden ermöglicht werden, mit Zustimmung des Umweltministeriums Müll in nur drei Kategorien zu trennen.

Die Investitionen (ohne Kleinbetriebe) in die Abfallwirtschaft einschließlich Wiedergewinnung von Rohstoffen blieben jedoch laut dem Glowny Urzad Statystyczny (GUS, Statistisches Hauptamt) in den ersten drei Quartalen 2020 gegenüber den ersten drei Quartalen 2019 bei 147,1 Millionen Euro stabil (auf Złoty-Basis nominal -0,1 Prozent). Diese Aufwendungen summierten sich 2019 auf 276,8 Millionen Euro (1 Euro = 4,2976 Zloty, Jahresdurchschnittskurs 2019). Einschließlich Kleinbetriebe erhöhte sich der investierte Betrag um 28,8 Prozent gegenüber 2018 auf 438,2 Millionen Euro.

Die Stadtreinigungsbetriebe liefern den Gemeindemüll kostenpflichtig bei den zahlreichen kommunalen oder privaten Müllverarbeitungsanlagen, Regionalna Instalacja Przetwarzania Odpadów Komunalnych (RIPOK, Regionale Anlage zur Verarbeitung Kommunaler Abfälle) ab. Diese müssen weiter ausgebaut, modernisiert und umweltfreundlicher werden. Das eröffnet auch deutschen Anbietern von Technologien gute Absatzchancen.

Die Anzahl der begonnenen Projekte im Abfallsektor sank jedoch in den ersten drei Quartalen 2020 auf 259 (Januar bis September 2019: 286). Polen startete 2019 insgesamt 399 Vorhaben. Die Umsätze der Abfallwirtschaft einschließlich Wiedergewinnung von Rohstoffen betrugen 2020 laut GUS 5.586 Millionen Euro (ohne Kleinbetriebe). Das entsprach auf Złoty-Basis einem realen Zuwachs gegenüber 2019 um 11,4 Prozent (4.713 Millionen Euro). Die Umsätze sämtlicher Branchenfirmen summierten sich 2019 (2018) auf 6.259 (5.232) Millionen Euro. Folglich steigen die Preise für die Müllabfuhr.

Mülltrennung für mehr Recycling

Laut GUS entstanden 2019 (2018) fast 127 (128) Millionen Tonnen Abfälle, darunter 114 (115) Millionen Tonnen andere als Gemeindemüll. Davon stammten 55,8 Prozent aus Bergbau und Förderung, 23,8 Prozent von der Industrie, 12,3 Prozent vom Energiesektor. Rund 49 Prozent der Abfälle wurden wieder gewonnen, 43 Prozent deponiert, 5 Prozent anders unschädlich gemacht.

Offiziell entstanden 2019 laut GUS 12,8 Millionen Tonnen kommunale Abfälle (+2,1 Prozent; 2018 rund 12,5 Millionen Tonnen). Davon stammten 10,8 Millionen Tonnen von privaten Haushalten (85 Prozent). Pro Kopf der Bevölkerung entstanden 332 (325) Kilogramm Abfall. Hinzu kamen 2019 rund 545.000 Tonnen importierte Abfälle (-54 Prozent), darunter 376.000 Tonnen aus Deutschland. Polen exportierte 101.000 Tonnen, darunter 67 Prozent nach Deutschland.

Inländisches Aufkommen und Behandlung des Siedlungsmülls 2019 (Menge in Millionen Tonnen, Anteile in Prozent)

 

Menge

Anteil

Wiederverwertet

7,1

56

.Recycling

3,2

25

.Energieerzeugung durch Verbrennen

2,7

22

.Biologische Behandlung

1,2

9

Unschädlich gemacht

5,7

44

.Deponiert

5,5

43

.Verbrannt ohne Energieerzeugung

0,2

1

Insgesamt

12,8

100

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS, Ochrona Środowiska (Umweltschutz) 2020

Gut 31 Prozent des Siedlungsmülls wurden 2019 mit rund 4 Millionen Tonnen getrennt eingesammelt (2018: 3,6 Millionen Tonnen). Ein Drittel davon entfiel auf Papier, Pappe, Glas und Kunststoff, 30 Prozent auf Bioabfälle sowie 21 Prozent auf verschiedene Verpackungen, Elektroschrott und Textilien.

