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Portugals Abfallwirtschaft setzt auf bessere Sortierung und Verwertung

Staat plant Investitionen in getrenntes Sammeln und die Nutzung von Abfällen als Roh- und Brennstoff / von Oliver Idem

Portugal investiert in den Abfallsektor und macht Fortschritte. Das getrennte Einsammeln und Recycling sind aber noch ausbaufähig. Ausrüstung stammt oft von ausländischen Anbietern.

Marktchancen

Regierung möchte Portugal in Richtung Kreislaufwirtschaft umbauen

Portugal setzt auf die Kreislaufwirtschaft und hat in die Investitionsplanung 2021 bis 2030 entsprechende Elemente aufgenommen. Die Politik geht den Schwachpunkt der zumeist unsortierten Siedlungs- und Haushaltsabfälle an. Vorgesehen ist auch, Abfälle zu geeigneten Rohstoffen für industrielle Prozesse aufzubereiten und Brennstoff aus ihnen zu gewinnen. Da Deponien immer noch die Endstation für viele Siedlungsabfälle sind, bleibt in diesem Bereich einiges zu tun. Die Umsetzung der Zielvorgaben sowie Optimierungen bestehender Anlagen dürften die Nachfrage nach Entsorgungstechnik steigern.

Auch nach der Überwindung der Wirtschaftskrise braucht die Regierung EU-Fördermittel als Investitionsmotor. Zwischen 2012 und 2018 stammten 249,3 Millionen der insgesamt investierten 320,3 Millionen Euro des Programms PO SEUR aus europäischen und weiteren Fonds. Die Gemeinden konnten 2017 knapp 25,8 Millionen Euro in das Management von Siedlungsabfällen investieren.

Hoher Importanteil bei Ausrüstungsinvestitionen in Portugal

Der Bedarf an Entsorgungstechnik in Portugal ist nach wie vor hoch. Darüber hinaus bestehen Defizite beim Abfallrecycling und Deponieabbau. Dies bietet auch deutschen Unternehmen Geschäftschancen, da die Ausrüstungsinvestitionen Portugals einen hohen Importanteil haben.

Bei vielen Projekten der vergangenen Jahre standen getrennte multilaterale Sammelsysteme, Sortiertechnik, verbessertes Recycling, die Vorbereitung und Behandlung von Siedlungsabfällen, Kompostieranlagen, Optimierung und Effizienzsteigerung vorhandener Systeme, neue Einheiten zur mechanischen und biologischen Behandlung (MBA), die Restabfälle in unterschiedliche Fraktionen aufteilt und sie für die weitere Verwertung aufbereitet, aber auch Monitoring-Systeme im Fokus. Gemeinden beschafften 2016 und 2017 vor allem Transportmittel und Grundausrüstung zur Abfallsammlung.

Drei Programme enthalten staatliche Ziele für den Abfallsektor

Portugal verfolgt langfristige Pläne zum Ausbau und zur Modernisierung des Abfallsektors. Die Regierung hat ihre Investitionspläne für alle Sektoren im "Programa Nacional de Investimentos 2030" (PNI 2030) festgeschrieben. Darin finden sich auch die drei in der Projekttabelle enthaltenen Umwelt- und Recyclingprogramme für 2021 bis 2030. Ihr Gesamtvolumen beträgt 350 Millionen Euro. Im Plano Nacional Energía e Clima 2030 (PNEC 2030) sind die Reduzierung der Abfallmenge und der Deponierung sowie eine verstärkte Verwertung von Abfällen als Ziele festgeschrieben.

Ein Element des Operationellen Programms Nachhaltigkeit und effiziente Ressourcennutzung (PO SEUR) sind Umweltschutz und Entsorgung. Im Rahmen der Investitionsachse III bildet für den Abfallsektor die Verwertung einen Schwerpunkt. Die Sanierung und Dekontaminierung verlassener Industriegebiete sowie der Schutz und die Sanierung von Böden gehören ebenfalls zur Achse III. Von 1,045 Milliarden Euro Gesamtetat entfallen 306 Millionen Euro auf den Abfallsektor.

Die Siedlungsabfallpolitik wird seit 2014 über einen Strategieplan namens PERSU 2020 gesteuert. Bis Ende 2020 soll das Abfallaufkommen pro Einwohner gegenüber den 453 Kilogramm aus dem Jahr 2012 um zehn Prozent sinken. Gemessen an den Zahlen von 2017 für Siedlungs- und Haushaltsabfälle erscheint dieses Ziel kaum noch erreichbar. Umgelegt auf 10,3 Millionen Einwohner entsprach die Abfallmenge pro Kopf knapp 487 Kilogramm. Bis Ende 2020 ist zudem vorgesehen, dass 50 Prozent der Siedlungsabfälle für eine Wiederverwertung vorbereitet werden. Außerdem soll der Anteil der deponierten biologisch abbaubaren Abfälle Ende 2020 um 35 Prozent unter dem Wert von 1995 liegen.

