Rückblick zum Branchenforum 2012

Zufriedene Teilnehmer konnte der bvse am 24.10.2012 anlässlich seines Branchenforums in Stuttgart verabschieden. Das straff organisierte Programm hielt Fachvorträge zu allen aktuellen, die Schrottwirtschaft betreffenden Themen bereit. Die ausgezeichneten Referenten lieferten viele Antworten auf Fragen, die die Branche bewegen. Klaus Hennemann, Vorstandsmitglied im bvse-FV Schrott, E-Schrott, Kfz-Recycling, stellte jeweils die Referenten vor und führte durchs Programm.
§ 18 Kreislaufwirtschaftsgesetz
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| Prof. Dr. Beckmann |
In seinem Eröffnungsvortrag nahm Prof. Dr. Martin Beckmann von Baumeister Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft, Münster, zu dem in Deutschland zwischen öffentlichen Entsorgern und der Privatwirtschaft sehr kontrovers diskutierten Thema der gewerblichen Sammlung gem. § 18 KrWG deutlich Stellung. Er wies nachdrücklich darauf hin, dass die gewerblichen Sammler solange der Behördenwillkür und deren Auslegung des Gesetzestextes ausgeliefert sein werden, bis entsprechende Verwaltungsgerichtsurteile ergangen sind. Er erläuterte nochmals die kritischen Stellen des KrWG, die er bereits in seinem für den bvse erstellten Gutachten herausgearbeitet hatte. Die vom Gesetzgeber bewusste Bevorzugung der öffentlichen Hand scheint eine Verdrängung auf Kosten der seit Jahrzehnten von der Privatwirtschaft geschaffenen Sammel- und Verwertungsstrukturen zu ermöglichen. Dagegen heißt es sich zur Wehr zu setzen. Für ihn ist durch das Altpapierurteil von 2009 rechtlich belegt, dass der Verkauf eines Wertstoffs durch den Eigentümer keine Entledigung darstellt und damit von den Vorschriften des KrWG unberührt bleibt. Die Annahme von Metallschrotten auf eigenen Plätzen ist für Prof. Beckmann keine Sammlung im Sinne des KrWG.
Darüber hinaus führte er aus, dass die Vorschriften des § 18 eindeutig zu weit gingen. So entscheidet in der Regel diejenige Behörde über die Genehmigung einer Anzeige gem. § 18, die auch gleichzeitig als Konkurrent um die Sammlung der Metallschrotte auftritt. Vom Sammler wird die Offenlegung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen sowie die Weitergabe von unternehmenseigenem Know-how verlangt. Derjenige, der über die gestellte Anzeige entscheidet, hat so direkt einen Überblick über die Marktfunktionen, um dann auf der Grundlage sicherer Abfallgebühreneinnahme die Privaten zu verdrängen. Prof. Beckmann hält diesen Sachverhalt mit europäischem Recht für nicht vereinbar. Leider hat der Gesetzgeber die Position der Privatwirtschaft verschlechtert und sie muss nun über entsprechende Urteile versuchen, ihre Stellung zu stärken. Er wies dennoch auf einige Punkte im Bereich der Regelungen zur gewerblichen Sammlung hin, aus denen die Schrottwirtschaft Vorteile ziehen kann.
Elektrostahlwerke
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| Dr. Henning Schliephake |
Gewinner haben Pläne, Verlierer haben Ausreden! Mit diesem Motto gab Dr. Henning Schliephake, Geschäftsführer Technik der Georgsmarienhütte GmbH in Osnabrück, seinem Vortrag über die Zukunft der Elektrostahlproduktion in Deutschland eine besondere Note. Er stellte die Herausforderungen eines Elektrostahlwerks vor, mit denen sich der Betreiber auseinandersetzen muss, um im Markt bestehen zu können. Da die Georgsmarienhütte einen großen Teil ihrer Fertigung für die Automobilindustrie leistet, spielen Elektromobilität oder der Leichtbau im PKW für das Produktionsprogramm eine besondere Rolle. Steigende Anforderungen durch die Umwelt- und Energiepolitik des Gesetzgebers müssen zudem bewältigt werden, worunter die Produktivität nicht leiden darf, gleichzeitig müssen alle Maßnahmen bezahlbar bleiben. Bei der Georgsmarienhütte hat man sich entschieden, Energiemanagement „zu leben“ und das Ziel des Zero Waste wird in die gesamte Produktionskette schrittweise umgesetzt. Zur Zielerreichung spielt der Rohstoff Schrott eine wichtige Rolle. Über ihn können zum Beispiel die CO2-Emissionen des Elektroofens im Vergleich zur klassischen Rohstahlerzeugung über Roheisen niedrig gehalten werden. Weitere Anstrengungen werden unternommen, um auch in diesem Bereich zusätzliche Verbesserungen durchzusetzen.
