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Sloweniens Abfallwirtschaft gilt als technisch gut ausgestattet

Müllverbrennungsanlage in der Diskussion / Von Waldemar Lichter und Snjezana Buhin Peharec (März 2018)

Trotz deutlicher Fortschritte hat Sloweniens Abfallsektor weiterhin Handlungsbedarf. Zum Teil exportiert das Land seinen unsortierten Restmüll und erwägt daher den Bau einer Abfallverbrennungsanlage. Illegale Deponien müssen dringend geschlossen und saniert werden.

Die slowenische Abfallbranche gilt als wenig transparent, für Lieferungen von Ausrüstung und Know-how ist der Markt jedoch offen.

Marktchancen

Überkapazitäten in der Sortierung und wenig thermische Verwertung

Erfolge hat Slowenien vor allem bei der Mülltrennung vorzuweisen. Zwischen 2002 und 2015 stieg der Anteil der getrennt gesammelten Siedlungsabfälle von 9 auf 69 Prozent. Die Abfallmenge, die auf Deponien verbracht wird, hat sich deutlich reduziert. Die Recyclingquote bei Siedlungsabfällen gehört zu den höchsten in der EU. Slowenien lag 2015 in der EU auf Rang drei nach Deutschland und Österreich.

Ein Vorzeigeprojekt ist die Modernisierung und Erweiterung des regionalen Abfallmanagementzentrums RCERO in Ljubljana. Es bedient 37 Gemeinden in Zentralslowenien. Die Anlage kann 150.000 Tonnen gemischten und 20.000 Tonnen organischen Siedlungsabfall pro Jahr mechanisch-biologisch behandeln. Zu den Investitionskosten von rund 160 Millionen Euro steuerte der Kohäsionsfonds der EU etwa 77,6 Millionen Euro bei. Noch im Bau ist die Abfallsortieranlage in Maribor (siehe Tabelle unten).

In den letzten Jahren hat das Land vor allem in Sortieranlagen für Siedlungsabfälle investiert. Nach Einschätzung von Marktkennern gibt es hier inzwischen sogar Überkapazitäten.

Eine Verbrennungsanlage für unbehandelten Restmüll soll möglicherweise in Ljubljana entstehen. Zurzeit bringt das Land diese Abfälle (350.000 Tonnen pro Jahr) zur thermischen Behandlung ins Ausland - zum großen Teil nach Österreich (Wien). Die steigenden Preise und die sinkenden Möglichkeiten für den Abfallexport machen den Bau einer solchen Anlage nach Einschätzung slowenischer Fachleute notwendig. In der Bevölkerung gibt es bereits starke Widerstände. Momentan existiert in Slowenien nur eine kleinere Anlage zur thermischen Abfallbehandlung in Celje mit einer Kapazität von 20.000 Tonnen pro Jahr. Benötigt werden nach Meinung slowenischer Experten zudem Anlagen zur Behandlung und Verarbeitung elektrotechnischen Abfalls.

Deponien müssen geschlossen und saniert werden

Von den zwölf Deponien, die aktuell im Land noch in Betrieb sind, werden in den nächsten Jahren nur noch zwei bis drei verbleiben. Investiert werden muss in die Schließung und Sanierung von 28 nicht-EU-konformen illegalen Abfalldeponien. Die Europäische Kommission klagte im April 2017 vor dem Europäischen Gerichtshof, weil die slowenische Regierung hier bis dahin zu geringe Fortschritte erzielt hatte.

Siedlungsabfälle in Slowenien im EU-Vergleich 2016 (Pro-Kopf-Aufkommen in kg, Anteil in %)
Land Angefallene Menge pro Kopf Anteil Deponierung 1) Anteil Verbrennung 1) Anteil Recycling 1) Anteil Kompostierung 1)
EU 482 25 28 30 17
Slowenien 466 24 2) 20 49 2) 8 2)
Deutschland 626 2 31 49 18

