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Projekte in Griechenlands Abfallwirtschaft schreiten voran

von Michaela Elena Balis (März 2018)

Neues Recyclinggesetz setzt auf die Gemeinden

(GTAI) - Griechenlands Abfallwirtschaft hinkt immer noch deutlich hinter den EU-Zielen hinterher. Die Deponierung ist viel zu hoch und zahlreiche unkontrollierte Müllhalden müssen geschlossen werden. Um das Recycling voranzutreiben, gibt ein neues Gesetz den Gemeinden mehr Verantwortung. Mit großen Verzögerungen werden die Abfallprojekte im Land umgesetzt. Die Zulieferchancen für deutsche Hersteller und Dienstleister sind gut.

Marktchancen

Konkreter Plan für die Abfallbehandlung in Attika steht noch aus

Mit der Verabschiedung des "Nationalen Abfallverwaltungsplans" 2015 hatte Griechenland bereits ausgeschriebene Großprojekte in der Abfallwirtschaft zunächst ausgesetzt. Nun sollen die Anlagen auf dem Peloponnes und im Bezirk Ileia doch noch realisiert werden. Die Vorhaben in Zentralmakedonien und in Epirus schreiten rasch voran. Deutsche Lieferanten haben gute Chancen, ihre Technologien anzubieten.

Für Attika dagegen gibt es immer noch keinen Zeitplan, nachdem im Dezember 2014 die Ausschreibung von vier Abfallverwaltungsanlagen annulliert worden war. Die Abfälle der Region landen unterdessen auf einer veralteten Deponie.

Griechenlands stellvertretender Minister für Umwelt kündigte Ende 2017 an, dass etwa 150 Millionen Euro aus dem EU-Partnerschaftsprogramm bereit stünden für den Bau zweier Anlagen in Attika, den Ausbau einer bestehenden Anlage für mechanisches Recycling sowie für Abfallprojekte auf der Insel Hydra.

Rund 3 Millionen Euro beantragte die Gemeinde der Insel Chios für den Bau einer Anlage zur mechanischen Mülltrennung aus dem Operationellen Programm "Transportinfrastruktur, Umwelt und nachhaltige Entwicklung" des EU-Partnerschaftsprogramms 2014 bis 2020. Die Insel hat bereits vier Müllströme für Papier, Plastik, Glas und Aluminium eingeführt. In Planung ist außerdem eine Kleinanlage für die energetische Verwertung des Restmülls. Der Einsatz deutscher Technologie ist im Gespräch. Das rund 5 Millionen Euro teure Projekt soll aus EU-Mitteln finanziert werden.

Ausgewählte Investitionsprojekte in der griechischen Abfallwirtschaft (Investitionen in Millionen Euro)

Akteur/Projekt Investitionssumme Projektstand Anmerkungen
Integrierte Abfallverwaltungsanlage Peloponnes 158,0 Beschluss des Rechnungshofs steht aus; positive Erwartungen Auftragnehmer: Terna Energeiaki. Kapazität: 200.000 t pro Jahr; Kofinanzierung aus EU-Partnerschaftsvertrag
Integrierte Abfallverwaltungsanlage Epirus 52,6 Vertrag im Juni 2017 unterzeichnet; Fertigstellung bis Juni 2018; Inbetriebnahme Anfang 2019 Auftragnehmer: Konzern Terna Energeiaki. Kapazität: 105.000 t pro Jahr. Kofinanzierung aus EU-Partnerschaftsvertrag
Integrierte Abfallverwaltungsanlage in Westmakedonien (Kozani) 49,0 PPP-Projekt, seit Juli 2017 in Betrieb Kapazität: 120.000 t Abfall pro Jahr. Träger: Diadyma (von den zwölf Gemeinden gegründet)
Integrierte Abfallverwaltungsanlage Ilia 39,0 PPP-Projekt, der Vertrag soll im Sommer 2018 unterzeichnet werden Regionaler Abfallplan in öffentlicher Konsultation; Auftragnehmer: Konsortium Mesogeios, J&P Avax, Aagis
Integrierte Abfallverwaltungsanlage Zentralmakedonien (Serres) 36,2 PPP-Projekt; Vertrag im Juni 2017 unterzeichnet; Fertigstellung in 22 Monaten geplant Auftragnehmer: Archirodon Group - Intracom - Envitec Kapazität: 63.000 t pro Jahr; aus EU-Partnerschaftsvertrag kofinanziert

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Stillgelegte Deponien als Notlösung

Zu den größten Problemen der griechischen Entsorgungswirtschaft gehören die unkontrollierten Deponien, deren Betriebszeit abgelaufen ist. In den letzten Jahren hat das Land bereits große Schritte unternommen, um die Müllhalden zu schließen. Somit sanken auch die Strafgelder, die Hellas an die EU-Kommission zahlte. Sie lagen im Jahr 2015 noch bei rund 20 Millionen Euro. Ende 2016 sind sie auf 11 Millionen Euro für 20 unkontrollierte aktive und für 46 geschlossene, aber nicht sanierte Deponien gesunken. Hinzu kommen 21 Deponien, die trotz Schließung und Sanierung aufgrund fehlender Alternativen erneut genutzt werden.

