Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

Menu
Sie sind hier:

Kapazitäten zur thermischen Abfallverwertung in der Schweiz sinken

In der Prognose zur Kapazitäts-Entwicklung der Schweizer KVA zeichnet sich tendenziell eine Verminderung der Kapazitätenzur thermischen Verwertung von Abfällen bis 2035 ab, gab der Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen (VBSA) in einer Mitteilung bekannt.

Geplante Still-Legungen

Gemäss  heutigem  Planungsstand  soll  der  Anlagenpark von  30  auf  26  KVA  reduziert  werden. Für  folgende  vier  Standorte  ist  eine  völlige  Stilllegung  geplant:  Josefstrasse  (im  Jahr  2021), ERZO  Oftringen  (2027),  VADEC  Colombier  (2027)  sowie  KVA  Horgen  (2033).  Diese  vier  Standorte entsorgen heute ca. 300‘000 Tonnen/Jahr.

Kapazitätseinbrüche

Einen  gewichtigen  Kapazitätseinbruch  von  ca.  90‘000  T/J  bringt  der  Neubau  der  KVA  Les Cheneviers  in  Genf,  deren  Entsorgungs-Leistung  sich  von  heute  250‘000  Tonnen  ab  2024  auf 160‘000 Tonnen reduzieren wird. Im  gleichen  Zeitraum  wird  ein  weiterer,  aber  diesmal  zeitbegrenzter  Kapazitätseinbruch  von ca. 50‘000 Jahrestonnen durch Erneuerungsarbeiten an der 2. Ofenlinie der KVA Linth spürbar werden.

Kapazitätsverschiebungen

Zu  Kapazitätsverschiebungen  kommt  es  hauptsächlich im  Kanton  Aargau  (Zeithorizont  2030) zwischen KVA Buchs (+15‘000 T/J) und Turgi (-32‘000 T/J), sowie im Kanton Neuenburg (2027), wo die gesamte Kehrichtverwertung am Standort La Chaux-de-Fonds (+65‘000 T/J) zentralisiert und somit die Stilllegung des Standortes Colombier (-65‘000 T/J) kompensiert werden wird.

Auch im Kanton Zürich sind Kapazitätsverschiebungen bis 2035 vorgesehen. Die Stilllegung der KVA  Josefstrasse(-127‘000  T/J;  2021),  die  Erneuerung  und  gleichzeitige  Kapazitätsminderung der KEZO in Hinwil (-70‘000 T/J; 2028) sowie die Stilllegung der KVA Horgen (-36‘000 T/J; 2033) sollen  durch  den  Bau  einer  3.  Ofenlinie  in  Hagenholz  (+120‘000  T/J;  2025)  sowie  den  Neubau und  die  Vergrösserung  der  Anlage  in  Dietikon  (+66‘000  T/J;  2034)  teilweise  kompensiert werden.

Kapazitätserweiterungen

Durch  Erneuerungsarbeiten  sind  in  einigen  KVA  zum  Teil  nicht  unbedeutende  Leistungssteigerungen bis 2035 geplant: UTO Uvrier (+20'000 T/J), KVA Gamsen (+17'000 T/J), KVA Linth (+7'000 T/J), ZAB Bazenheid (+32'000 T/J), VfA Buchs SG (+11'000 T/J). Auch der komplette Neubau der KEBAG Enova wird eine Leistungssteigerung (+28'000 T/J) mit sich bringen.  Offene Kapazitätsentwicklung In  Monthey  plant  die  SATOM  zwischen  2025  und  2030  den  Bau  einer  neuen  Linie  unter  Verwendung  einer  völlig  neuen  Technologie.  Es  ist  heute  noch  nicht  entschieden,  ob  diese  neue Linie mit einer geplanten Kapazität von 120'000 T/J die beiden aktuellen Linien ersetzen wird oder  aber  eine  der  alten  Linien  weiter  in  Betrieb  gehalten  wird. 

