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Statusbericht der Deutschen Kreislaufwirtschaft 2020

Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung:

"Kreislaufwirtschaft fängt nicht beim Abfall an, sondern beim Produktdesign. Nur recyclingfähige Produkte können im Kreislauf geführt werden. Die Produkte wiederum sollten aus recyceltem Material hergestellt und von öffentlicher Hand, Gewerbe, Industrie und Privatkonsumenten nachgefragt werden. Von diesem Ziel sind wir aber leider noch ein ganzes Stück entfernt. Doch was nützt Recycling, wenn die Recyclingprodukte nicht eingesetzt werden? Es fehlt nach wie vor der Wille das Ruder herumzureißen. Machbar wäre das, denn allein Bund, Länder und Kommunen verfügen über ein direktes Beschaffungsvolumen von jährlich mehr als 122 Milliarden Euro. Sie haben es in der Hand der Kreislaufwirtschaft den entscheidenden Impuls zu geben und aus Worten endlich Taten werden zu lassen."

Der vorliegende „Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2020“ informiert zum zweiten Mal Medien, Politik und Wirtschaft und die interessierte Fachöffentlichkeit über die Leistungen, Strukturen, Ziele sowie die künftigen Perspektiven der deutschen Kreislaufwirtschaft. Das gesamte Themenspektrum reicht dabei von „A“ wie Abfallaufkommen bis „Z“ wie Zirkuläre Wirtschaft.

Die Voraussetzungen der Kreislaufwirtschaft sind gut: Hohe Investitionen in Personal und Technik verbessern kontinuierlich die Standards der stofflichen und energetischen Verwertung, mehr als 310.000 qualifizierte und motivierte Beschäftigte arbeiten in rund 10.700 privaten und kommunalen Unternehmen auf allen Stufen der Wertschöpfung und erwirtschaften dabei einen Umsatz von rund 85 Mrd. € sowie eine Bruttowertschöpfung von rund 28 Mrd. €.

Zu den wichtigen Veränderungen gehört auch die Corona-Pandemie, die nicht nur die Leistungs- und Anpassungsfähigkeit der Branche, sondern auch ihre Systemrelevanz für die Funktionsfähigkeit des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland unter Beweis gestellt hat.

1116 er bvsetv kleinbvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock erläutert im Video-Interview die zentralen Aussagen der Studie und die Ziele der Kreislaufwirtschaft aus Sicht der mittelständischen Recycling- und Entsorgungswirtschaft.

Video-Interview
Hinweis: Wenn Sie diesen Link anklicken, werden Sie auf die Youtube-Internetseite geführt.

Zu einem richtigen Verständnis von Kreislaufwirtschaft gehöre aber auch zu erkennen, dass der weltweite Handel mit aus Abfällen gewonnenen Sekundärrohstoffen sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoll ist. "Wir haben beispielsweise in Deutschland ein gut funktionierendes Erfassungssystem für alle wichtigen Sekundärrohstoffe, wie beispielsweise Fe- und NE-Metallschrotte oder auch Altpapier. Es wird dabei mehr gesammelt als in Deutschland oder der Europäischen Union wieder eingesetzt werden kann. Da ist es gut und richtig, dass diese Sekundärrohstoffe dorthin exportiert werden, wo sie benötigt werden." Genauso richtig sei es aber auch zu verhindern, dass Müll aus Deutschland an den heimischen Aufbereitungsanlagen vorbei irgendwo billig im Ausland verklappt wird.

Kritisch beobachtet der Recyclingverband, dass die Recyclat-Nachfrage deutlich eingebrochen ist. Der Grund ist banal: Die kunststoffverarbeitende Industrie setzt wieder verstärkt auf Neuware, weil diese inzwischen konkurrenzlos günstig zu haben ist. "Wir brauchen ein Level Playing Field, das Recyclaten und damit dem Kunststoffrecycling als wichtigem Part im Um- und Ausbau einer Kreislaufwirtschaft eine faire Chance gibt. Der klimaschädliche CO2-Rucksack, der bei der Produktion von Kunststoffneuware entsteht, bleibt bei der Preisbildung bislang nämlich völlig außen vor. Dies muss sich dringend ändern. Klimaschutz und Recycling müssen gleichermaßen gestärkt werden. Wenn mehr Recyclate und weniger Kunststoffneuware eingesetzt werden, reduzieren sich die CO2-Emmissionen. Wer darauf aus Kostengründen verzichtet, darf nicht belohnt, sondern muss mit einem deutlichen Preisaufschlag sanktioniert werden", lautet daher die bvse-Forderung.

bvse-Pressemitteilung | Interview-Rehbock im Wortlaut | Interview Kunststoffrecycling

Materialien und Informationen

Der „Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft“ wurde erstellt von der Prognos AG und der INFA GmbH mit wissenschaftlicher Beratung durch Prof. Martin Faulstich. Er wurde initiiert und wissenschaftlich begleitet von insgesamt 15 Verbänden, Vereinen und Unternehmen, darunter dem bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung und außerdem von: Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung (ASA), Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. (BDE), Bundesverband Deutscher Sonderabfallverbrennungs-Anlagen e.V. (BDSAV), Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e.V. (BDSV), Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW), Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft (IFAT), Interessengemeinschaft Deutsche Deponiebetreiber e.V. (InwesD), Interessengemeinschaft der thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland e.V. (ITAD), Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft e.V. (KdK), PlasticsEurope Deutschland e.V., Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA, Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI), Verband Deutscher Metallhändler e.V. (VDM), Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU).

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