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Neue Impulse für die Polystyrol-Verwertung

Das Unternehmen Vogt-Plastic gehört in Deutschland zu den führenden Polystyrol-Recyclern. Nach den Irritationen, die durch die Diskussion um flammgeschütztes Styropor aufgeflammt ist, hält Firmenchef Andreas Vogt dagegen und weist im Interview mit bvse.de auf die hervorragenden Materialeigenschaften von Polystyrol in all seinen Formen hin.

00 vogtVogt-Plastic sieht sich als Pionier im Bereich Kunststoffrecycling. Was heißt das für Sie und ihre Mitarbeiter im praktischen Unternehmensalltag?

Andreas Vogt: Das Unternehmen ist bereits 1978 von meinem Vater gegründet worden. Er hat damals in seiner Garage angefangen und begann zunächst mit der Herstellung von technischen Kunststoffteilen und PVC-Profilen. Bereits 1987 begannen wir mit dem Recycling von gebrauchten Joghurtbechern aus PS und PP, vier Jahre vor der Verpackungsverordnung. Was aber geblieben ist und was uns auszeichnet, ist unsere Tüftler- und Anpackmentalität. Das Vorbild für unsere Produkte ist die Neuware. Wir begnügen uns nicht mit dem heutigen Qualitätsniveau, wir wollen dass unsere Regranulate der Neuware immer ähnlicher werden.

In welchen Bereichen ist die Vogt-Plastic engagiert?

Andreas Vogt: Wir stellen  aus gemischten und verschmutzten Kunststoffverpackungen sortenreine Regranulate her, die neuen Kunststoff ersetzen. Granulate aus Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS) und Polyolefin (PO) sind gefragte Rohstoffe für die Herstellung vieler Alltagsgegenstände.

Polystyrol ist das Stichwort. Sie brechen eine Lanze für diesen Werkstoff. Warum?

Andreas Vogt: Weil Polystyrol in all seinen Formen ein unverzichtbarer und vielseitiger Kunststoff ist, der außerdem hervorragend verarbeitet und recycelt werden kann. Polystyrol hat Materialeigenschaften, die im Bereich Spritzguss besondere Anwendungen ermöglichen. Darüber hinaus eignet es sich hervorragend zum Tiefziehen. Gerade wenn es um komplexe und passgenaue Formteile geht, hat Polystyrol aufgrund seines geringen und berechenbaren Schwindverhaltens große Vorteile. Jedoch haben der große Kostendruck und die niedrige Quotenvorgaben der Vergangenheit in den letzten Jahren dazu geführt dass einige PS-Recycler sich umorientiert haben.

Wie sieht der Verarbeitungsprozess nach der Erfassung der Polystyrol-Mengen aus?

Andreas Vogt: Die Erfassung erfolgt durch den gelben Sack. Es wird in Sortieranlagen analog zu PE und PP aussortiert und zu Ballen gepresst. In Verwertungsanlagen in Deutschland und Europa erfolgt die Herstellung hochwertige Regranulate und Compounds, die in der kunststoffverarbeitenden Industrie eingesetzt werden. Die Verwertung von PS ist etwas aufwändiger als die von PE und PP, da man eine zweite Dichtetrennstufe und ein Trennmedium von erhöhter Dichte benötigt. Es handelt sich aber nicht  um eine technische Herausforderung, vielmehr es ist Stand der Technik, die Industrie bietet solche Anlagen an.

Können Sie noch einige Anwendungsbeispiele für PS-Regranulat nennen?

Andreas Vogt: Das Polystyrol findet heute hauptsächlich Anwendung in der Automobil- und Möbelindustrie. Aber auch als Kleiderbügel, Unterputzdosen für elektrische Bedienelemente oder zur Herstellung von Spulen und Trommeln entfaltet der Werkstoff wirkungsvoll sein zweites oder weiteres Leben.

Das heißt mehrmaliges Recycling ist kein Problem?

Andreas Vogt: Das Besondere am Polystyrol-Recycling ist, dass diese langlebigen Gebrauchsgegenstände sich am Ende ihrer Nutzungsphase problemlos für ein nochmaliges Recycling eignen. Das ist aktiver Ressourcen- und Klimaschutz.

Das neue Verpackungsgesetz sieht deutlich höhere Recyclingquoten vor. Kann hier das Polystyrol-Recycling einen Beitrag leisten?

Andreas Vogt: Davon sind wir überzeugt. Ein großes und bisher nur teilweise genutztes Recyclingpotenzial von Standard- und HI-Polystyrol in Deutschland liegt in den gesammelten aber noch nicht konsequent sortierten und verwerteten Leichtverpackungen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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