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Serbiens Abfallwirtschaft hat weiterhin hohen Modernisierungsbedarf

Brüssel fordert mehr Investitionen in Abfalltrennung und -verwertung

Verfasser: Jan Triebel (September 2017)

Serbien setzt angesichts des angestrebten Beitritts zur EU zunehmend auf moderne umweltgerechte Entsorgungs- und Recyclingmethoden. Der Bedarf an Ausrüstung für die Abfallwirtschaft bleibt auf lange Sicht hoch.

Auch Beratungsleistungen werden benötigt. Das landesweit mit Abstand größte Abfallprojekt setzt ein französisch-japanisches Konsortium in Belgrad um. Gute Ergebnisse erzielt Serbien mittlerweile beim Verpackungsmüll: Die Sammelquoten übertrafen zuletzt die Vorgaben.

Marktchancen

Geordnete Deponien und moderne Sammelsysteme gefragt

In den letzten Jahren hat es in Serbiens Abfallsektor durchaus leichte Fortschritte gegeben. Das hat in erster Linie mit der Umsetzung von Maßnahmen zu tun, die in der nationalen Strategie zum Abfallmanagement 2010 bis 2019 definiert wurden. Das Tempo könnte jedoch durchaus höher ausfallen, weshalb auch die Europäische Kommission das Land bei der praktischen Umsetzung von EU-konformen Müllkonzepten noch in einem recht frühen Stadium sieht.

Der Länderbericht 2016 der EU zu Serbien mahnt vor allem an, noch konsequenter als bisher wilde und nicht vorschriftsgemäße Mülldeponien zu schließen. Davon gibt es nach wie vor mehrere Hundert über das ganze Land verteilt. Das Abfallkonzept des Landes sieht einen Investitionsbedarf von 800 Millionen Euro vor, unter anderem für die Schließung von solchen wilden Müllkippen. Zudem drängt Brüssel darauf, die Investitionen in Abfalltrennung und -verwertung spürbar hochzufahren, da noch zu viele Wertstoffe auf Deponien landen. Schätzungen zufolge gingen so derzeit Materialien für mehr als 50 Millionen Euro pro Jahr verloren.

Entsprechend bietet der Abfallsektor in nahezu allen Segmenten weiterhin gute Geschäftschancen. So sind etwa Know-how und Ausrüstungen zur Sanierung bestehender und für den Bau neuer, geordneter Deponien gefragt. Das Interesse, Deponiegase als Energiequelle zu nutzen, nimmt zu. Zudem gilt der Bedarf bei modernen Sammelsystemen als hoch.

Vorschriften zunehmend im Einklang mit EU-Regeln

Hinsichtlich der Angleichung nationaler Vorschriften an das sektorale Regelwerk der EU gibt Brüssel Serbien gute Noten. Namentlich erwähnt werden Fortschritte bei der Abfallrahmenrichtlinie sowie den Richtlinien zu Deponien und Industrieemissionen. So trat etwa im Zuge der Übernahme fraglicher EU-Regularien am 1. März 2016 eine umfassende Novellierung des Gesetzes über das Abfallmanagement (Zakon o upravljanju otpadom) in Kraft.

Gut voran kommt das Land zudem im Bereich Verpackungsmüll. Entsprechend der für 2016 festgelegten Zielquoten sollten 36 Prozent des erfassten Verpackungsmülls recycelt werden - erreicht wurden 46,3 Prozent.

Nach wie vor gelangt aber das Gros aller in Serbien anfallenden Industrie- und Siedlungsabfälle auf Deponien. Im Jahr 2016 betrug dieser Anteil 95,8 Prozent; fünf Jahre zuvor waren es 98,2 Prozent gewesen. Angesichts der nur sehr langsamen Verbreitung alternativer Methoden dürfte die Deponierung weiterhin Serbiens Abfallbehandlung bestimmen.

Ein Hauptaugenmerk in der serbischen Abfallpolitik gilt dem in Privathaushalten anfallenden Müll. Hier strebt die Regierung bis 2020 eine Erfassungsquote von etwa 90 Prozent an. Laut Angaben der Agentur für Umweltschutz SEPA waren 2016 circa 82 Prozent erreicht.


Aufkommen an Siedlungsabfällen in Serbien

  2010 2014 2015 2016
Gesamtmenge (in Mio. t) 2,65 2,13 1,84 1,89
Menge des von Entsorgungsbetrieben erfassten und deponierten Mülls (in Mio. t) 1,89 1,67 1,36 1,49
Jährlicher Hausmüll pro Kopf (in t) 0,36 0,30 0,26 0,27

Quelle: SEPA

Zum Sammeln und Entsorgen des Siedlungsmülls setzt das Land in seiner Abfallstrategie, die derzeit an aktuelle Entwicklungen angepasst wird, auf ein Konzept mit gut zwei Dutzend Zweckverbänden. Jeder von diesen soll über eine geordnete Deponie und Sortierkomplexe sowie je nach Bedarf über Müllumladestationen verfügen. SEPA-Angaben zufolge waren bis Ende 2016 landesweit zunächst zehn geordnete Deponien fertiggestellt, drei befanden sich im Bau.

