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Indiens Megacity Mumbai rüstet sich für die Zukunft

Infrastruktur und Umweltschutz sollen besser werden - Mumbai investiert stark in die Abfall- und Abwasserentsorgung / Von Heena Nazir

GTAI. Die Metropolregion Mumbai (MMR), das Wirtschafts- und Finanzzentrum Indiens, sieht sich mit mehr als 22,8 Millionen Einwohnern großen Herausforderungen gegenüber. Vor allem die Themen Umwelt und Infrastruktur stehen im Fokus.

Die Stadt bekam im 18. und 19. Jahrhundert unter den Briten ihr heutiges Antlitz. Die zusammenhängende Landzunge, die sich in das arabische Meer erstreckt, bestand aus sieben Inseln, welche durch Landgewinnung verbunden wurden. Hieraus ergibt sich die geographische Besonderheit Mumbais. Seit Jahrzehnten gibt es einen andauernden und kaum kontrollierbaren Zuzug der Menschen vom Land. Nicht nur der Wohnraum in dem Ballungsgebiet ist knapp. Hinzu kommt, dass die Metropole jährlich vom Monsun heimgesucht wird, was regelmäßig mit Überschwemmungen einhergeht.

Als eine der größten Agglomerationen der Welt wird die MMR von 17 verschiedenen, sich überschneidenden Behörden verwaltet, Hauptbehörden sind die Mumbai Metropolitan Regional Development Authority (MMRDA) für die MMR und die Brihanmumbai Municipal Corporation (BMC) für die Stadt Mumbai.

Basisdaten Mumbai *)
Indikator  
Einwohner (Mio.) MMR (2011) 22,8
Fläche (qkm) 4.355
BIP/Kopf (US$; 2014) 5.900
Bevölkerungsdichte (Einwohner/qkm; 2011) 31.700
Anteil der Haushalte mit Zugang zu Elektrizität(in %; 2012/13)1) 97,5
Elektrizitätsverbrauch pro Kopf pro Monat (kWh/Monat; 2016) 110 kWh
Länge des ÖPNV (km), Mumbai Suburban Railway, Mumbai Metro (operational) 465 km,11,4 km
Abfall pro Einwohner (g/Tag; 2016/17) 750
Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu Trinkwasser (in %; 2012) 97,2
Wasserverbrauch pro Kopf (Liter/Tag; 2013) 155

*) Schätzungen

Quellen: Recherche GTAI 2018; MMRDA; World Economic Forum, November 2018


Umweltprobleme zwingen Metropole zum Umdenken

Nachdem die Stadtverwaltung im Juni 2018 erfolgreich die Nutzung von Einwegplastik (Tüten, Besteck, Becher etc.) unter Strafe gestellt hatte, zeigte sich Mumbais Abfallproblem bereits einen Monat später sehr eindrucksvoll. Während des andauernden Monsuns wurden mehrere Tonnen Müll vom Meer zurück auf die Prachtpromenade Marine Drive gespült. Es mangelt grundsätzlich noch an nachhaltigen Strategien. Bisher ist keine Abfallvermeidungs- oder Recyclingstrategie erkennbar. So gibt es noch keine gesetzliche Verpflichtung zur Mülltrennung in Mumbai.

MMR produziert täglich circa 16.500 Tonnen Abfall. Hiervon werden etwa 3.000 Tonnen in den Bioreaktoren der Deponie Kanjurmarg verarbeitet, der Rest wird weiterhin auf den bereits überfüllten Deponien wie beispielsweise Deonar entsorgt. Abhilfe soll nun mit langer Verzögerung der geplante Bau der Deonar-Müllverbrennungsanlage bringen. Der Bau einer kleineren Pilotanlage mit 600 Tonnen täglicher Kapazität (zuvor waren 3.000 Tonnen geplant) soll beginnen. Weitere Verbrennungsanlagen sollen folgen.

Auch im Bereich Abwasseraufbereitung steht die Metropole unter Zugzwang. Rund 25 Prozent des Abwassers der Stadt - hauptsächlich aus den Slums - wird noch immer direkt ins Meer geleitet. Die sieben veralteten Anlagen, die nur einfache Reinigungskapazitäten besitzen, leiten das Abwasser durch 1 bis 3 Kilometer lange Rohre direkt vor der Metropole ins Meer. Diese werden im Rahmen des von der Weltbank geförderten Mumbai Sewage Disposal Project II (MSDP II) für circa 650 Millionen US-Dollar (US$) erneuert. Neben Kapazitätserweiterungen steht vor allem die Erhöhung des Reinigungsgrads im Vordergrund, damit auch industrielle Abwässer angemessen gereinigt werden können.

Infrastrukturgroßprojekte bringen Mumbai ins 21. Jahrhundert

Mumbais Infrastrukturentwicklung hechelte der rasanten und oft ungeplanten Stadtentwicklung lange Zeit hinterher. Investitionen in Milliardenhöhe in S-Bahn, Metro, Monorail und Schnellzug sollen endlich Abhilfe schaffen, jedoch überschatten Versäumnisse der letzten Jahrzehnte die Zukunftsprojekte.

