Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

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BU: Geschäftsführer Christoph Zimmermann verteilt den Bodenverbesserer, die Pflanzenkohle „Moola“, im Gemüsebeet. (FOTO: DU-willkommen)

Klimawandel kommt in der Entsorgung an

DU: willkommen in der Umwelt baut den Geschäftsbereich Pflanzenkohle weiter aus und ist mit 40.000 Euro Risikokapital bei einem Klima-Start-up eingestiegen. Weil das Geschäft mit der Müllentsorgung immer komplexer wird und durch Müllvermeidung der Markt schrumpft, setzt Chefin Beate Schwarz auf klimaerhaltende Produkte und entwickelt Betreibermodelle.

Seit vier Jahren stellt das Familienunternehmen, zu dem die Firmen Entsorgung und Transport GmbH (ETG), PET-Recycling, Metallrecycling (MRG) und Fetzer Papier Recycling gehören, Pflanzenkohle her. Die karbonisierten Naturfasern setzen Kommunen und Landwirte ein, um die Bodenqualität zu verbessern. Größter Abnehmer sind inzwischen jedoch Biogas-Anlagenbetreiber: Sie fügen dem Gärprozess Pflanzenkohle bei. „Dadurch steigt der Gasertrag deutlich“, erklärt Beate Schwarz. Alternativ braucht die Biogas-Anlage weniger Ausgangsmaterial wie etwa Mais-Silagen, die die Betreiber für 45 Euro je Tonne kaufen.

Während des Gärens wirkt die Biokohle vielfältig: Sie bindet Stickstoff und mindert den Ammoniumverlust. Gleichzeitig stabilisiert sie den Prozess und verbessert nachhaltig die Gärrest-Qualität, also das was auf den Feldern als Dünger ausgebracht wird. Beides schont die Umwelt. Jährlich Ertragssteigerungen von mehr als 10.000 Euro sind bei einer 500 Kilowatt-Anlage möglich, rechnet Schwarz vor. Bundesweit gibt es aktuell 9.000 dieser Kraftwerke, DU: beliefert eines der größten davon. Im vergangenen Jahr produzierte der Mittelständler mit zwei Pyrolyseanlagen 400 Tonnen Pflanzenkohle und erzielte damit im neuen Geschäftsfeld einen Umsatz von 750.000 Euro. „Und weil jede von uns hergestellte Tonne Pflanzenkohle rund 3,6 Tonnen CO2 bindet, fahren unsere 20 LKWs inzwischen CO2-neutral“, verdeutlicht Schwarz.

Zudem vertieft der Entsorgungsbetrieb mit seiner finanziellen Beteiligung an einer industriellen Pilotanlage sein Engagement bei klimafreundlichen Produkten. Das von DU: unterstützte Klima-Start-up hat sich ebenfalls dem Kampf gegen die globale Erwärmung verschrieben. Die Partner verfolgen ein Ziel: Pflanzenkohle in industriellen Dimensionen herstellen und anwenden. Dazu gehört auch Biokohlenstoffgranulat, das erdölbasierte Plastikverpackungen oder andere Kunststoffteile ersetzen soll. Ausgangsmaterialen für die klimafreundlich Substitutionen sind Holzhackschnitzel, Waldholz aber auch Kakaoschalen, die in einem sechsstündigen Pyrolyseprozess „gebacken“ werden. „Für die Pilotanlage wurde ein neuartiges Karbonisierungs-Verfahren entwickelt“, begründet Schwarz ihr Beteiligungsmotiv. Es ermögliche eine höhere Jahresproduktion, als die bislang eingesetzte Technologie. Aktuell sind Schwarz und Mitgeschäftsführer Christoph Zimmermann deshalb in Gesprächen mit Deponiebetreibern. Für diese wollen die beiden Pyrolyse-Anlagen mit der neuen Technologie betreiben.

Ansonsten lief das DU:-Geschäftsjahr 2018 für den Entsorger turbulenter als das Vorjahr. Mit einem Umsatz von 42 Millionen Euro liegt dieser zwar fünf Prozent höher als 2017, was jedoch auf gestiegene Rohstoffpreise zurückzuführen sei. Zuwächse gab es bei den Abfall- und Wertstoffmengen. Insgesamt transportierte der Entsorger mehr als 80.000 Tonnen. Schrott legte um 15 Prozent zu. Die Gewerbeabfälle im Kreis lagen auf dem Niveau des Vorjahres. Beim Papier hingegen gingen die Volumina etwa um ein Fünftel zurück. Insgesamt verschärfte sich die Situation im Entsorgungsmarkt, verdeutlicht Schwarz. Engpässe in der Logistik führten einerseits zu steigenden Preisen. Andererseits konnten Behälterhersteller ihre Container nicht liefern. Auch der Mangel an LKW-Fahrern trug dazu bei, dass DU: die starke Nachfrage nur zum Teil befriedigen konnte und Aufträge ablehnen musste. Aktuell fehlen dem Unternehmen fünf Fahrer.

Weil Schifffahrtskapazitäten in Folge der langen Trockenheit zurückgefahren wurden oder ausfielen, verlagerte sich zudem mehr Recycling-Verkehr auf die Straße. Auch das verknappte Kapazitäten und steigerte Preise. Für dieses Jahr prognostiziert Schwarz weitere Probleme. Alleine durch den Brexit werden deutschen Verbrennungsanlagen mehrere 100.000 Tonnen Abfall fehlen, die bislang hier thermisch verwertet werden. Erfolgsmeldungen gibt es beim Familienbetrieb trotzdem: Möbel-Rieger ist mit allen zehn Standorten nun DU:-Kunde. Bisher waren die Holzheimer lediglich für Göppingen Gesamtentsorger.


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