Was wir tun
Die rund 100 Mitglieder im Fachverband Textilrecycling sind kompetente Fachbetriebe mit Sach- und Fachverstand, die gebrauchte Textilien erfassen, sortieren und verwerten. Traditionell finden Altkleidersammlungen in enger Kooperation mit karitativen und kirchlichen Organisationen statt, die für eine fachgerechte Verwertung aus logistischen und organisatorischen Gründen auf professionelle Recyclingunternehmen zurückgreifen. Zur erfassten Ware gehören beispielsweise Bekleidung, Schuhe, Tisch- und Haushaltswäsche.

Professionelle Altkleidersortierung
In den Fachbetrieben werden die Alttextilien in modernen Sortieranlagen per Hand nach Sorten, Artikeln und Qualitäten sortiert. Geübte Sortierer und Sortiererinnen erfühlen mit den Händen die Zusammensetzung der Stoffe und sortieren diese in bis zu 250 Fraktionen. Fast die Hälfte der Sammelware kann als Secondhand-Kleidung wiederverwendet werden. Ein geringer Teil davon kann an Secondhand-Läden verkauft werden. Wohlfahrtsorganisationen lagern einen Teil der tragfähigen Textilien ein, aber auch kirchliche und karitative Organisationen bestücken aus den Sammlungen ihre Kleiderkammern. Jedoch ist der Bedarf viel geringer als das Sammelaufkommen.
Die national nicht benötigten Mengen werden exportiert, insbesondere nach Osteuropa und in Entwicklungsländer in Asien und Afrika. Was nicht mehr wiederverwendet werden kann, wird fachgerecht weiterverwendet wie beispielsweise zur Putzlappenherstellung oder auch weiterverwertet als Recyclingmaterial, beispielsweise als Dämmstoff.
Der Fachverband Textilrecycling setzt sich für faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Markt für Alttextilien ein und steht für eine fachgerechte und transparente Sammlung, Sortierung und Verwertung. Die Mitgliedsunternehmen bekennen sich zu den Leitlinien für das Textilrecycling des Fachverbands.
Der Fachverband Textilrecycling (FTR) wurde bereits 1948 gegründet. 1999 hat der bvse die Fachvereinigung Textilrecycling ins Leben gerufen. 2011 ist der FTR im bvse-Fachverband Textilrecycling aufgegangen.
Wem wir nützen: Textilrecycling ist sozial, ökologisch und ökonomisch sinnvoll
Die Wiederverwendung von Textilien und Bekleidung ist die reinste Form des Recyclings. In den Herkunfts- und Empfängerländern bringt der Handel mit Gebrauchtkleidung soziale, ökologische und ökonomische Vorteile. Der Handel und Export von Alttextilien ist deshalb sinnvoll und alternativlos.
Schutz von Umwelt und Ressourcen
Die Textilrecycler setzten den Gedanken der Kreislaufwirtschaft erfolgreich um: Die Vermeidung und Verwertung von Abfällen hat Priorität vor der Beseitigung, denn der größte Teil der Textilien wird entweder weiter getragen, in der Putzlappenherstellung verwendet oder fließt als Recyclingfaser in andere Produkte ein.
Die Wiederverwendung von Kleidung spart im Vergleich zur Primärproduktion Ressourcen ein. Der Anbau von Baumwolle als Rohstoff für die Textilindustrie ist sehr wasserintensiv. Eine Studie aus Großbritannien zeigt, dass durch den Wiedereinsatz eines T-Shirts drei Kilogramm CO2 eingespart werden können. Darüber hinaus benötigen die Baumwoll-Monokulturen oft einen hohen Pestizid-Einsatz. Daher ist die Sammlung von gebrauchten Textilien und deren Weiterverwendung alternativlos und sinnvoll.
Versorgung mit bezahlbarer, modischer und guter Kleidung
Durch die Wiederverwendung von Textilien und Bekleidung kann ein weltweiter Bedarf gedeckt werden. 70 Prozent der Weltbevölkerung sind auf gebrauchte Kleidung angewiesen. Insbesondere in ländlichen Regionen Afrikas hat die Versorgung mit Secondhand-Kleidung für die Bevölkerung als Möglichkeit günstige Textilien zu kaufen eine große Bedeutung.
