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Entscheidende Maßnahmen zur Unterstützung des Kunststoff-Recyclings in Europa erforderlich

Die europäische Kunststoff-Recycling-Industrie ist von der COVID-19-Pandemie schwer betroffen. Sinkende Ölpreise haben zu einem starken Rückgang der Preise für Neuware geführt.

0617 euricObwohl die Kostenstruktur und der Kohlenstoff-Fußabdruck von Neukunststoffen und von Recyclingkunststoffen völlig unterschiedlich ist, konkurrieren sie dennoch zueinander und zwar über die Preise, betont Paul Mayhew, Präsident der EuRIC Plastics' Recycling Branch (EPRB), dem der bvse-Fachverband Kunststoffrecycling angehört.

Der starke Preisverfall und die geringe Nachfrage nach Recyclingkunststoffen gefährden die wirtschaftliche Lebensfähigkeit vieler Kunststoffrecycler. Insbesondere sind von den Marktverwerfungen die Bereiche Verpackung, Automobilbau und Konstruktion oder im Recycling betroffen 1.

Sollte die gegenwärtige Situation andauern, werden die Auswirkungen weitreichend sein - die Ziele des Grünen Deals wie auch des Aktionsplans „Neue Kreislaufwirtschaft“ sind dann gefährdet. Diese Ziele erfordern eine Vergrößerung - und nicht eine Verkleinerung - der europäischen Recyclingkapazität. Außerdem wird die gegenwärtige Situation zum Verlust grüner Arbeitsplätze in den europäischen Mitgliedsstaaten führen.

Die einzige positive Entwicklung findet sich bei Recycling-PET (r-PET) in Lebensmittelqualität. Dank der in der Einweg-Kunststoffrichtlinie festgelegten Zielvorgaben für den Recycling-Gehalt weist r-PET eine stabile Nachfrage und einen stabilen Preis aus. Preis und Nachfrage sind hier unabhängig von den fallenden Öl- und Neuwarenpreisen. Dieser Erfolg beruht darauf, dass sich die Markeninhaber schon jetzt auf die Recyclingziele für PET-Getränkeflaschen für die Jahre 2025 und 2030 vorbereiten.

In der aktuellen Krise ist zu beobachten, dass die Neuwarepreise für Kunststoff von den kurzfristigen Kosteneinsparungen profitieren, die auf den Absturz der Rohölpreise beruhen. Demgegenüber profitieren Kunststoffe bei nachhaltigen Anwendungen; deren Preisgestaltung ist unabhängig von der Krise. Und dies ist der Beweis dafür, dass Ziele für den Einsatz von Recyclingmaterialien in neuen Produkten festgelegt werden müssen, betonte Sophie Sicard, Vizepräsidentin des EPRB.

EuRIC fordert dringende Maßnahmen zur Unterstützung des Kunststoffrecyclings in Europa; dies sind:
•    Die systemische Unterstützung der Kunststoffrecyclingindustrie in den Mitgliedstaaten, insbesondere die Stimulierung der Nachfrage nach recycelten Materialien
•    Pragmatische, verbindliche EU-Zielvorgaben für den Recycling-Gehalt von Kunststoffen, die in Produkten verwendet werden, um die Nachfrage nach Recyclingmaterial zu stimulieren und Investitionen zur Kapazitätserweiterung und Schaffung von Arbeitsplätzen in Europa zu sichern.
•    Anreize, seien sie markt- oder steuerbasiert, um die Preislücke zwischen den Neu- und Recyclingkunststoffen proportional zu den CO2- und Energieeinsparungen, die beim Kunststoffrecycling resultieren, zu schließen.

1 Pressemitteilung der PRE, 27/05/2020, Kunststoffrecycler stellen die Produktion ein:
https://www.plasticsrecyclers.eu/post/plastics-recyclers-cease-production 

Quelle und weitere Informationen: European Recycling Industries' Confederation (EuRIC)

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