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In Hongkong bleibt Recycling die Ausnahme

Lediglich bestimmter Elektronikschrott wird mit modernster Technik behandelt

Von Roland Rohde

Gerade einmal 1 Prozent des Haushaltsmülls in Hongkong wurde 2017 wiederverwertet. Eine geplante zentrale Abfallbehandlungsstation könnte die Quote mittelfristig erhöhen.

Hongkong ist eine der reichsten Volkswirtschaften Asiens. Die Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf liegt auf deutschem Niveau. Doch wenn es um Umweltschutz geht, ähnelt die Sonderverwaltungsregion (SVR) eher einem klassischen Entwicklungsland. Besonders beim Thema Müll gibt es viel Nachholbedarf. Recycling findet - mit Ausnahme weniger Produktgruppen - kaum statt.

Die Statistiken des Environmental Protection Department (EPD), der obersten Umweltbehörde, sprechen Bände. So landeten 2017 zwei Drittel des Haushaltsabfalls auf den teils randvollen einheimischen Mülldeponien. Nur ein knappes Drittel wurde zwecks Recycling eingesammelt. Davon wiederum gingen 97 Prozent in den Export. Lediglich magere 3 Prozent waren zur Wiederverwertung vor Ort bestimmt. Insgesamt ergibt sich damit eine Recyclingquote von gerade einmal 1 Prozent.

Haushaltsmüll in Hongkong 2017 (in Millionen Tonnen; Anteil in Prozent)
  Menge Anteil
Aufkommen insgesamt, davon 5,75 100,0
.landete in Deponien 3,92 68,2
.für Recycling bestimmt, davon 1,83 31,8
..exportiert 1,77 30,8
..vor Ort recycelt 0,06 1,0

Quelle: EPD

Allerdings darf man den Abfallexport nicht nur kritisch sehen. Er besteht nämlich nahezu zur Hälfte aus Altpapier, das die benachbarte chinesische Industrie als Vorprodukt benötigt. Allerdings sinkt der dortige Importbedarf stetig, da die Volksrepublik die Einfuhr von verunreinigten Produkten beschränkt hat und künftig mehr auf holzbasierte Zellstoffe setzen will.

Eingesammelter wiederverwertbarer Haushaltsmüll und dessen Verwendung 2017 (in 1.000 Tonnen)
Stoffe Insgesamt, davon .exportiert .lokal recycelt
Metall 834,1 832,0 2,1
Papier 792,5 792,5 0,0
Plastik 115,6 102,0 13,7
Elektronik 49,0 45,1 3,9
Nahrungsmittel 14,6 0,0 14,6
Glas 11,0 0,7 10,4
Reifen 9,3 0,1 9,2
Textilien und Holz 4,3 0,6 3,8

Quelle: EPD

Auf einem einzigen Gebiet erweist sich Hongkong als sehr modern. So wurde 2018 das "Producer Responsibility Scheme on Waste Electrical and Electronic Equipment" (WPRS) eingeführt. Ihm zufolge müssen acht elektronische Produkte ausgewiesenen Wiederverwertern zugeführt werden: Klimaanlagen, Kühlschränke, Waschmaschinen, Fernseher, Computer, Drucker, Scanner und Monitore.

Die deutsche Alba Group recycelt in Hongkong Elektroschrott

In den lizenzierten Abfallbetrieben findet das Recycling mithilfe modernster Anlagen statt. Dort sitzen Regierungsbeamte, die den Prozess ständig überwachen. Auch ein deutsches Unternehmen, die Alba Group, ist involviert. Konsumenten können dort anrufen und ihre alten Geräte abholen lassen. Wenn diese noch reparierbar sind, werden sie sogar in Stand gesetzt und an sozial schwache Familien gespendet. Es handelt sich um einen Vorzeigebetrieb, der gerne stolz Gäste herumführt.

Das neu eingeführte System als solches kann zwar als vorbildlich bezeichnet werden. Es stellt aber eine reine Insellösung und dadurch lediglich einen Tropfen auf dem heißen Stein dar. Andere Elektronikgeräte wie alte Mikrowellen, Notebooks, Batterien oder Handys fallen komplett durch den Rost und landen auf den Deponien der Metropole oder werden exportiert.

Viel dürfte sich an dem aktuellen System nicht ändern. Der Aufbau einer umfassenden Mülltrennung und -wiederverwertung stellt in den Augen der Behörden anscheinend eine zu große logistische Herausforderung heraus. Die SVR müsste erst einmal umfangreiche Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung, die sich recht wenig für Umweltschutz interessiert, starten.

Geplantes Müllbehandlungszentrum setzt vorwiegend auf Verbrennung

Daher gehen die Planer einen anderen Weg. Sie beabsichtigen, bis 2024 eine zentrale Müllbearbeitungsstation aufzubauen. Sie soll pro Tag rund 2.800 Tonnen Abfall verbrennen (was bislang überhaupt nicht passiert) sowie 200 Tonnen wiederaufbereiten. Dadurch ließe sich die stadtweite Recyclingquote ein wenig, aber nicht wesentlich erhöhen.

Das Projekt soll auf einer unbewohnten, relativ abgelegenen Insel entstehen. Trotzdem dürfte es zu Protesten kommen, die das Vorhaben auch zu Fall bringen können. Im Moment empfiehlt es sich angesichts der schweren politischen Unruhen für die Regierung nicht, unbeliebte Vorhaben gegen starken Widerstand durchzusetzen. Doch eins ist jetzt schon ziemlich klar: In Hongkong wird es auf absehbare Zeit keine entscheidende Wende in Richtung mehr Recycling geben.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Environmental Protection Department (EPD) https://www.epd.gov.hk/epd/english/top.html (Startseite); https://www.wastereduction.gov.hk/sites/default/files/msw2017.pdf (Daten zum Abfallsektor); https://www.wastereduction.gov.hk/en/workplace/mwcc_detail.htm (Programm für Wiederverwertung von Elektronikschrott); https://www.epd.gov.hk/epd/english/environmentinhk/waste/prob_solutions/WFdev_IWMF.html (Infos zur geplanten zentralen Müllbehandlungsanlage) oberste Umwelt-behörde der SVR Hongkong
Alba Hong Kong http://www.weee.com.hk/index.php Elektroschrott-verwertungs-anlage

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/hongkong  abrufen.

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH.

Quelle: www.gtai.de

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