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Hongkong verkündet ambitionierte Recyclingziele

GTAI | Von Roland Rohde | Hongkong

Die Regierung will die Recyclingquoten mittelfristig stark steigern, was einem enormen Kraftakt gleichkommt. Für ausländische Branchenfirmen ergeben sich Geschäftschancen.

Hongkong ist eine der reichsten Volkswirtschaften Asiens. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt in etwa auf deutschem Niveau. Doch wenn es um Umweltschutz geht, ähnelt die Sonderverwaltungsregion (SVR) eher einem klassischen Schwellenland. Besonders beim Thema Abfall besteht noch viel Nachholbedarf. Recycling vor Ort findet mit Ausnahme weniger Produktgruppen nur in Ansätzen statt.

Die Statistiken des Environmental Protection Department, der obersten Umweltbehörde, sprechen Bände. So landeten 2019 mehr als zwei Drittel des Haushaltsabfalls auf den teils randvollen einheimischen Deponien. Weniger als ein Drittel wurde zwecks Recycling eingesammelt. Gegenüber 2017 ist die zur Wiederverwertung gesammelte Müllmenge sogar um gut 10 Prozent zurückgegangen.

Fast 88 Prozent des recycelbaren Abfalls wurden 2019 zudem exportiert. Die entsprechenden Ausfuhren, die hauptsächlich nach China gehen, bestehen vor allem aus Metall und Papier. Bei Altpapier gibt es allerdings ein zunehmendes Problem, denn Beijing hat den Import beschränkt. Man setzt in der Volksrepublik nun verstärkt auf holzbasierte Faserstoffe als Vorprodukte für die heimische Papierindustrie.

Lokale Recyclingquote 2019 bei 3,5 Prozent

Die Quote des in der SVR wiederverwerteten Abfalls konnte gemessen am Gesamtaufkommen zwischen 2017 und 2019 immerhin von 1 auf 3,5 Prozent gesteigert werden. Für diesen Anstieg dürfte vor allem das 2018 eingeführte "Producer Responsibility Scheme on Waste Electrical and Electronic Equipment (WPRS)" verantwortlich sein. Ihm zufolge müssen acht elektronische Produkte ausgewiesenen Wiederverwertern zugeführt werden: Klimaanlagen, Kühlschränke, Waschmaschinen, Fernseher, Computer, Drucker, Scanner und Monitore.

Aufkommen und Recycling von Haushaltsmüll in Hongkong (in Millionen Tonnen pro Jahr)
 

2017

2019

Gesamtaufkommen

5,75

5,68

  Deponierung

3,92

4,04

  Recycling

1,83

1,64

    Recycling vor Ort

0,06

0,20

    Zum Recycling exportiert

1,77

1,44

Quelle: Umweltamt Hongkong

In den lizenzierten Abfallbetrieben findet das Recycling mithilfe modernster Anlagen statt. Dort sitzen Regierungsbeamte, die den Prozess ständig überwachen. Auch ein deutsches Unternehmen, die Alba Group, ist involviert. Konsumenten können dort anrufen und ihre alten Geräte abholen lassen. Wenn diese noch reparierbar sind, werden sie sogar in Stand gesetzt und an sozial schwache Familien gespendet. Es handelt sich um einen Vorzeigebetrieb, der gerne externe Gäste herumführt.

Vorbildliche Behandlung von Elektroschrott

Das neu eingeführte System als solches kann zwar als vorbildlich bezeichnet werden. Es stellt aber eine reine Insellösung dar. Andere Elektronikgeräte wie alte Mikrowellen, Notebooks oder Handys fallen komplett durch den Rost und landen auf den Deponien der Metropole oder werden exportiert.

Immerhin soll auch bei anderen Stoffen eine bessere Wiederverwertung stattfinden. So wird 2021 nach Angaben der Umweltbehörde der sogenannte Y-Park in Betrieb gehen, der zunächst 11.000 Tonnen Gartenabfälle pro Jahr behandeln soll. Die Kapazität soll später auf 22.000 Tonnen steigen. Unter anderem ist eine Umwandlung in Torf und Holzbaustoffe vorgesehen. Im Jahr 2023 folgt der O-Park für die Energiegewinnung aus Lebensmittelresten (Waste-to-Energy). Seine Kapazität wird etwa 110.000 Tonnen per anno betragen.

Die Regierung will aber noch viel mehr unternehmen. Anfang 2021 veröffentlichte sie den "Waste Blueprint for Hong Kong 2035". Die darin formulierten Hauptziele bestehen mittelfristig aus einer Verringerung der anfallenden Abfallmenge um 40 bis 45 Prozent. Das ist angesichts der bislang kaum vorzeigbaren Erfolge bei der Müllvermeidung und einer wachsenden Bevölkerung ein ehrgeiziges Vorhaben. Des Weiteren wird eine Erhöhung der Recyclingquote auf 55 Prozent angepeilt, was ebenfalls sehr ambitioniert erscheint. Langfristig soll dann keine Deponierung mehr erforderlich sein.

Aufbau eines Mülltrennsystems erforderlich

Zunächst müsste Hongkong ein umfassendes System zur Abfallsammlung und -trennung einführen. Des Weiteren sollte eine stärkere Bepreisung des Müllaufkommens erfolgen. Zugleich sind umfangreiche Aufklärungskampagnen vonnöten. Im Bereich Umweltbewusstsein herrscht in der Bevölkerung noch ein hoher Nachholbedarf. Das hat auch etwas mit der Wohnungssituation zu tun, denn die meisten Menschen wohnen in riesigen Apartmentkomplexen, in denen die Haushaltsabfälle nicht sortiert werden.

0319 GTAI HongkongDie Herausforderungen sind dementsprechend groß. Die Behörden dürften daher, wenn sie es mit der Erreichung der Ziele ernst meinen, auch auf die Expertise und Mithilfe erfahrener ausländischer Anbieter setzen. Die SVR verfolgt traditionell das Konzept eines schlanken Staates, der der Privatwirtschaft möglichst viel Spielraum lässt. Die meisten Projekte werden als Betreibermodelle umgesetzt.

Offene und relativ faire Ausschreibungen

Alle größeren staatlichen Anschaffungen von Waren und Dienstleistungen müssen in Hongkong öffentlich ausgeschrieben werden. Die SVR ist Mitglied des Agreement on Government Procurement (GPA) der World Trade Organization (WTO). Ausschreibungen verlaufen in der Regel relativ fair und offen. Korruption spielt eine vergleichsweise geringe Rolle. Staatliche Beschaffungen wickelt das Government Logistics Department ab. Über dessen Webseite können sich Unternehmen kostenlos als offizielle Zulieferer registrieren lassen. Das Development Bureau informiert über künftige Beschaffungsvorhaben. Die entsprechenden Ergebnisse zum Thema Abfall sind unter der Kategorie "Environmental Protection Department" zu finden.

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH.

Quelle: www.gtai.de

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