Abfallaufkommen der Haushalte und Gebühren sind stabil auf niedrigem Niveau

Umweltministerin Tanja Gönner stellt die Abfallbilanz 2009 für Baden-Württemberg vor

Stuttgart. Zum 21. Mal hat das Umwelt- und Verkehrsministerium die Abfallbilanz für Baden-Württemberg vorgelegt. Das umfangreiche Zahlenwerk informiert über wesentliche abfallwirtschaftliche Kennzahlen aller Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg und gibt darüber hinaus einen Überblick über wichtige abfallrechtliche und abfalltechnische Entwicklungen.

"Mit den Bilanzen stellt das Land eine bundesweit vorbildliche Datensammlung über aktuelle Entwicklungen in der Abfallwirtschaft zur Verfügung. Die neue Bilanz für das Jahr 2009 belegt das weiterhin hohe Leistungsniveau der Abfallwirtschaft im Land", erklärte die Umweltministerin am 7. August 2010 in Stuttgart.

Vierköpfige Familie zahlte 156,41 Euro Abfallgebühren:
Mit 146 Kilogramm Haus- und Sperrmüll pro Einwohner habe sich das Abfallaufkommen der Haushalte auf einem niedrigen Niveau eingependelt, erläuterte Gönner. In den Vorjahren 2007 und 2008 fielen 143 Kilogramm pro Einwohner an. Das auch im bundesweiten Vergleich niedrige Abfallaufkommen gehe auf eine in den vergangenen 20 Jahren von den Stadt- und Landkreisen optimierte örtliche Abfallwirtschaft zurück.

Die Sortierung der Abfälle in den Haushalten ermögliche eine getrennte Erfassung und eine in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbesserte Wiederverwertung. "Die Wiederverwertung von Abfällen senkt die Abfallmengen und schont natürliche Ressourcen und die Umwelt."

Abfallbehandlung auf hohem Niveau auch in der Zukunft sichergestellt:

Erfreulich sei, dass die verfügbaren Kapazitäten zur Abfallbehandlung weitgehend mit dem Abfallaufkommen übereinstimmten. "Die Müllverbrennungsanlagen und Behandlungsanlagen können weitgehend den im Land anfallenden Müll aufnehmen. Die Abfallwirtschaft im Land ist also im Lot", so Gönner. Eine weitere Festigung der Entsorgungssicherheit sei in diesem Jahr durch den Bau eines neuen Kessels im Müllheizkraftwerk Mannheim erreicht worden. Damit sei gewährleistet, dass auch künftig in Baden-Württemberg anfallende Siedlungsabfälle im Land umweltgerecht beseitigt werden. Ausnahmen blieben die vom Ministerium erteilten befristeten Erlaubnisse zur thermischen Verwertung von Siedlungsabfällen außerhalb Baden-Württembergs, wie eine Erlaubnis zur Verbrennung in der Kehrichtverbrennungsanlage Zürich ab 2011. Diese Ausnahmen würden in nächsten Jahren immer weniger erforderlich werden.

Bioabfälle als klimafreundliche Energiequelle nutzen:

Die Abfallwirtschaft im Land sei trotz des erreichten hohen Niveaus weiter in Bewegung, so Gönner. "Die Schritte weiterer Veränderungen werden kleiner. Es gibt aber durchaus Bereiche, die noch Verbesserungspotenziale aufweisen."

So sei insbesondere die getrennte Erfassung von Bioabfällen noch ausbaufähig. "Durch die getrennte Erfassung kann aus den Bioabfällen klimafreundlich Energie erzeugt werden", so Gönner. "Die eingesammelten Bioabfallmengen konnten zwar immerhin um ein Kilogramm auf 42 Kilogramm pro Einwohner gesteigert werden. Noch immer aber wird nur in 33 der insgesamt 44 Stadt- und Landkreise eine gesonderte Biotonne aufgestellt." Es gebe jedoch auch einen Lichtblick. So zeige das intensive Werben des Ministeriums Wirkung. In zahlreichen Kommunen werde die Einführung einer Biotonne ernsthaft diskutiert. "Das ist auf gutem Weg", so Gönner .

Weiterentwicklung der Abfallwirtschaft:

Der in den vergangenen beiden Jahrzehnten eingeschlagene Weg einer stetigen Steigerung von Recyclingquoten muss außerdem konsequent weiter vorange-bracht werden, sagte Gönner. "Abfälle sind eine wertvolle Ressource. Immer mehr Rohstoffe werden knapp." Dazu zählten Ausgangsstoffe für Elektronikprodukte wie Kobalt, das zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien gebraucht werde oder Neodym, das bei Elektroantrieben als starke Dauermagnete Anwendung finde.

"Es muss gelingen, die in Abfällen enthaltenen Wertstoffe weitgehend als Ausgangsstoffe für neue Produkte zurück zu gewinnen", so Gönner. Auch über die neue europäische Rahmengesetzgebung werde die Abfallwirtschaft zu einer zunehmend geschlossenen Kreislaufwirtschaft weiter entwickelt.

Umweltministerin Gönner sprach sich deshalb für eine baldige Einführung einer Wertstofftonne aus. Bei der Wertstofftonne sortierten Verbraucher dann nicht mehr nach Verpackungsabfällen, die bislang im gelben Sack landeten und Nicht-Verpackungen, die als Restmüll zu entsorgen sind.

"Plastik-Kinderspielzeug, CD-Hüllen oder Plastikmappen sind es genauso wert, wieder verwertet zu werden wie stoffgleiche Verpackungen." Nach der derzeitigen Rechtslage würden solche Abfälle als "Fehlwürfe im gelben Sack" gewertet. "Plastik ist gleich Plastik und gehört wiederverwertet", so Gönner. "Die Wertstofftonne macht ökologisch Sinn, weil heute noch große Wertstoffmengen über den Restmüll in Müllverbrennungsanlagen ankommen."

Es rechnet sich auch wirtschaftlich, wenn im rohstoffarmen Deutschland solche Wertstoffe gewonnen würden. Schätzungen zu Folge könnten von den in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr angefallenen 146 Kilogramm pro Einwohner Restabfällen weitere sechs bis acht Kilogramm einer Wiederverwertung zugeführt werden. "In der Summe sind das jährlich landesweit 60 bis 80 Millionen Kilogramm verwertbare Abfälle." Bereits ab 2015 sei außerdem europaweit eine getrennte Sammlung von Papier, Metall, Kunststoff und Glas vorgeschrieben, so Gönner. "Deutschland kann mit der Einführung einer Wertstofftonne Vorbild für Europa werden."

Die Abfallbilanz 2009 kann hier heruntergeladen werden.

 

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