Der bvse informiert den Mittelstand über Abfall, Sekundärrohstoffe, Recycling und Entsorgung.

Menu
Sie sind hier:

Verbände lehnen Pflichtvorsorge bei Tätigkeiten im Freien ab

Gegen den Vorschlag des Ausschusses für Arbeitsmedizin (AfaMed), der die Einführung einer Angebots- und Pflichtvorsorge bei regelmäßigen Tätigkeiten im Freien vorsieht, wenden sich die Branchenverbände bvse, BDSV und VDM.

 In einer gemeinsamen Stellungnahme begründen sie ihre Ablehnung der vorgeschlagenen Änderung der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) damit, dass dies "zum Stillstand der Tätigkeiten auf deutschen Recyclinghöfen" führen würde.

Die Verbände sprechen sich dabei nicht gegen die Einführung einer Angebotsvorsorge aus. Wörtlich heißt es: "Wir legen auf den Arbeitsschutz in unseren Mitgliedsunternehmen viel Wert und werden uns daher ebenfalls werbend dafür einsetzen, das Risiko der UV-Exposition zu minimieren."

Eine Pflichtvorsorge ist aus Sicht der Verbände jedoch nicht notwendig. Vielmehr könne ein ausreichender Schutz der Arbeitnehmer durch organisatorische (wie beispielsweise langärmlige Kleidung, Kopfbedeckungen mit ausreichender Bedeckung des Nackenbereichs oder Zurverfügungstellung von Sonnencreme), technische und personenbezogene Maßnahmen und durch eine Angebotsvorsorge gewährleistet werden. Außerdem sei in den meisten der Mitgliedsunternehmen Schutzausrüstung (Arbeitskleidung) nötig, die gleichermaßen einen Sonnenschutz gewährleisten.

Die Einführung einer Pflichtvorsorge würde außerdem einen erheblichen Zeitaufwand für die Betriebsärzte bedeuten. Aufgrund der hohen Anzahl der einzubeziehenden Beschäftigten ist mit einer zeitnahen Durchführung der ärztlichen Vorsorge nicht zu rechnen.

Dem Vorschlag der AfaMed selbst sei zu entnehmen, dass rund 2 bis 3 Millionen im Freien Beschäftigte in die arbeitsmedizinische Vorsorge eingeschlossen werden müssten. Nimmt man beispielsweise an, dass ein Hautscreening pro Mitarbeiter im Durchschnitt 10 Minuten dauert und 3 Millionen Beschäftigte diese Untersuchung durchführen lassen müssen, wären 500.000 Betriebsärztestunden hierfür notwendig, rechnen die Verbände bvse, BDSV und VDM vor.

Dabei seien administrative Aufgaben in den Praxen nicht eingerechnet. Angesichts des Personalmangels bei den Fachärzten, welche die Voraussetzungen des § 7 ArbMedVV erfüllen müssen, sehen die Verbände nicht, wie weitere Pflichtuntersuchungen zu bewältigen wären.

Da ohne durchgeführte Pflichtvorsorge ein Beschäftigungsverbot besteht und auf den Recyclinghöfen fast jeder Arbeitnehmer im Freien physisch tätig ist und von der Vorsorgepflicht betroffen sein würde, käme es zum Stillstand der Arbeiten. Auch ein kurzfristiger vertretungsweiser Einsatz von Beschäftigten, z. B. im Fall der Erkrankung eines Arbeitnehmers, werde unmöglich.

Kritisiert wird der Vorschlag von bvse, BDSV und VDM auch deshalb, weil die ArbMedVV dem Arbeitgeber zwar die Veranlassung der Pflichtvorsorge für den Beschäftigten vorschreibe, es gebe jedoch, außer der arbeitsrechtlichen Keule, keine Einwirkungsmöglichkeit des Arbeitgebers, die Teilnahme verpflichtend vom Arbeitnehmer zu fordern.

Es sei zudem klar, dass der Arbeitnehmer auch im privaten Bereich der UV-Strahlung ausgesetzt ist. Dies ist nicht nur eine arbeitsspezifische Gefährdung. Diese Gefährdung des Arbeitnehmers durch UV-Strahlung findet in der Verordnung keine Berücksichtigung, obwohl durch sie eine arbeitsspezifische Gefährdung verstärkt oder ausgelöst werden kann.

Icon Mitglieder Mitglied werden Presse top
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok