Seite ausdrucken

FDP fordert internationale Plastikkonferenz gegen Meeresmüll

Berlin. Die Verschmutzung der Meere durch Plastikabfälle ist sicher nicht in Deutschland zu lösen, aber "das Problem kann uns nicht kalt lassen", findet die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Judith Skudelny von der FDP.

00 Skudelny PortraitJudith Skudelny MdB, umweltpolitische Sprecherin der FDP-BundestagsfraktionPlastik wird in der Regel von Fließgewässern ins Meer getragen. 90 Prozent der Plastikabfälle gelangen durch zehn Flüsse in die Meere. Jangtse, Indus, Gelber Fluss, Hai He, Nil, Ganges, Perlfluss, Amur/Heilong Jiang, Niger und Mekong haben eines gemeinsam: sie fließen durch stark bevölkerte Gebiete mit keinen oder unzureichenden Entsorgungssystemen.

Wer also eine ernsthafte Reduzierung von Plastikmüll anstrebt, muss hier ansetzen. Es kommt darauf an, die Eintragswege von Kunststoff in die Umwelt näher zu betrachten und die Frage zu klären, was die wirtschaftlich entwickelten Länder tun können, um Strukturen so zu verändern, dass Müll gar nicht erst ins Meer gelangt, ist die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion Judith Skudelny überzeugt.

In einem Positionspapier macht Skudelny deshalb einen neuen Vorstoß. Sie will die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen. Schon heute zeigen Pilotprojekte, so heißt es in ihrem Positionspapier, dass es möglich ist, Produkte mittels unterschiedlicher Verfahren - zum Beispiel mittels einer Blockchain - nicht nur zu markieren, sondern auch einen Wert zu geben.

Diese Markierungen können die Inhaltsstoffe der Produkte für ein besseres Recycling darstellen. Sie können aber vor allem auch dem Produkt einen Entsorgungswert zuordnen. Dieser Entsorgungswert wird von den Herstellern hinterlegt. Wenn dieses Produkt oder die Verpackung als Abfall seinen Weg zu einer ordnungsgemäßen Sammelstelle findet, kann das hinterlegte Geld von dort abgerufen werden. So könnten nach den Vorstellungen der FDP professionelle Sammelsysteme auch in Schwellen- und Entwicklungsländern dauerhaft finanziert werden.

"Wünschenswert ist natürlich eine unmittelbar globale Anwendung", erklärt Judith Skudelny. Sie kann sich aber auch vorstellen, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung den Anfang macht. Die Digitalisierung der Entsorgungswirtschaft wäre ein großer qualitativer Fortschritt für das Recycling in Deutschland. Stoffströme könnten besser getrennt werden, die Qualität des Recyclings würde sich deutlich erhöhen.

Um Schwellen- und Entwicklungsländer bei der Etablierung von Müllsammel- und Sortiersystemen zu unterstützen, technisches Know-how auszutauschen und finanzielle Mittel gegebenenfalls zu Verfügung zu stellen, müssen aber alle Länder, die relevanten NGOs und Wissenschaftler an einen Tisch zusammengebracht werden.

Ähnlich der Weltklimakonferenz, so wird in dem Positionspapier gefordert, sollte daher eine internationale Plastikkonferenz einberufen werden, mit dem Ziel, ein international verbindliches Meeresschutzabkommen abzuschließen, das die Eintrittswege von Plastik in die Umwelt ins Zentrum der Diskussion stellt. "Dafür ist jetzt der richtige Zeitpunkt", findet die umweltpolitische Sprecherin der FDP, Judith Skudelny, und verweist auf das wachsende Umweltbewusstseins Chinas (Blue Sky, National Sword, Green Fence) und der daraus folgenden deutlichen Reduzierung der Müllexporte nach China und der öffentlichen Debatte um Plastikmüll in den Ozeanen.