Weitere Vorhaben befinden sich in mehr oder weniger fortgeschrittenen Planungsstadien. Häufig lässt deren praktische Umsetzung auf sich warten, weil es nicht einfach ist, alle kommunalen Akteure auf einen einheitlichen Ansatz einzuschwören. So verfügten laut SEPA zuletzt auch nur 15 der bisher insgesamt 28 ins Leben gerufenen Zweckverbände über einen regionalen Entwicklungsplan für ein modernes Abfallmanagement.

Millioneninvestitionen für neue Deponien nötig

Der Investitionsbedarf für das landesweite Abfallkonzept beläuft sich auf etwa 800 Millionen Euro (in Preisen von 2010). Knapp 620 Millionen Euro davon entfallen auf Siedlungsabfälle. Damit sollen etwa Altdeponien und wilde Müllkippen geschlossen (145 Millionen Euro) sowie neue Deponien, Sortierkomplexe für Verpackungsmüll und Kompostieranlagen (240 Millionen Euro) gebaut werden. Hinzu kommen etwa 235 Millionen Euro für Sammelcontainer, Pressmüllwagen und die Technik für Müllumladestationen.

Wichtige Investitionsprojekte in der Abfallwirtschaft in Serbien (Investitionen in Mio. Euro)
Projekt (Standort) Investitionssumme Projektstand Anmerkungen
Errichtung Abfallwirtschaftszentrum Vinca, unter anderem Großdeponie und Müllheizwerk (Belgrad) 300 Ende August 2017 Zuschlag für Konzession an Konsortium Suez-Itochu (Frankreich/Japan); Vertragsunterzeichnung für Herbst 2017 angekündigt Einzugsgebiet: 1,5 Mio. Einwohner; vorgesehen als PPP; federführend: Bereich für Abfallmanagement (Direktorat za upravljanje otpadom) der Stadtverwaltung Belgrads (http://www.beograd.rs/lat/gradska-vlast/1612882-direkcija-za-upravljanje-otpadom/)
Bau Regionaldeponie Keles mit Müllheizwerk (Nis) 40 Suche nach einem Konzessionär soll nach bereits zwei vergeblichen Anläufen voraussichtlich 2018 erneut gestartet werden Einzugsgebiet: ca. 390.000 Einwohner; geplant als PPP; federführend: RRA Jug (http://rra-jug.rs/jpp-regionalni-centar-za-upravljanje-otpadom-niskog-regiona-keles/)
Errichtung Regionales Abfallwirtschaftszentrum Subotica, unter anderem Regionaldeponie Subotica (Subotica) 32 Im Bau; mehrere Bestandteile bereits in Betrieb, wie etwa drei Müllumladestationen an den Standorten Backa Topola, Senta und Kanjica; Fertigstellung der Deponie geplant bis Ende 2017 Einzugsgebiet: ca. 280.000 Einwohner; Teilfinanzierung durch EU-Mittel; federführend: Regionalna deponija Subotica (http://deponija.rs/)
Bau Regionaldeponie Novi Sad (Novi Sad) 25 Im August 2017 wurde die Consultingfirma Hidrozavod DTD mit der Auswahl möglicher Standorte beauftragt Einzugsgebiet: ca. 510.000 Einwohner; zunächst federführend: Hidrozavod DTD (http://www.hidrozavoddtd.rs/kontakt/)
Bau Regionaldeponie Zrenjanin (Zrenjanin) 19 Machbarkeitsstudie und Planungsunterlagen liegen vor; seit Anfang 2017 läuft Klärung von Grundstücksfragen Einzugsgebiet: ca. 190.000 Einwohner; Teilfinanzierung durch EU-Mittel; zunächst federführend: Stadtverwaltung Zrenjanin (http://www.zrenjanin.rs/1-261-0-0/Contact)
Bau Regionaldeponie mit Müllheizkraftwerk (Kragujevac) k.A. Recyclingzentrum seit März 2017 in Betrieb; Machbarkeitsstudie für Deponie erstellt; Planungsarbeiten im Gang Einzugsgebiet: ca. 270.000 Einwohner; Möglichkeit für PPP und Teilfinanzierung durch EU-Mittel wird geprüft; zunächst federführend: Cistoca Kragujevac (http://www.cistoca.rs/index.php/kontakt)

Quellen: Pressemeldungen; Recherchen von Germany Trade & Invest

Lokale Branchenstruktur

Bereits mehrere ausländische Dienstleister präsent

Über eine lokale Produktion von Ausrüstungen für den Abfallsektor in Serbien liegen kaum Informationen vor. Die Zahl der Unternehmen aus der Kommunal- und Privatwirtschaft mit einer Zulassung für relevante Leistungen lag Mitte September 2017 bei landesweit 2.012. Führend war laut einem von der SEPA geführten Register die Sparte Mülltransport mit 1.090 Lizenzen. Es folgten die Aufgabenfelder Abfallsammlung (951 Einträge), Mülllagerung (839) sowie Behandlung/Sortierung von Abfällen (707). Hinzu kamen 39 Firmen mit Genehmigungen für das Entsorgen und Verwerten von Abfällen.