Die  heutige  Kapazität  der SATOM  von  180'000  Jahrestonnen  würde  je  nach  Szenario  entweder  auf  120'000  Tonnen gesenkt oder aber auf ca. 210'000 Tonnen erhöht werden. (In der Grafik wurde eine Leistungserhöhung auf 210'000 T/J dargestellt). Diese  Planungs-Ungewissheit  von  Monthey  beeinflusst  die  Prognose  für  2035  erheblich:  Falls eine  der  beiden  existierenden  Linien  weiter  betrieben  wird,  sinkt  die  Entsorgungsleistung  in der  Schweiz  bis  2035  voraussichtlich  um  2%  auf  4.05  Mio.  Tonnen/Jahr. 

Bei  Stilllegung  beider Linien  in  Monthey  wird  die  Schweizer  KVA-Kapazität bis  2035  um  4.2%  auf  3.96  Mio. Tonnen/Jahr sinken. Fazit: Abnahme der Kapazität um 2 bis 4%. Gemäss der Planwerte werden die Schweizer KVA-Kapazitäten bis 2035 mindestens um 2%, eventuell sogar um mehr als 4% sinken.

0715 VBSA Grafik 2 Entwicklung KVA Kapazitäten
Heute  verfügt  die  Schweiz  über  eine  Verbrennungskapazität  von  472  kg  pro  Einwohner  und Jahr.  Prognosen des  Bundesamtes  für  Statistik sehen  im  Referenzszenario  ein  Bevölkerungswachstum von mehr als 12% auf ca. 9‘860‘000 Personen im Jahr 2035 vor. Mit der hier dargestellten  KVA  Kapazitätsprognose  ergibt  sich  im  Jahre  2035  eine  Verbrennungskapazität  von 402  bis  411  kg  pro  Einwohner  und  Jahr. 

Die  verfügbare  Verbrennungskapazität  pro  Person wird somit voraussichtlich um 10 bis 15% abnehmen. Damit kein Entsorgungsengpass entsteht, müsste das Abfallaufkommen pro Kopf mindestens im gleichen Umfang abnehmen.

Blick ins grenznahe Ausland

Von den 4‘069 kT Abfall, die 2019 in Schweizer KVA verwertet wurden, stammten ca. 10% aus dem  grenznahen  Ausland.

Diesen  Importen  liegen  häufig  langfristige  Abnahmeverträge  mit Nachbarsgemeinden  (Basel  mit  Lörrach,  Weinfelden  mit  Konstanz,  etc.)  zugrunde,  die  auch ökologisch durchaus Sinn machen, da diese grenznahen Importe weite Transportwege sparen.  Es stellt sich die Frage, ob diese Importe bis 2035 reduziert werden können. Frankreich und vor allem Italien deponieren immer noch relativ viele brennbare Abfälle und müssten ihre Kapazität  der  thermischen  Behandlung  erhöhen.  Dem schweizer Verband sind  aber  keine  entsprechenden  Projekte bekannt.

Damit werden Italien und Frankreich weiterhin Abfälle zur Verbrennung exportieren. In Deutschland zeichnet sich bis 2040 eher ein Kapazitätsmangel ab (Studie ITAD 2020, Veröffentlichung Juni 2020). Somit wird auch Deutschland weiterhin brennbare Abfälle exportieren müssen.  Insgesamt  gehen  wir  davon  aus,  dass  die  Abfalllieferungen  aus  dem  grenznahen  Ausland  bis 2035 nicht bedeutend abnehmen werden.

0715 Schweizer Verband Grafik 1


Fußnoten
1 Die für 2020 angegebenen KVA-Kapazitäten basieren auf den tatsächlich verbrannten Tonnagen der Vorjahre 2018 und 2019  (Rytec-Erhebung).  Auch  für  die  Prognose  2035  wurde  soweit  als  möglich  versucht,  die  reelle  Entsorgungs-Kapazität (Jahres-Tonnagen mit heutigem Heizwert, 98% Verfügbarkeit) zu ermitteln.

2 https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bevoelkerung/zukuenftige-entwicklung/schweiz-szenarien.html 


Quelle und weitere Informationen: vbsa.ch

Icon Mitglieder Mitglied werden Presse top

Wir benutzen lediglich technisch notwendige Sessioncookies, die das einwandfreie Funktionieren der Internetseite gewährleisten und die keine personenbezogenen Daten enthalten.