Kritisch sieht Dr. Schliephake die anstehende Ersatzbaustoffverordnung (EBV) und die Verordnung zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV). Die durch den Stahlerzeugungsprozess anfallende Schlacke war bisher ein wichtiger Sekundärrohstoff, der primäre Rohstoffe ersetzt hat. Durch die anstehenden Änderungen der Verordnungen sieht er diese Anwendungsmöglichkeiten stark gefährdet. Im Endeffekt wird die Umwelt belastet und dem Stahlstandort Deutschland geschadet. In seinem Fazit wies Dr. Schliephake darauf hin, dass sich die Schrottwirtschaft wenig Sorgen machen müsse. Schrott werde auch in der Zukunft gebraucht, möglicherweise jedoch nicht mehr in dem Maße wie bisher in Deutschland. Die Zukunft der Elektrostahlproduktion liege im Moment in den Schwellenländern, dem Nahen Osten und der Türkei, während Europa unter Überkapazitäten leide. Die für den Automobilbau entwickelten Stähle werden zudem eine noch detailliertere getrennte Erfassung notwendig machen, damit der Schrott auch dorthin zurückgeführt werden kann, wo man ihn sinnvoll einsetzen kann. Zumal diese Sorte unter anderem hohe Mangananteile haben.
Gießereirohstoff
Der Vortrag von Prof. Dr. Rüdiger Deike von der Universität Duisburg-Essen über die Gussproduktion und die Anforderungen an die Schrottbeschaffung fand bei den Teilnehmern ungeteilte Aufmerksamkeit. Prof. Deike verstand es zum Beispiel, die Unterschiede zwischen Gusseisen mit Lamellen-, Vermicular und Kugelgraphit in sehr anschaulicher Weise darzustellen. Durch seine Ausführungen wurde den Zuhörern klar, welche hohen Anforderungen an die Einsatzstoffe bei der Gusseisenerzeugung gestellt werden müssen, um den Abnehmern die gewünschten und zugesagten Eigenschaften garantieren zu können. Der Schrott konnte im Laufe der Jahre dem Roheisen den Rang als wichtigstem Einsatzstoff abgelaufen; aber der Hersteller muss für sein herzustellendes Produkt die genaue Zusammensetzung des Schrotts kennen. Da sich die Anforderungen der Abnehmer an das Produkt sehr schnell ändern können, verlangt der Gießer vom Schrottlieferanten die Flexibilität bei der Belieferung mit den gewünschten Schrottqualitäten. Die Anforderungen hinsichtlich garantierter Spezifikationen werden in Zukunft mit Sicherheit zunehmen. Nur wenn es den Schrottlieferanten gelingt, sich hierauf einzustellen, sieht Prof. Deike keinerlei Probleme für weiterhin gute und dauerhafte Geschäftsbeziehungen. Er wies in seinem Vortrag nochmals ausdrücklich darauf hin, dass in Zukunft verstärkt manganarme und entzinkte Schrotte gefragt sein werden. Entzinkungsverfahren sowohl für Neu- als auch für Altschrotte rücken daher stärker in den Fokus der Forschung. Hier sollte die mittelständische Schrottwirtschaft einen Fuß in der Tür behalten.
Konzepte
In der zweiten Staffel des Branchenforums hatten die Schrottmarktpraktiker das Wort. Frau Bettina Schuler-Kargoll, Geschäftsführerin der Schuler-Rohstoff GmbH in Deißlingen, sprach einigen Anwesenden aus dem Herzen, als sie die unterschiedlichen Schrottbe-schaffungskonzepte der Stahlwerke im Inland und der EU sowie den daraus resultierenden Umgang mit den Lieferanten beschrieb. Die verschiedenen Einkaufskonzepte der Werke erfordern insbesondere bei denjenigen, die als Direktlieferanten tätig sind oder es werden wollen, ein hohes Maß an Flexibilität. Es müssen außerdem bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, die oftmals schwer zu erreichen sind. Sie stellte fest, dass im Laufe der Jahre der Wettbewerb abgenommen hat, die Verhandlungen langwieriger, die Qualitätsanforderungen schärfer und vor allem die Zahlungsziele länger sowie die Zahlungsmoral der Abnehmer schlechter geworden ist. Der Export über Container kann daher zu einem wichtigen Teil des Lieferkonzeptes eines Schrotthandelsbetriebes werden.