Die "Maximum City" ist nach wie vor zu einem Großteil auf das veraltete und überlastete S-Bahnnetz angewiesen, das täglich bis zu acht Millionen Menschen befördert. Nahezu täglich geschehen tödliche Unfälle. Die Verbesserung des S-Bahnnetzes und des Straßenverkehrsnetzes stehen im Fokus des weitreichenden Mumbai Urban Transport Project (MUTP), das in drei Phasen aufgeteilt wurde. Die dritte Phase soll 2021 mit Gesamtkosten von 3,3 Milliarden US$ abgeschlossen werden.

Die MMRDA setzte für die Entlastung und Zukunftsfähigkeit der Stadt auf ein weitreichendes Metrosystem und als Kompromisslösung für Stadteile, die nicht an das Metronetz angeschlossen werden können, auf ein Hochbahnsystem. Die Monorail soll als Zubringer zu der im Bau befindlichen Metro fungieren. 2014 wurde die erste Linie über knapp 20 Kilometer teilweise eröffnet. Nach einem Brand liegt aber diese seit mehr als sechs Monaten still. Aufgrund weitreichender Schwierigkeiten beim Bau und im Betrieb wurden weitere Monorail-Linien von der MMRDA bis auf weiteres verworfen.

Zentrales Element der Verkehrsinfrastrukturplanung stellt der Bau der Mumbai Metro über ein Gesamtnetz von voraussichtlich 200 Kilometer und einer geplanten vollumfänglichen Eröffnung 2025 dar. 2014 wurde Linie 1 eröffnet, aktuell befinden sich die Linien 2A, 3 und 7 im Bau. Insgesamt sollen acht Linien gebaut werden. In enger Kooperation mit Japan wird weiterhin die Zugverbindung zwischen Mumbai und Ahmedabad (508 Kilometer) durch eine Hochgeschwindigkeitstrasse auf Basis des Shinkansen (japanischer Hochgeschwindigkeitszug) ausgebaut. Die Fahrzeit soll von aktuell sieben auf zwei Stunden reduziert werden.

Im Bereich der internationalen Anbindung wird der Navi Mumbai International Airport (NMIA) östlich der Stadt im Modell der öffentlich privaten Partnerschaft zwischen dem Betreiber des aktuellen internationalen Flughafens in Mumbai GVK Power & Infrastructure Limited (GVK) und der städtische Planungsbehörde City and Industrial Development Corporation (Cidco) gebaut. Der Flughafen soll über den Mumbai Trans Harbour Link (MTHL), eine 22 Kilometer lange Brücke (Baubeginn April 2018), mit der Halbinsel verbunden werden. Das Projekt wird in Kooperation mit der japanischen Kooperationsgesellschaft Japan International Cooperation Agency (JICA) finanziert.

Mumbai ist nicht Teil der Smart City Mission

Die indische Zentralregierung verfolgt ein anspruchsvolles Ziel der Modernisierung von 100 Städten in sogenannte Smart Cities. Obwohl Mumbai in einem globalen Ranking des Easy Park Indexes gerade einmal auf Platz 93 von 100 steht, hat sich die Stadtverwaltung BMC aus dem landesweiten Projekt zurückgezogen. Als Begründung nennt die Kommune die Gefahr, im Rahmen des Projektes ihre Unabhängigkeit bei der Stadtplanung zu verlieren.

Aufgrund der fehlenden Rahmenbedingungen und Fördergelder für die Megacity ist es fraglich, welche Projekte in welchem Ausmaß in den nächsten Jahren angegangen werden. Die BMC hat bisher kein gesondertes Konzept veröffentlicht. Mumbai hat dringend Nachholbedarf, beispielsweise an intelligenter Verkehrsplanung, daher sind Einzelprojekte in Zukunft zu erwarten.

Deutschland als Kooperationspartner für Urbanisierungslösungen

Eine Intensivierung der deutsch-indischen Kooperation in den Bereichen nachhaltige Stadtentwicklung (Smart Cities Initiative), Umwelt- und Ressourcenschutz sowie Infrastrukturprojekte wurde zuletzt bei den bilateralen Regierungskonsultationen im Mai 2017 bekräftigt. Schwerpunkte des deutschen Engagements sind in den Bereichen der Sanitärversorgung und beim Management von Abwasser und Abfall in Haushalten und Industrie. Neben der föderalen Kooperation gibt es auch auf Landes- und Stadtebene Austausch zu den drängendsten Themen. Stuttgart organisiert beispielsweise jährlich im Rahmen der Städtepartnerschaft eine Delegation mit dem Schwerpunkt Umwelt.

Ausgewählte Großprojekte in Mumbai
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) Projektstand, geplante Fertigstellung Ansprechpartner
Mumbai Metro Rail Project 17,5 2021 Mumbai Metropolitan Region Development Authority (MMRDA); http://www.mmrda.maharashtra.gov.in/home
Mumbai-Ahmedabad rail Corridor 15,1 2023 National High Speed Rail; http://www.nhsrcl.in
Mumbai Urban Transport 3,3 2021 Mumbai Railway Vikas Coorporation; http://www.mrvc.indianrailways.gov.in
Mumbai Trans Harbour Link 2,5 2022 MMRDA; http://www.mmrda.maharashtra.gov.in/home
Navi Mumbai International Airport 2,2 2027 CIDC) & GVKPIL; http://www.gmrgroup.in und http://www.cidco.maharashtra.gov.in

1) Umrechnung anhand des Wechselkurses vom 20. November 2018: 1 US$ = 71,48 iR (indische Rupien)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen, November 2018

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH.
www.gtai.de

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