Von den 2018 (2017) entstandenen 5,5 (5,7) Millionen Tonnen Verpackungsabfällen, für die eine Pflicht zur Wiedergewinnung bestand, wurden laut GUS 63,1 (62,0) Prozent tatsächlich wieder gewonnen und 58,5 (57,7) Prozent recycelt. Der Recyclinganteil bei Verpackungen aus Stahl einschließlich Blech erreichte 2018 knapp 90 Prozent, Papier/Pappe 83 Prozent, Aluminium 52 Prozent, Glas 62 Prozent und Holz/Textilien knapp 30 Prozent.

Kunststoffverpackungen wurden dagegen laut Consultic und Conversio Market & Strategy lediglich zu 37,7 Prozent recycelt, aus 32,8 Prozent wurde Energie gewonnen und 29,5 Prozent wurden deponiert. Die Produzenten in der EU müssen laut EU-Richtlinien mehr recycelbare Plastikverpackungen verwenden.

Dynamisch entwickelt sich laut dem Cluster der Abfall- und Recycling-Wirtschaft die Wiederverwertung von Altreifen, die zum Bau von Sportobjekten, für technische Gummiprodukte und möglicherweise auch als Zusatzstoff für Asphalt wieder verwendet werden.

Die deponierte Menge an Siedlungsmüll ist bis 2021 auf 35 Prozent weiter zu senken. Ende 2019 (2018) gab es laut GUS 278 (286) legale Deponien auf rund 1.670 Hektar (-53 Hektar gegenüber 2018). Hinzu kamen 1.868 (1.607) inventarisierte wilde und zahlreiche weitere illegale Müllhalden. Von über 11.000 vor allem städtischen, 2019 aufgelösten, Abladeplätzen wurden fast 26.000 Tonnen abtransportiert.  

Mehr elektronische und Elektroaltgeräte sowie alte Batterien und Akkumulatoren sind wieder zu verwerten. Laut GUS wurden 2018 (2017) 660.000 (607.000) Tonnen neue elektrische Geräte auf den Markt gebracht. Gleichzeitig wurden 329.000 (246.000) Tonnen ausrangierte Geräte eingesammelt, wovon 321.000 Tonnen verwertet wurden. Diese stammten mit 302.000 (227.000) Tonnen ganz überwiegend von Privathaushalten. Die zuständigen Stellen nahmen pro Kopf der Bevölkerung 8,6 (6,4) Kilogramm Altgeräte zurück. Laut dem Hauptinspektor für Umweltschutz exportierte Polen 2018 außerdem 75.000 Tonnen Elektroschrott.

Ausgewählte Investitionsprojekte in der Abfallwirtschaft in Polen (Investitionen in Millionen Euro)

Projekt

Investition

Stand

Projektträger

Ausbau MVA Warschau

368

Planung, fertig Ende 2023

Posco (Korea, Rep.)

Bau MVA Olsztyn

185; darunter EU-Zuschuss: 40

Durchführung, fertig 2023

Dobra Energia dla Olsztyna Sp.zo.o.