In Medienberichten wird immer wieder behauptet, der Export von Altkleidern sei für den Niedergang der afrikanischen Textilindustrie verantwortlich. Die Situation der lokalen Textilproduktion ist jedoch eine multikausale Problematik, die hauptsächlich auf wirtschafts- und handelspolitischen Problemen beruht. Darüber hinaus haben asiatische Textilhersteller die Märkte mit billiger Kleidung überschwemmt. Es ist zweifelhaft, dass eine eigene Textilindustrie in den Entwicklungsländern die Menschen versorgen könnte. Denn die Preise wären für die meisten Menschen viel zu hoch. Secondhand-Kleidung ist dagegen erschwinglich, qualitativ hochwertig und oftmals aktuell und modisch.

Im Gegensatz zu Billigimporten aus Asien besteht Secondhand-Kleidung darüber hinaus größtenteils aus Baumwolle und nicht aus Kunstfasern. Dies hat sowohl qualitative als auch hygienische Vorteile.
Impulse für den Arbeitsmarkt in Deutschland und in den Käuferländern
Für deutsche Textilrecycling-Firmen arbeiten mehrere Tausend Menschen. Als einer der wenigen Wirtschaftszweige bieten die Unternehmen des Textilrecyclings mit ihren aufwändigen Sortierprozessen auch Arbeitnehmern ohne Ausbildung oder mit geringer Qualifikation eine Perspektive.
Die große Nachfrage nach moderner und hochwertiger Secondhand-Kleidung zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis hat auch in den Käuferländern viele neue Verdienstmöglichkeiten geschaffen. Tausende Menschen bestreiten ihren Lebensunterhalt mit dem Handel von Altkleidern sowie der Reparatur und Aufarbeitung von Kleidungsstücken auf die länderspezifischen Bedürfnisse.

Sortierung ist Handarbeit
Finanzierung karitativer und kirchlicher Projekte: Aus Sachspende wird Geldspende
Die Erfassung, Aufbereitung, Sortierung und Vermarktung der Gebrauchtkleider ist personal- und kostenintensiv. Kirchliche und soziale Einrichtungen können dies in der Regel selbst nicht leisten. Deshalb setzen sie auf die professionelle Unterstützung der Textilrecycler. Durch die Vermarktung der Textilien wird die Sachspende in finanzielle Hilfe umgewandelt. Somit können sich diese Organisationen auf ihre Kerntätigkeit konzentrieren und die erwirtschafteten finanziellen Mittel für ihre gemeinnützigen Projekte verwenden.
Kostenfreie und bequeme Entsorgung für die Bürger
Das dichte Netz an Sammelcontainern für Alttextilien ermöglicht den Bürgern, ihre Alttextilien kostenfrei abzugeben. Oft wird vergessen, dass man beispielsweise für die Entsorgung des Verpackungsmülls schon beim Einkauf zahlt, in Form eines Preisaufschlags. Auch für die Entsorgung des Hausmülls werden Gebühren fällig.
Bei Alttextilien ist das anders: Zwar ist auch hier der Verwertungsprozess kostenintensiv. Mit den Erträgen aus der Weiterverwendung der Altkleider werden jedoch die Kosten für Verwertung und Beseitigung quersubventioniert. Um den hohen Standard des Textilrecyclings und die kostenfreie Abgabe für die Verbraucher aufrecht zu erhalten, ist die Branche darauf angewiesen, ihre Produkte auf den Weltmärkten zu platzieren. Ohne die Textilrecyclingwirtschaft müssten die Altkleider beispielsweise über den Hausmüll entsorgt werden, der wiederum in der Müllverbrennung landet. Das wäre für die Bürger mit zusätzlichen Kosten verbunden und auch umweltpolitisch falsch, denn so würden wertvolle Ressourcen vernichtet.
Wofür wir eintreten
Textilrecycling ist umweltpolitisch unverzichtbar, sozialpolitisch erforderlich und ökonomisch sinnvoll. Die Unternehmen der Branche leisten dazu den entscheidenden Beitrag. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die heutigen Standards des deutschen Textilrecyclingsystems erhalten bleiben, die Rahmen- und Wettbewerbsbedingungen verbessert werden und sich das Textilrecycling auch national weiter etabliert.
