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Pakistanische Recyclingindustrie steht am Anfang

GTAI | Von Heena Nazir | Dubai

In dem südasiatischen Land werden pro Tag Millionen Tonnen von Müll produziert. Die Entsorgungsbetriebe sind überlastet.

Das pakistanische Umweltministerium geht davon aus, dass landesweit pro Jahr etwa 20 Millionen Tonnen an festem Haushaltsmüll anfallen. Branchenkennern zufolge bezieht man sich hier auf Zahlen aus dem Jahr 2012. Die meisten Experten gehen in der Zwischenzeit sogar von einer Verdopplung aus. Laut Angaben der amerikanischen International Trade Administration werden jährlich rund 48,5 Millionen Tonnen an festen Abfällen erzeugt.

Nach öffentlichen Angaben werden nur 50 bis 60 Prozent davon auf offiziellen Halden gelagert, moderne Deponietechnik fehlt dort meist. Sondermüll wird selten getrennt und fachgerecht beseitigt. Eine funktionierende Entsorgungswirtschaft steht am Anfang und spielt in der nationalen Regierungsüberlegung noch eine eher untergeordnete Rolle.

Die Verantwortung liegt bei lokalen und kommunalen Behörden, ihr Interesse richtet sich in erster Linie auf eine Verringerung von Schuttabladeplätzen. Hier wird bereits auf ausländisches Know-how gesetzt. Die Stadtverwaltung von Rawalpindi unterzeichnete im Jahr 2014 einen Vertrag mit der Firma Albayrak und die Metropole Lahore beauftragte das Unternehmen OZ-Pak. Die türkischen Firmen sind für die Müllabfuhr zuständig.

Abfallbehandlungs- und Recycling-Anlagen werden dringend benötigt

Die Entsorgungskette ist sehr lang und kleinteilig und fest in der Hand des informellen Sektors. Eine Mehrheit der Beschäftigten sind Kinder, die wiederverwertbare Gegenstände wie Glas, Plastikflaschen, Dosen und Metall sammeln und im Anschluss an Schrotthändler und Firmen weiterverkaufen.

Nur eine Handvoll von Unternehmen ist im formellen Sektor aktiv. Green Earth in Lahore beispielsweise spezialisiert sich auf Recycling. In Islamabad befindet sich das Integrated Resource Recovery Center, eine Einrichtung zur Sammlung und Trennung von Müll. Saaf Suthra Sheher konzentriert sich auf integrierte Entsorgungswirtschaft.

Insbesondere beim Kunststoffabfall besteht dringender Handlungsbedarf. Auch wenn Pakistan mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von aufgerundet 9 Kilogramm (Schätzungen) pro Jahr noch weit hinter den Industrieländern zurückliegt - die Plastikberge wachsen rasant. Bis 2031 soll sich die Menge mehr als verdreifachen, schätzten Branchenkenner. Das südasiatische Land setzt deshalb nicht nur auf Recycling, sondern auch auf Vermeidung. Einweg-Plastiktüten sind in einigen Städten inzwischen verboten.

Die Wiederverwertbarkeit von Produkten ist in der Islamischen Republik sehr gering. Haushalte trennen ihren Müll selten, wobei organische und anorganische Abfälle zusammengeworfen werden, das mindert die Qualität und Nützlichkeit. Deshalb verwenden die meisten Kunststoffhersteller zum Beispiel importierte Pellets.

0625 GTAI Tabelle PakistanProjekte wurden angekündigt

Es gibt Bemühungen seitens der Provinzregierungen, das Engagement in der Recyclingindustrie zu verstärken. Meistens fehlen aber die finanziellen Mittel. Die meisten Projekte werden durch internationale Geldgeber unterstützt. In Sindh hat die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) umgerechnet circa 38 Millionen US-Dollar (US$) für das Sindh Cities Improvement Investment Program bereitgestellt, das unter anderem auch auf die Verbesserung der Entsorgungswirtschaft in 20 Sekundärstädten abzielt.

Energiegewinnung aus Abfällen soll Abhilfe schaffen

Die Planungen der Regierung im Bereich Waste-to-Energy zielen weniger auf die Elektrizitätserzeugung. Sie ist gemessen am Strombedarf des Landes minimal und bleibt in der Effizienz hinter anderen Erzeugungsformen zurück. Im Fokus steht die Abfallentsorgung. Um Investitionen attraktiver zu gestalten, hat die pakistanische Regulierungsbehörde für den Energiesektor, die National Electric Power Regulatory Authority (NEPRA), einen wettbewerbsfähigen Vorab-Tarif von 0,10 US$/ Kilowattstunde für Waste-to-Energy-Projekte angekündigt.

Im August 2018 genehmigte NEPRA den Bau einer ersten Abfallverbrennungsanlage im Wert von 220 Millionen US$. Sie soll in Lahore mit einer Kapazität von 2.000 Tonnen Müll pro Tag und 40 Megawatt entstehen. Die Lahore Xingzhong Renewable Energy Company, ein Joint Venture aus drei chinesischen Firmen, setzt das Projekt um. Die Fertigstellung ist für 2022 vorgesehen. Die Regierung von Sindh hat ebenfalls Pläne für eine Anlage mit einer Kapazität von 8.000 Tonnen Müll pro Tag, die 200 Megawatt Strom erzeugen soll, angekündigt. Das Vorhaben soll im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft entstehen, berichten lokale Zeitungen.

In Karachi ist man bereits ein Schritt weiter. Die pakistanischen Energieversorgungsunternehmen K-Electric und Egro Energy haben Ende 2019 eine Absichtserklärung unterzeichnet und planen die Entwicklung eines Waste-to-Energy-Kraftwerkes. Ziel des Projekts, ist die Verarbeitung von 3.000 Tonnen Abfällen pro Tag, um 50 Megawatt Strom zu generieren. Die Investitionssumme beläuft sich auf geschätzte 175 Millionen US$.

Ausländisches Know-how wird gebraucht

Zwar ist das Umweltbewusstsein in Pakistan längst nicht so ausgeprägt wie in entwickelten Ländern, aber die mediale Aufmerksamkeit ist zuletzt kontinuierlich gestiegen. Der Druck, in Müllbehandlung, -verwertung und -entsorgung zu investieren, wird in den nächsten Jahren steigen, um künftig den Anforderungen der steigenden Bevölkerungszahl und Urbanisierung gerecht zu werden.

Der Regierung selbst stehen kaum finanzielle Mittel zur Verfügung. Man setzt daher auf ein stärkeres Engagement des Privatsektors sowie auf internationale Geldgeber. Branchenkenner schätzen den Investitionsbedarf bis 2030 auf mehr als 100 Milliarden US$. Geschäftschancen ergeben sich auch für deutsche Unternehmen. Das niederländische Unternehmen AWTEC hat bereits Investitionen in Höhe von insgesamt 1,3 Milliarden US$ für verschiedene Projekte angekündigt, unter anderem soll auch in eine Waste-to-Energy-Anlage in Karachi investiert werden.

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH.

Quelle und weitere Informationen: www.gtai.de/gtai-de

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