Als Ergänzung des ursprünglichen Plans beschloss die portugiesische Regierung im Juli 2019 die neue Initiative PERSU 2020+. Diese umfasst unter anderem eine besser getrennte Sammlung von Bioabfällen und längerfristig höhere Recyclingziele für verschiedene Abfallarten.

Sortierung und Verwertung des Abfalls bleiben eine Daueraufgabe

Wenngleich Portugal ehrgeizige Ziele in Richtung einer Kreislaufwirtschaft verfolgt, sind bis dahin noch viele Schritte zu gehen. Rund 80 Prozent der Haushalts- und Siedlungsabfälle fallen unsortiert an, und die Hälfte des Siedlungsmülls endet auf Deponien. Portugal verfügte nach Angaben der Umweltagentur APA 2017 über 32 Deponien mit einer Gesamtkapazität von knapp 16,1 Millionen Tonnen. Hinzu kamen zwei Anlagen zur energetischen Verwertung mit zusammen fast 1,2 Millionen Tonnen Fassungsvermögen. In 21 Anlagen zur organischen Verwertung konnten 0,9 Millionen Tonnen Abfälle verarbeitet werden. Zudem entstanden zwischen 2012 und 2017 fünf mechanische Abfallbehandlungsanlagen im Land.

Laut den neuesten verfügbaren Zahlen wurden 2017 pro Kopf 90 Kilogramm Siedlungsabfälle getrennt gesammelt. Seit 2012 konnte die Menge um 27 Kilogramm gesteigert werden, besonders stark in den Autonomen Regionen Azoren und Madeira. Der Recyclinganteil stieg landesweit ebenfalls deutlich an. Wurde 2012 nur ein Viertel der Siedlungsabfälle für die Wiederverwertung aufbereitet, lag der Anteil 2017 schon bei 38 Prozent.

Siedlungs- und Haushaltsabfälle in Portugal (in Millionen t)
Menge 2016 in Prozent der Jahresmenge 2017 in Prozent der Jahresmenge
Insgesamt 4.897,2 100,0 5.012,4 100,0
.unsortierte Abfälle 4.084,1 83,4 4.081,5 81,4
.sortierte Abfälle 813,1 16,6 930,9 18,6

Quelle: INE Portugal

Die Menge an sortierten Haushaltsabfällen nahm 2017 um 1,7 Prozent auf rund 870 Millionen Tonnen zu. In absoluten Zahlen stieg das Aufkommen an sortiertem Biomüll besonders stark an. Relativ betrachtet wurden insbesondere mehr Holz und Metall erfasst.

sortierte Haushaltsabfälle in Portugal (in Millionen t)
Menge 2016 2017
Insgesamt 855,6 870,2
.Glas 161,0 165,7
.Papier, Kartonagen 152,5 157,9
.Biomüll 114,6 122,2
.Kunststoffe 98,1 100,3
.Holz 17,1 20,8
.Metall 4,7 5,8
.Elektrische und Elektronische Geräte 4,1 4,5
.Übrige Abfälle 303,4 293,0

Quelle: INE Portugal

Nahezu die Hälfte der 2017 angefallenen Siedlungsabfälle in Portugal landete auf Deponien. Sowohl die Deponierung als auch die energetische und organische Verwertung nahmen zu. Bei einer steigenden Gesamtabfallmenge ging das Volumen der mechanisch-biologisch behandelten Abfälle gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent zurück.

Behandlung von Siedlungsabfällen in Portugal (in Millionen t)
Menge 2016 2017
Insgesamt 4.648,3 4.778,0
.Deponie 2.184,9 2.368,8
.energetische Verwertung 949,7 988,3
.organische Verwertung 813,6 845,4
.mechanisch-biologische Behandlung (MBA) 700,1 575,5

Quelle: INE Portugal

Die portugiesischen Gemeinden fuhren ihre Investitionen in das Abfallmanagement 2017 gegenüber dem Vorjahr um 59 Prozent auf 25,8 Millionen Euro hoch. Schwerpunkte waren Grundausrüstung und Transportmittel zur Abfallsammlung.

Kommunale Investitionen in das Management der Siedlungsabfälle in Portugal (in 1.000 Euro; Veränderung in Prozent)
  2016 2017 Veränderung 2017/16
Insgesamt 16.200 25.765 59,0
.Infrastruktur zur Behandlung fester Abfälle 852 1.397 64,0
.Transportmittel zur Abfallsammlung 6.336 11.357 79,2
.Grundausrüstung zur Abfallsammlung 9.012 13.011 44,4

Quelle: INE Portugal

Die im Rahmen des staatlichen Plans PO SEUR genehmigten Anträge sind auf der Internetseite https://poseur.portugal2020.pt/en/applications/approved-applications  aufgeführt. Aktualisierungen werden dort kurzfristig veröffentlicht.