Im ganzen Land sind laut Nationalem Abfallverwaltungsplan aktuell 74 geordnete Deponien, 55 Umladestationen (14 weitere im Bau), drei mechanisch-biologische Restabfallbehandlungs- und Kompostierungsanlagen und 35 Materialrückgewinnungsanlagen in Betrieb.

Neues Abfallgesetz stärkt die Gemeinden

Im November 2017 hat Griechenland ein neues Recyclinggesetz (G. 4496/2017, http://www.et.gr) verabschiedet. Es erweitert die Kompetenzen der Gemeinden in der Abfallverwaltung. Sie können fortan ihr Recyclingmaterial selbst verwalten und damit Einnahmen generieren. Voraussetzung dafür ist die Einführung der Mülltrennung an der Quelle in vier Strömen (Glas, Papier, Plastik, Aluminium). Bisher waren die Gemeinden für das Sammeln, den Transport und die Lagerung der Abfälle zuständig. Dies erfolgte entweder durch gemeindeeigene Dienste oder mit der Unterstützung von rund 500 lizenzierten Unternehmen.

Die neue Regelung soll das Interesse der Gemeinden am Recycling fördern. Höhere Recyclingmengen reduzieren die Kosten der Gemeinden, die sie für die Entsorgung der festen Siedlungsabfälle durch die Träger der Selbstverwaltung (FODSA, Träger für die Verwaltung von festen Siedlungsabfällen) zahlen. Somit könnten die Gemeinden ihre Bürger künftig mit geringeren Abfallgebühren belasten.

Hellas hinkt bei der EU-Recyclingquote deutlich hinterher

Nur 17 Prozent der Siedlungsabfälle werden in Griechenland recycelt, meldet das europäische Statistikamt Eurostat (Stand 2016). Im europäischen Durchschnitt (EU28) sind es 45,6 Prozent. Bis 2020 muss jeder EU-Staat 50 Prozent seiner Siedlungsabfälle wiederaufbereiten. Zuletzt wurden die EU-Ziele für 2030 auf 65 Prozent angehoben. Im Jahr 2016 landeten etwa 82,4 Prozent des griechischen Mülls auf Deponien und lediglich 3,4 Prozent wurden kompostiert.

Laut Eurostat fielen 2016 in Hellas rund 497 Kilogramm Siedlungsabfälle pro Kopf an. Damit liegt das Land leicht über dem EU-Durchschnitt von 480 Kilogramm. Den höchsten Anteil am Abfallaufkommen verursacht Westmakedonien mit 28 Prozent, gefolgt von Zentralgriechenland mit 12 Prozent und Attika mit 11 Prozent, so der griechische Nationale Abfallverwaltungsplan (Stand 2011).

Griechenland erzeugte 2014 insgesamt rund 69,7 Millionen Tonnen Abfälle, das entspricht 2,7 Prozent der angefallenen Gesamtmenge in der Europäischen Union, so Eurostat. Etwa 7 Prozent davon entfallen auf Abfälle des verarbeitenden Gewerbes, rund 67 auf Abfälle aus dem Bergbau. Der Anteil der Siedlungsabfälle aus Privathaushalten liegt bei 6,4 Prozent.

Recyclingsysteme für Verpackungen müssen vier Müllströme einführen

Insgesamt befassen sich 22 zugelassene Recyclingsysteme mit der Sammlung und Verwertung von Verpackungen, Batterien, Akkumulatoren, Elektrogeräten, Altreifen, Schmierölabfällen, Altfahrzeugen, Abfallaushub und Bauschutt. Recyclinganbieter für Verpackungen sind die Griechische Gesellschaft für die Nutzung des Recycling (HERRCo), die Antapodotiki Anakyklosi, das System des Supermarkts AB Vassilopoulos und das Zentrum für die alternative Umweltverwaltung (KEPED).

Die bestehenden Recyclingsysteme für Verpackungen haben, gemäß dem neuen Recyclinggesetz, sechs Monate Zeit, um sich an vier Abfallströme (Papier, Glas, Plastik, Aluminium) anzupassen. Die Gemeinden können zudem eigene Recyclingsysteme gründen.