Handelsströme
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| Heribert Schamong |
Aus der Sicht eines seit vielen Jahren im weltweiten Handel tätigen Experten berichtete Herr Heribert Schamong von der Schamong GmbH & Co. KG in Köln, über die Entwicklung der internationalen Schrottströme. Heute für eigene Rechnung tätig, handelte er viele Jahre im Auftrag einige große Player des internationalen Marktes. Herr Schamong sieht in der Zunahme der internationalen Schrottexporte von 9,3 Mio. Tonnen im Jahre 1990 auf 94,7 Mio. Tonnen in 2010 ein deutliches Zeichen für die globalen Bewegungen. So begann mit der Installation der Elektroöfen in Europa seit den 90-er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein zunehmend reger Schrotthandel innerhalb Europas. Mit der Entwicklung der Türkei zum weltgrößten Schrottverbraucher bekam der Exporthandel einen weiteren wichtigen Impuls, Indien und Asien folgten. So lag der Preis 2003 für die gängige Exportsorte bei US-$ 130 – 140 pro Tonne, während heute über Preise von rund US-$ 400 pro Tonne gesprochen wird. Dies blieb nicht ohne Folgen für die Schrottmarktbeteiligten. Während früher der Marktinstinkt für den Erfolg entscheidend war, ist heute an seine Stelle die Angst getreten, zu früh, zu teuer oder überhaupt zu verkaufen. Der Handel muss sich auf eine Belieferung just in time einstellen, da gerade die Baustahlhersteller immer kurzfristiger auf ihre Abnehmer reagieren müssen und diesen Druck weitergeben. Vor allem die türkischen Stahlwerke halten ihre Bestände oft am Limit. Das daraus resultierende Auf und Ab des Marktes verhindert eine verlässliche Planung und erfordert ein sehr kurzfristiges Denken und Handeln. In der Branche steigt der Unsicherheitsfaktor und sowohl die Finanzierung als auch die Beschaffung der Exportmengen werden schwieriger. Gleichzeitig fördert diese Entwicklung die Konzentration in der Branche, wodurch vorhandene Strukturen vernichtet werden. Hoffnung verbreitete Herr Schamong dennoch mit seinen Schlussworten, dass Schrott flüssiger als Wasser sei und der liebe Gott keinen Schrotthändler untergehen lasse.
Containerexport
Der weltweite Schrottverkauf und die guten Absatzmöglichkeiten in Drittländer sind die eine Seite der Medaille, der Transport ist dann die andere. Hierbei gilt es klare Regeln einzuhalten. Herr Tilman Baehr von der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt gab seine Praxiserfahrungen über die gesetzlichen Möglichkeiten und Grenzen beim Containerexport von Metallschrotten nach Indien und Asien kurz und knapp weiter. Sein Parcours durch die Vorschriften machte noch einmal deutlich, dass es sich trotz der weltweiten Bedeutung des Schrotts als Industrierohstoff aus Sicht des Gesetzgebers um einen Abfall handelt. Herr Baehr wies darauf hin, dass er durchaus Verständnis für die Situation der Schrottwirtschaft habe. Sie gehe mit einem sehr werthaltigen, weltweit gefragten Stoffstrom um, während er als Behördensicht auf die Einhaltung der abfallrechtlichen Vorschriften bestehen müsse, die möglicherweise den Handel belasteten. Hier sei gegenseitiges Verständnis unbedingt vonnöten, um vertrauensvoll miteinander arbeiten zu können.
Rückblicke und Informationen zum 11. Elektro(nik)-Altgerätetag am 25.10.2012 finden Sie hier zum Download:
Elektro(nik)-Altgeräte: Ökologische Rückschritte beheben und Erfassung ausbauen
E-Schrott-Sammlung: Rücknahmesysteme müssen einfach und bürgernah sein
Hinweis
Den Teilnehmern der Veranstaltung senden wir in Kürze eine CD-Rom mit den Vorträgen des Branchenforum und des Elektroaltgerätetages zu. Interessenten, die nicht teilgenommen haben, können die CD-Rom kaufen. Für Mitglieder kostet sie € 90 pro CD und für Nichtmitgliedern € 150 pro CD.
Ihre Bestellung senden Sie bitte an presseinfo@bvse.de.