1) Anteil an der behandelten Menge von Siedlungsabfällen; 2) Angabe für 2015

Quelle: Eurostat

Zweifelhafte Datenlage

Fachleute beanstanden die Qualität der vorhandenen statistischen Daten im Abfallsektor. So wird die Recyclingquote auf Basis der behandelten Abfallmenge kalkuliert und nicht auf Grundlage des Gesamtaufkommens. Nach der Berechnungsmethode der Europäischen Kommission liegt die Quote bei 36 Prozent. Einige Unternehmen, die im slowenischen Abfallsektor tätig sind, etwa für Verpackungsabfälle oder Recycling, zweifeln die offiziellen Daten grundsätzlich an. Die tatsächlich anfallenden Mengen entsprächen nicht den offiziell deklarierten Volumina. Zudem seien die Abfallströme wenig transparent. All das erschwere die Arbeit, beispielsweise der Dienstleister im Recyclingsektor, und mache genaue Kalkulationen unmöglich, heißt es.

Wichtige Investitionsprojekte in der Abfallwirtschaft in Slowenien
Akteur/Projekt Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkungen
Bau einer Sortieranlage in Maribor 12,5 in Durchführung; Auftrag an das slowenische Bauunternehmen Kostak vergeben; geplante Inbetriebnahme: Mitte 2018 Snaga d.o.o., Maribor, http://www.snaga-mb.si; in einer späteren Phase ist der Bau einer Produktionslinie für Brennstoffe geplant

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Lokale Branchenstruktur

Öffentliche und halböffentliche Firmen prägen den Sektor

Die Organisation der Mülleinsammlung und -abfuhr liegt in der Zuständigkeit der Kommunen. Sie erbringen die Leistungen selbst, beauftragen einen Kommunalbetrieb oder vergeben Konzessionen an private Unternehmen. So ist die österreichische Saubermacher Dienstleistungs-AG mit ihren Beteiligungsgesellschaften in mehreren ostslowenischen Gemeinden als Konzessionär für die Müllabfuhr tätig. Im Entsorgungsgeschäft mit Verpackungsabfällen ist eine Tochterfirma der deutschen Alba Group, Interseroh, aktiv. An dem landesweit führenden Entsorgungsunternehmen Dinos ist die deutsche Scholz Holding GmbH beteiligt. Weitere wichtige private Unternehmen in der Branche sind Publikus und Kostak.

In der Herstellung von Abfalltechnik gibt es eine Reihe von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die ihre Waren größtenteils exportieren. Die slowenische Tochterfirma der deutschen Stadler Anlagenbau GmbH, Willy Stadler , in Krsko stellt Separatoren, Siebtrommeln und Sortieranlagen her. Ihre Umsätze beliefen sich 2016 auf 16,5 Millionen Euro, davon entfielen 88 Prozent auf den Export. Riko Ekos produziert Zerkleinerungs- und Sortiermaschinen sowie Abfallpressen. Ein ähnliches Sortiment bietet unter anderem auch Riko Ribnica an.

Der Sektor "Abfalleinsammlung, -entsorgung und -verwertung" zählte 2016 der amtlichen Statistik zufolge 268 Unternehmen mit 4.368 Beschäftigten. Sie wiesen einen Gesamtumsatz von 668,5 Millionen Euro aus. Zusätzlich waren noch 29 Unternehmen im Bereich "Umweltsanierung und sonstige Abfallbehandlungsdienstleistungen" tätig. Sie beschäftigten insgesamt 405 Personen und setzten 2016 rund 26,6 Millionen Euro um.

