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Neue Umweltsachverständige berufen | Dr. Christina Dornack für Abfall & Kreislaufwirtschaft

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen wurde heute vom Bundeskabinett neu eingesetzt.

0610 sruNeue Umweltsachverständige: Prof. Dr.-Ing. Christina DornackFür den Bereich Abfall- und Kreislaufwirtschaft wurde Prof. Dr.-Ing. Christina Dornack von der Technischen Universität Dresden berufen.

Auf Vorschlag von Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat das Bundeskabinett heute der Neuberufung des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) zugestimmt. Für die nächste Amtsperiode, die am 1. Juli 2020 beginnt und bis Mitte 2024 dauert, wurden vier Universitätsprofessorinnen und -professoren aus unterschiedlichen Disziplinen neu berufen, die über besondere wissenschaftliche Kenntnisse und Erfahrungen im Umweltschutz verfügen:

  • Frau Prof. Dr.-Ing. Christina Dornack, TU Dresden, für den Bereich Abfall- und Kreislaufwirtschaft
  • Herr Prof. Dr. Wolfgang Köck, Universität Leipzig, für den Bereich Umwelt- und Planungsrecht
  • Herr Prof. Dr. Josef Settele, Universität Halle-Wittenberg, für den Bereich Naturschutz/Ökologie/Biodiversität/Landnutzung
  • Frau Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller, FernUniversität Hagen, für den Bereich deutsche und europäische Umweltpolitik

    Erneut in den sieben-köpfigen Umweltrat berufen wurden die bisherigen Sachverständigen:

  • Frau Prof. Dr. Claudia Hornberg, Universität Bielefeld, für den Bereich Gesundheitswissenschaften/Toxikologie/Lärm/Umweltgerechtigkeit
  • Frau Prof. Dr. Claudia Kemfert, DIW Berlin, für den Bereich Wirtschaftswissenschaften/Klimaschutz/Energie/Verkehr
  • Herr Prof. Dr. Wolfgang Lucht, PIK Potsdam, für den Bereich Nachhaltigkeit/Erdsystemanalyse

Doch wer ist die neue Sachverständige, die den Bereich Abfall- und Kreislaufwirtschaft im Sachverständigenrat für Umweltfragen bearbeiten wird?

Christina Dornack ist Professorin und Direktorin am Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft der Technischen Universität Dresden.

Welche Ansichten vertritt sie?

Einen guten Einbrick vermittelt ein Interview, das Dr. Dornack Anfang des Jahres mit der Zeitschrift fluter. (Herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung) gegeben hat und das wir hier veröffentlichen:

Eine Welt ohne Müll

… ist möglich, wenn alle Abfälle wiederverwertet würden. Warum das auch in Deutschland noch nicht gut funktioniert: Trashtalk mit der Forscherin Christina Dornack

Interview: Annette Jensen

fluter.de: Seit Jahren fällt in Deutschland EU-weit der meiste Verpackungsmüll an. Haben wir ein Müllproblem?

Christina Dornack: Nein, davon würde ich nicht sprechen. In Deutschland funktioniert das System eigentlich recht gut. Wer Verpackungen in Umlauf bringt, ist auch für die ordnungsgemäße Verwertung und Entsorgung verantwortlich. Als Problem könnte man bezeichnen, dass gesetzlich keine Müllvermeidungsstrategie vorgesehen ist.

Das Gesamtgewicht der Plastikverpackungen hat sich hierzulande seit Anfang der 1990er-Jahre etwa verdoppelt. Warum ist das so?

Es ist bequem, verpackte Produkte einzukaufen, kleine Packungsgrößen zu haben oder Milch im Tetrapack mitzunehmen statt in einer schweren Glasflasche. Und wir kaufen heute viele Produkte häufiger und nutzen sie kürzer. Wir können es uns leisten, ein Produkt vor seinem Lebensende zu entsorgen, weil es etwas Neues gibt, das uns besser gefällt. Ich würde also sagen: Es liegt auch an unserem Verhalten.

Selbst wenn es in Deutschland auf diesen Anstieg von verpackten Wegwerfprodukten „recht gute“ Antworten geben sollte – was ist mit dem Teil des Mülls, der nicht hierbleibt?