Wichtige Investitionsprojekte in der Abfallwirtschaft in Portugal (Auswahl; Investitionssumme in Millionen Euro)
Projekt Investitionssumme Projektstand Anmerkungen
Innovative Lösungen zum getrennten Sammeln von organischen, biologisch abbaubaren und weiteren Stoffen 170 Umsetzung 2021 bis 2030 geplant Projektträger: lokale Verwaltungen und private Unternehmen
Effizientere Nutzung von Ressourcen beim Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft (zum Beispiel durch Abfälle als Rohstoffe für die Industrie) 100 Umsetzung 2021 bis 2030 geplant Projektträger: lokale Verwaltungen und private Unternehmen
Implementierung von Lösungen zur Nutzung von Abfällen als Brennstoff/Integration von Abfällen in den Wirtschaftskreislauf 80 Umsetzung 2021 bis 2030 geplant Projektträger: lokale Verwaltungen und private Unternehmen

Quelle: Programa Nacional de Investimentos 2030

Lokale Branchenstruktur

Nur wenige Informationen zur lokalen Entsorgungsbranche verfügbar

Neuesten Angaben des Statistikamtes INE zufolge repräsentierte der Sektor "Waren und Dienstleistungen im Umweltbereich" 3,8 Prozent der inländischen Produktion, 3,0 Prozent der Bruttowertschöpfung sowie 3,5 Prozent der Exporte und 2,4 Prozent der Arbeitsplätze. Der Anteil der Abfallwirtschaft an der Gesamtproduktion des Zweigs im Wert von 12,47 Milliarden Euro betrug 2016 circa 16 Prozent. Das Businessnetzwerk "Smart Waste Portugal" listet unter "Associados" Mitglieder aus Wirtschaft und Wissenschaft auf. Dort finden sich auch einige lokale und internationale Branchenunternehmen.

Geschäftspraxis

Auf dem Portal für öffentliche Beschaffungen http://www.base.gov.pt werden auch Ausschreibungen zur Abfallwirtschaft veröffentlicht. Im Internetauftritt des Programms PO SEUR stehen Informationen zu aktuellen und früheren Bewerbungsaufforderungen unter https://poseur.portugal2020.pt/en/applications/calls-for-applications bereit.

In den internationalen Indizes zum Geschäftsumfeld befindet sich Portugal jeweils im oberen Viertel. Im Corruption Perceptions Index 2018 belegt das Land den 30. Platz und im Ease of Doing Business Report 2019 sowie dem Global Competitiveness Index 4.0 von 2018 jeweils Rang 34. Der Ease of Doing Business Report sieht Portugal auf dem ersten Platz beim grenzüberschreitenden Handel und auf Position 35 hinsichtlich der Durchsetzung von Verträgen.

Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union (EU) sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern (http://www.bzst.bund.de). Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V., http://www.din.de).

Ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht stehen unter http://www.gtai.de/recht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen unter http://www.gtai.de/zoll zur Verfügung.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/portugal Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK Portugal http://portugal.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
German RETech Partnership e.V. http://www.retech-germany.net Netzwerk deutscher Unternehmen und Institutionen der Entsorgungs- und Recyclingbranche zur Exportförderung
Ambiente e Transição Energética. Governo de Portugal https://www.portugal.gov.pt/pt/gc21 Ministerium für Umwelt und Energiewende
Agência Portuguesa do Ambiente (APA) https://apambiente.pt staatliche Umweltagentur
Entidade Reguladora dos Serviços de Águas e Resíduos (ERSAR) http://www.ersar.pt Regulierungsbehörde für den Wasser- und Abfallsektor
Associação Nacional de Recuperação e Reciclagem de Papel e Cartão http://recipac.pt Recyclingverband für Papier und Pappe
Associação para a Gestão de Resíduos (Esgra) http://www.esgra.pt Abfallwirtschaftsverband
Indústria e Ambiente https://www.industriaeambiente.pt Fachzeitschrift über Industrie und Umweltwirtschaft; sechs Ausgaben pro Jahr
Portugal Smart Cities Summit 2020 https://portugalsmartcities.fil.pt nächster Termin: 6 bis 8.5.20; Feira Internacional de Lisboa (FIL)
Portal do Estado do Ambiente REA https://rea.apambiente.pt staatliches Umweltportal
Smart Waste Portugal http://www.smartwasteportugal.com Netzwerkportal für die Abfallwirtschaft

Die Reihe "Branche kompakt" liefert Analysen zu wichtigen Schlüsselbranchen der deutschen Exportwirtschaft. Weitere Länderberichte zum Abfallsektor und zu weiteren Branchen sind unter http://www.gtai.de/branche-kompakt zu finden.

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH.
www.gtai.de

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