Ausgewählte Recycling- und Entsorgungsunternehmen in Slowenien (Umsatz in Mio. Euro)
Unternehmen, Sitz Umsatz 2016 Internetadresse Anmerkungen
Dinos, Ljubljana 1) 97,7 http://www.dinos.si privater Dienstleister; Sammlung und Verwertung von Eisen-und Nichteisenmetallschrott, Nichtmetallabfällen sowie Verpackungsabfällen
Gorenje Surovina, Maribor 2) 53,5 http://www.surovina.si privater Dienstleister; Sammlung und Verwertung von Eisen-und Nichteisenmetallschrott, Nichtmetallabfällen, Elektronik- und Elektroschrott sowie Verpackungsabfällen
Snaga, Ljubljana 34,9 3) http://www.snaga.si kommunaler Dienstleister; Müllabfuhr, -behandlung und -deponierung
Snaga, Maribor 13,7 3) http://www.snaga-mb.si kommunaler Dienstleister; Müllabfuhr, -behandlung und -deponierung
Saubermacher Slovenija, Murska Sobota 4) 23,1 http://www.saubermacher.si privater Dienstleister; Müllabfuhr, -behandlung und -deponierung; Sammlung und Entsorgung von getrennt gesammelten Abfallsorten sowie von gefährlichen Abfällen
Komteks, Komenda 10,8 http://www.komteks.si privater Dienstleister; Sammlung und Behandlung von sekundären Rohstoffen
Slopak, Ljubljana 5,7 http://www.slopak.si privater Dienstleister; Sammlung und Verwertung von Verpackungsabfällen, Sammlung von Altreifen, Elektronik- und Elektroschrott
Interseroh, Ljubljana-Crnuce 5) 5,3 http://www.interseroh.si privater Dienstleister; Sammlung und Verwertung von Verpackungsabfällen, Elektronik- und Elektroschrott, Akkus und Altbatterien sowie Grabkerzen

1) zu 50 Prozent in Besitz der deutschen Scholz Holding GmbH; 2) im Eigentum des führenden slowenischen Herstellers von Haushaltsgeräten, Gorenje; 3) erfasst sind auch die Einnahmen aus anderer Geschäftstätigkeit; 4) Teil der österreichischen Saubermacher Dienstleistungs-AG; 5) Teil der deutschen Alba Group

Quellen: Unternehmensregister AJPES; Unternehmensangaben

Geschäftspraxis

In Slowenien beschaffen Kommunen beziehungsweise Kommunalbetriebe ihre Ausrüstung direkt. Als ausschreibende Stellen treten bei einigen ausgebauten Abfallbehandlungszentren auch kommunale Zweckgesellschaften auf. Ausschreibungen werden in slowenischer Sprache im Portal für öffentliche Beschaffungen http://www.e-narocanje.si bekannt gemacht. Zusätzlich erscheinen Veröffentlichungen, welche die EU-weit festgelegten Schwellenwerte übersteigen, im EU-Amtsblatt unter http://ted.europa.eu .

Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der EU sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern (http://www.bzst.bund.de). Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V., http://www.din.de).

Ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht stehen unter http://www.gtai.de/recht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen unter http://www.gtai.de/zoll zur Verfügung.

 Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest (GTAI) http://www.gtai.de/slowenien Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK Slowenien https://slowenien.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
German RETech Partnership e.V. http://www.retech-germany.net Netzwerk deutscher Unternehmen und Institutionen der Entsorgungs- und Recyclingbranche zur Exportförderung
Ministrstvo za okolje in prostor Republike Slovenije http://www.mop.gov.si Ministerium für Umwelt und Raum der Republik Slowenien
Eko sklad, Slovenski okoljski javni sklad http://www.ekosklad.si Slowenischer Umweltfonds; vergibt zinsvergünstigte Kredite und Subventionen für Umweltschutzprojekte
Agencija RS za okolje http://www.arso.gov.si Agentur für Umwelt; zuständig für die Sammlung und Aufbereitung von Umweltdaten
Gospodarska zbornica Slovenije - Zbornica komunalnega gospodarstva http://www.gzs.si/zbornica_komunalnega_gospodarstva Kammer der Kommunalwirtschaft bei der Wirtschaftskammer Sloweniens
EOL http://www.zelenaslovenija.si Fachzeitschrift für Verpackung, Umwelt und Logistik
MEGRA http://www.pomurski-sejem.si Fachmesse für Bau-, Energie- und Kommunalwirtschaft sowie Handwerk

Die Reihe "Branche kompakt" liefert Analysen zu wichtigen Schlüsselbranchen der deutschen Exportwirtschaft. Weitere Länderberichte zum Abfallsektor und zu weiteren Branchen sind unter http://www.gtai.de/branche-kompakt zu finden.

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH




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