Ein Viertel unserer Plastikverpackungen wurde bis vor kurzem nach China exportiert, ein zunehmender Anteil aber wurde dort nicht wiederverwendet und landete letztendlich in den Meeren. China hat den Import Anfang 2018 gestoppt, dann waren Malaysia, Indonesien und Vietnam Abnehmerländer, aber auch die wollen zunehmend nichts mehr annehmen. Dieser Export wird also irgendwann enden. Die gute Nachricht ist: Wir müssen uns um unser Zeug selber kümmern.

Sie forschen zur Kreislaufwirtschaft, was bedeutet, dass dieselben Ressourcen möglichst lange immer und immer wieder verwendet werden, so wie die Natur es macht. Ist eine vollständige Kreislaufwirtschaft aus Ihrer Sicht denkbar?

Wir müssen jetzt damit anfangen, sie anzustreben. Aber meine Generation wird das sicher nicht mehr erleben. Solange wir bestimmte Produkteigenschaften verlangen, die dazu führen, dass sie vielerlei Schadstoffe enthalten, so lange werden wir keine vollständig geschlossene Kreislaufwirtschaft haben. Wir benötigen zum Beispiel Aromabarrieren für Lebensmittelverpackungen oder Flammhemmer für elektronische Geräte. Das sind alles wichtige Eigenschaften, um das eigentliche Produkt zu schützen. Das Problem dabei: Diese Stoffe sind kaum von den anderen Materialien zu trennen und müssen deshalb deponiert oder verbrannt werden.

Wenn man diese Stoffe deponiert, sind sie für immer verloren und scheiden aus der Kreislaufwirtschaft aus.

Genau, oft ist es technisch noch nicht zufriedenstellend möglich, Stoffe – zum Beispiel seltene Erden aus Smartphones – zurückzugewinnen. Aber die Technik schreitet recht gut voran. Das Problem ist allerdings auch, dass keine wirtschaftlich relevanten Gerätemengen zurückkommen: Ein großer Teil lagert irgendwo in Kellern und Schubladen. Der Metallwert eines Smartphones liegt bei etwa einem Euro; wenn man den Leuten fünf Euro gibt, sobald sie ihr Handy abgeben, macht man ein Verlustgeschäft.

Wie könnte man dafür sorgen, dass die Rohstoffe wiederverwendet werden?

Dafür brauchen wir die Politik. Primärrohstoffe sind heute viel billiger als Sekundärrohstoffe, weil sie gesammelt, gereinigt und aufbereitet werden müssen. Man könnte zum Beispiel die Verwendung von Primärrohstoffen massiv besteuern, sodass Recyclingrohstoffe eine ganz andere Chance auf dem Markt bekämen.

Wie sähe ein Wirtschaftssystem aus, das nicht darauf beruht: Ressourcen ausgraben – nutzen – wegschmeißen bzw. verbrennen?

Das Wirtschaftswachstum dürfte nicht dauerhaft an den hohen Ressourcenverbrauch gekoppelt sein. Zunehmend wird es darum gehen, nicht mehr nur Produkte zu verkaufen, sondern Leistungen und Services! Ein Beispiel ist das Unternehmen Circular Economy Solutions, das sich aus einem großen Konzern heraus gegründet hat und das Thema Waschmaschinen neu angeht. Heute hat jeder Haushalt eine eigene Maschine – aber die Leute wollen eigentlich keine Waschmaschine besitzen, sondern saubere Wäsche. Wenn man ihnen eine Maschine hinstellt, sie für jeden Waschgang zahlen und die Garantie haben, dass bei Störungen spätestens 24 Stunden später wieder eine funktionsfähige Maschine da steht, sind sie zufrieden.

Wie wird dadurch Müll vermieden?

Wenn der Service der Punkt ist, mit dem Geld verdient wird, dann wird das Unternehmen dafür sorgen, dass die Produkte stabil sind, damit der Servicetechniker möglichst selten kommen muss. In diesem Wirtschaftsunternehmen macht es keinen Sinn, Maschinen zu bauen, die möglichst schnell kaputtgehen. Im Gegenteil: Da zahlt sich Langlebigkeit aus.

Quelle: © 2001-2020 fluter.de / Bundeszentrale für politische Bildung | Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE.

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