Bekämpfung illegaler Containeraufstellung
Immer häufiger werden Sammelcontainer ohne Genehmigung in Städten und Gemeinden aufgestellt. Wie die gesammelten Textilien verwertet werden und ob dabei die gesetzlichen Anforderungen beachtet werden, ist für niemanden nachvollziehbar. Wenn die illegalen Container abgeholt werden, bleiben unbrauchbare Textilien und Abfälle oft einfach am Stellplatz zurück oder werden in legale Container eingeworfen.
Die Folgen illegal aufgestellter Container sind gravierend: Den fach- und sachgerecht arbeitenden Sammlern, die den ordentlichen Genehmigungsweg einhalten sowie eine schadlose Sammlung und Verwertung gewährleisten, wird der Zustrom an verwertbaren Materialien abgegraben. Damit gehen nicht nur den gewerblichen Sammlern, sondern auch den gemeinnützigen Organisationen brauchbare Alttextilien verloren.
Der bvse-Fachverband Textilrecycling fordert von den Kommunen, strenger auf die Einhaltung der Genehmigungsverfahren zu achten und bei illegalen Containern auf öffentlichen Grundstücken einzuschreiten sowie schneller und effizienter zu handeln. Darüber hinaus bietet der Fachverband den Kommunen an, gemeinsam Konzepte für eine fachgerechte Alttextilsammlung zu erarbeiten.
Die Herauslösung der Altbekleidung aus dem Abfallbegriff
Nach europäischem und deutschem Abfallrecht werden sowohl im Container als auch durch Straßensammlungen gesammelte Altkleider bis nach der Sortierung in Sortierbetrieben als „Abfall“ definiert. Der rechtliche Status „Abfall“ wird von vielen Textilrecylern als Wettbewerbshindernis empfunden, das ihre Möglichkeiten einschränkt. Damit verbunden sind zum Beispiel Exportverbote, Notifizierungsverfahren und der Wegfall von Präferenzvergünstigungen.
Der Fachverband Textilrecycling ist der Auffassung, dass es sich bei Altkleidern nicht um Abfall handelt. Wer heute seine Gebrauchtkleidung abgibt, will in erster Linie die Arbeit kirchlicher und karitativer Einrichtungen unterstützen und sich umweltgerecht verhalten, indem die Gebrauchtbekleidung weiter getragen werden kann. Textilien, die mit dieser Absicht abgegeben werden, können kein Abfall sein.
Der Fachverband Textilrecycling setzt sich bei den zuständigen deutschen und europäischen Stellen dafür ein, dass Altkleider grundsätzlich nicht als Abfall zu behandeln sind.
Informationsangebot für Bürgerinnen und Bürger
Der Fachverband Textilrecycling möchte das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger dafür stärken, dass gebrauchte Bekleidung, Schuhe und Haustextilien wichtige Wertstoffe sind, die nicht in die Restmülltonne gehören, wenn sie noch tragbar und für eine Wiederverwendung geeignet sind.
Dazu gehört auch Transparenz bei der Sammlung. Seriöse Textilrecycler geben ihre Kontaktdaten auf den Containern an und sind erreichbar. Telefonisch oder im Internet können die Bürger erfahren, was mit den Altkleidern passiert.
Wie in allen Branchen gibt es leider auch unter den Textilsammlern schwarze Schafe, die unseriöse Sammelmethoden anwenden und meistens nicht identifizierbar sind. Davon distanzieren sich die Mitglieder des Fachverbands Textilrecycling im bvse.
10 Fragen und Antworten zum Textilrecycling
Berücksichtigung des Recyclings bei der Produktion
Damit Stoffkreisläufe geschlossen werden können, braucht es ein Bewusstsein für Recycling aller an der textilen Kette beteiligten Wirtschaftsbereiche. Der Fachverband Textilrecycling wirbt deshalb dafür, dass vorgelagerte Wirtschaftszweige wie die Textilindustrie bereits am Anfang des Produktlebenszyklus die Recyclingfähigkeit berücksichtigen und im Produktionsprozess auf den Einsatz umweltschädlicher Hilfsstoffe so weit wie möglich verzichten.
Bildnachweis: East West Textilrecycling Kursun GmbH, TEXAID, Fotolia