Bau MVA Gdansk (Port Czystej Energii)

118; darunter EU-Zuschuss rund 63

Baubeginn, fertig Ende 2023

Astaldi/Termomec-

anica Ecologia / TIRU

MVA=Müllverbrennungsanlage; Quelle: Pressemeldungen, eigene Recherchen der GTAI

Interesse an Müllverbrennung wächst

Neun Müllverbrennungsanlagen (MVA), die auch Energie erzeugen, sind landesweit in Betrieb, darunter in Warschau, Kraków (Krakau), Bydgoszcz (Bromberg), Konin, Białystok, Poznań (Posen), Szczecin (Stettin) und Rzeszów. Weitere folgen: Mitte Dezember 2020 wurde der erste Spatenstich der MVA bei Gdańsk (Danzig) getan, die jährlich 160.000 Tonnen Müll aus Danzig und 34 pommerschen Gemeinden verbrennen und dabei Energie erzeugen soll. Ebenfalls als Öffentlich Private Partnerschaft (ÖPP) ist die MVA in Olsztyn konzipiert. Mit einem privaten Partner will auch die Stadtverwaltung Włocławek eine große MVA bauen, die Wärme und Strom erzeugt, wie sie Ende 2020 beschloss. Die Stadtverwaltung von Rzeszów erwägt, selbst eine weitere MVA auch für umliegende Gemeinden zu errichten.

In Łódż (Lodsch) will die französische Veolia S.A. eine MVA errichten. Eine Entscheidung steht noch aus. Die Erweiterung der Warschauer MVA von einer Jahreskapazität von 40.000 Tonnen auf 305.000 Tonnen zu verbrennendem Müll wurde gegen Ende 2020 mit der koreanischen Posco Engineering & Construction vereinbart. Die Anlage soll Strom und Wärme erzeugen. In Oberschlesien wurde die Gesellschaft Czysta Energia (Saubere Energie) gegründet, die eine MVA mit einer Kapazität von 250.000 Tonnen vorbereiten und bauen soll. Der Mineralölkonzern PKN Orlen will Abfälle zur Energieerzeugung nutzen.

Drei internationale Akteure dominieren die Stadtreinigung

Mehrere Tausend Betriebe befassen sich mit dem Einsammeln von Abfällen und deren Verarbeitung. Siedlungsmüll sammeln mitunter Gemeinden gehörende Stadtreinigungsbetriebe ein. Daneben gibt es die drei großen Marktführer Remondis, SUEZ Polska und Alba Polska, wobei Veolia versucht, ihre französische Konkurrentin Suez S.A. zu übernehmen.

Vor allem mit Abfallverarbeitung und Wiedergewinnung von Rohstoffen befassen sich Eneris Stena Recycling aus Schweden, die deutsche Gruppe Tönsmeier und andere. Die führende Gesellschaft im Bereich Recycling und Handel mit wiedergewonnenen Rohstoffen Elemental Holding S.A. nimmt sich dem wachsenden Elektroschrott an. Die österreichische Alpla kann seit Frühjahr 2020 jährlich 30.000 Tonnen PET in ihrem Werk in Radomsko recyceln. Zu den Verwertungsbetrieben von Altglas zählt die Krynicki Recykling S.A. Neue Technologien zur Abfallbehandlung entwickelt die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Bioelektra Group in Szczecin.

MVA-Technik stellen in Polen unter anderem Rafako, Winderickx und Energetyka i Recycling Odpadów her. Sortieranlagen produzieren beispielsweise Horstmann, Roczniak Recycling SystemSutco Polska und Falubaz Polska, Pressen und andere kleinere Geräte unter anderem Stalco, Avermann, ARTechnic.plHSM Polska, Inter-Hydro, Pressor Polska und Orwak Polska.

Die Stella Pack S.A. aus Lubartow, nördlich von Lublin, produziert Müllbeutel mit 35 bis 120 Litern Fassungsvermögen, die zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff bestehen. Sie erweitert derzeit ihre Jahreskapazität von 24.000 auf 36.000 Tonnen verarbeitete Abfälle. Die Firma Ekorum aus Poznań informiert und berät zu Abfall- und Umweltthemen.

Weitere Informationen: https://www.gtai.de/gtai-de/trade/branchen/branche-kompakt/polen/die-abfallwirtschaft-steht-vor-neuen-herausforderungen--599200

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH.

Quelle: www.gtai.de

 

 

 

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