Alle Hersteller und Importeure müssen fortan mit einem Recyclingsystem über die nationale griechische Recyclinggesellschaft EOAN zusammenarbeiten, ansonsten drohen Strafgelder. Eigens dafür wurde ein elektronisches Register eingeführt. Unternehmen, die Produkte von Herstellern vertreiben, die keinem System angehören, müssen ebenfalls Strafen zahlen.

Die wichtigsten griechischen Recyclingsysteme

Recyclinganbieter Internetadresse Anmerkungen
HERRCo http://www.herrco.gr Griechische Gesellschaft für die Nutzung des Recycling
ENDIALE S.A. http://www.endiale.gr Öl- und Schmierstoffe
Antapodotiki Anakyklosi http://www.antapodotiki.gr Verpackungen
SYDESYS http://www.sydesys.gr Akkumulatoren
Appliances Recycling S.A. http://www.electrocycle.gr Elektro- und Elektronikgeräte
Eco Elastika http://www.ecoelastika.gr Altreifen
AFIS http://www.afis.gr Batterien
COMBATT http://www.combatt.eu Batterien
Re-Battery http://www.re-battery.gr Batterien
EDOE http://www.edoe.gr Altfahrzeuge
Fotokiklosi http://www.fotokiklosi.gr Glühbirnen und Elektrokleingeräte

Quelle: http://www.eoan.gr/el/content/196/stoicheia-epikoinonias-me-sustimata

Plastiktüten "adieu"

Seit dem 1. Januar 2018 werden gemäß Gesetz 4496/2017 alle Plastiktüten mit einer Dicke zwischen 15 und 50 Mikrometern in Supermärkten und Bäckereien mit einer Abgabe von 0,04 Euro pro Stück inklusive Mehrwertsteuer belastet. Ab dem 1. Januar 2019 wird die Steuer auf 0,09 Euro pro Tüte steigen. Tüten mit einer Dicke über 50 Mikrometern sind fortan kostenpflichtig.

Lokale Branchenstruktur

Zahl der Unternehmen im Abfallsektor steigt

Etwa 2.500 Unternehmen waren 2017 in der Abfallbehandlung (Sammlung, Transport, Lagerung, Verwertung) tätig, so das griechische Ministerium für Umwelt und Energie (Stand: Januar 2018). Das sind rund 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Branche hat gute Ausbauchancen und großen Nachholbedarf, eine Tatsache, die die wachsende Anzahl der Firmen erklärt. Größere Unternehmen bieten ihre Dienstleistungen landesweit an. Kleinere Gesellschaften sind nur lokal und für bestimmte Abfallsorten tätig.

Zu den wichtigsten Akteuren, die in der Sammlung, im Transport oder in der Lagerung von nicht gefährlichen Abfällen tätig sind, zählen das griechische Bauunternehmen Aktor (http://www.aktor.gr) und das Abfallverarbeitungsunternehmen Ilektor (http://www.helector.gr) der renommierten Unternehmensgruppe Hellaktor.

Lizenzen für die Verwaltung von gefährlichen Abfällen haben rund 128 Unternehmen (Stand Mai 2016).

Etwa 160.000 blaue Recyclingtonnen und 8.500 blaue "Glocken" für Glas stehen 94 Prozent der Bürger in 301 von 325 Gemeinden zur Verfügung. Sie werden von der Griechischen Gesellschaft für die Nutzung des Recycling (HERRCo) verwaltet. In einigen wenigen Gemeinden gibt es bereits gelbe Tonnen für Papier. Braune Tonnen für Bioabfälle sollen in nächster Zeit angeschafft werden.

Geschäftspraxis

Ausländische Unternehmen erhöhen ihre Chancen bei öffentlichen Ausschreibungen, wenn sie ihr Know-how in Konsortien mit lokalen Unternehmen einbringen.

Die Ausschreibungen in Griechenland folgen den EU-Richtlinien. Öffentliche Ausschreibungen zu Abfallprojekten werden auf der Website des Griechischen Umweltministeriums http://www.ypeka.gr/?tabid=473 veröffentlicht.

Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der EU sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern (http://www.bzst.bund.de). Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V., http://www.din.de).

Ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht stehen unter http://www.gtai.de/recht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen unter http://www.gtai.de/zoll  zur Verfügung.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/griechenland Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK Griechenland http://griechenland.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
German RETech Partnership e.V. http://www.retech-germany.net Netzwerk deutscher Unternehmen und Institutionen der Entsorgungs- und Recyclingbranche zur Exportförderung
Griechisches Ministerium für Umwelt und Energie http://www.ypeka.gr  
Nationale Griechische Recycling-Gesellschaft http://www.eoan.gr  

Die Reihe "Branche kompakt" liefert Analysen zu wichtigen Schlüsselbranchen der deutschen Exportwirtschaft. Weitere Länderberichte zum Abfallsektor und zu weiteren Branchen sind unter http://www.gtai.de/branche-kompakt

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH

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