Im Bereich moderner Abfalllösungen in Serbien sind einige ausländische Unternehmen aktiv. Dazu zählt etwa das Konsortium PWW der österreichischen Firmen PORR Umwelttechnik und Werner & Weber (http://www.put.at/index.php?id=1065) in den Großräumen Leskovac und Jagodina. Dort entstanden zwei Deponien mit modernen Recyclingzentren.

Ebenfalls aus Österreich stammt die Brantner Gruppe (http://www.brantner.com/de/gruppe/standorte-laender/serbien.html ), die in vier Gemeinden der autonomen Region Vojvodina präsent ist. Die spanisch-österreichische FCC Environment (http://www.fcc-group.eu/en/Serbia/Home.html) arbeitet in Kikinda und Lapovo in der Sammlung und Sortierung von kommunalen Abfällen sowie deren Endlagerung auf zwei neu gebauten Deponien.

Vorrangig mit Elektroschrott und dem Metallrecycling beschäftigt sich KEMIS (http://www.kemis.rs), eine Tochter des slowenischen Entsorgers Gorenje Surovina. Die deutsche Scholz Holding ist seit längerem über die Firma CE-ZA-R (http://www.czr.rs) präsent, die landesweit in 15 Niederlassungen Metallabfälle sammelt und recycelt.

Als Spezialist für die fachgerechte Entsorgung medizinischer Abfälle gilt der serbische Ableger des deutschen Umweltdienstleisters REMONDIS Medison (http://remondis.rs/). Die Firma, die zuletzt jährlich rund 300 Tonnen infektiöser Abfälle aus mehr als 1.500 medizinischen Einrichtungen im Land entsorgte, kündigte für 2017 eine Erweiterung der Verarbeitungskapazitäten am Standort Zrenjanin an.

Darüber hinaus widmen sich die von der rumänischen GREEN GROUP initiierte Firma Greentech (http://www.greentech.rs) und die serbisch-österreichische Kooperation ALWAG (http://www.alwag.rs) der Wiederverwertung von PET-Flaschen. Im Bereich Altpapier ist das Unternehmen Papir Servis FHB ein wichtiger Akteur (http://www.papirservis.rs). JUGO-IMPEX (http://www.ereciklaza.com) kümmert sich schwerpunktmäßig um das Recycling großer wie kleiner Elektrohausgeräte und ausrangierter IT-Ausrüstungen.

Für das Erfassen und Verwerten von Verpackungsmüll gab es im September 2017 landesweit sechs Sammelsysteme. Von diesen schlagen Sekopak (http://sekopak.com) und Ekostar Pak (http://www.ekostarpak.rs) die größten Mengen um.

Geschäftspraxis

Meldungen zu Ausschreibungen, in deren Rahmen finanzielle Mittel der öffentlichen Hand zum Einsatz kommen, sind tagesaktuell auf der Internetseite des serbischen Amtes für öffentliches Beschaffungswesen unter http://portal.ujn.gov.rs einsehbar. Zudem veröffentlicht die Delegation der EU in Serbien aktuelle Informationen zu Ausschreibungen und Beschaffungsmaßnahmen (http://www.europa.rs/otvoreni-tenderi/).

Darüber hinaus sind bei Germany Trade & Invest in der Rubrik Entwicklungsprojekte & Ausschreibungen (http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/projekte-ausschreibungen.html) laufend Vorankündigungen zu anstehenden Vorhaben sowie Meldungen über aktuelle Tender zu finden.

Ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht stehen unter http://www.gtai.de/recht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen unter http://www.gtai.de/zoll zur Verfügung.

Internetadressen

 

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest (GTAI) http://www.gtai.de/Serbien Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK Serbien http://serbien.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
German RETech Partnership e.V. http://www.retech-germany.net Netzwerk deutscher Unternehmen und Institutionen der Entsorgungs- und Recyclingbranche zur Exportförderung
Ministerium für Umweltschutz - Abteilung für Abfallmanagement http://www.ekologija.gov.rs/organizacija/sektori/sektor-za-planiranje-i-upravljanje-u-zivotnoj-sredini/odeljenje-za-upravljanje-otpadom/?lang=lat zuständig für Genehmigungsverfahren
Agentur für Umweltschutz http://www.sepa.gov.rs Informationssystem, Monitoring zahlreicher Umweltaspekte
Abfallwirtschaftsverband Serbiens http://www.seswa-srbija.com Interessensvertretung
Recyclingvereinigung Serbiens http://www.reciklerisrbije.com Interessensvertretung
Ecofair http://energetika-ekologija2017.talkb2b.net/en Messe für Umweltthemen (jährlich im Oktober)
Reciklaza http://www.reciklaza.rs Informationsportal zum Thema Recycling
Balkan Green Energy News http://www.balkangreenenergynews.com/category/news/waste Regionales Informationsportal für Umweltthemen

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH

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