14.06.2012
Altfahrzeugrecycling in Europa leidet an mangelndem Gesetzesvollzug
Von Birgit Guschall-Jaik, bvse
Budapest. Inmitten einer wunderschönen Kulisse, bei sommerlichen Temperaturen und bestens organisiert, fand der diesjährige Internationale Automobilkongress (IARC) in der ungarischen Hauptstadt Budapest vom 21. – 23. März statt. 200 Teilnehmer überwiegend aus der Schrottwirtschaft und der Automobilindustrie sowie zahlreiche Behördenvertreter trafen sich zu einem intensiven Gedankenaustausch rund um das Thema Altfahrzeuge.
Breiten Raum nahm die „never ending story“ des illegalen Exports von Altfahrzeugen in Länder, deren Recyclingstandards nicht denen in Europa entsprechen ein. Trotz weiterer gesetzlicher Hürden, mit denen die EU aber lediglich die Bürokratie aufgebauscht hat, mangelt es überall in Europa am Vollzug. Solange die Behörden die geltenden Gesetze nicht vollziehen und sich auf knappe Personalkapazitäten zurückziehen, dreht sich die Diskussion weiter im Kreise. Dies machten alle Referenten angefangen bei den Vertretern der Autoverwerter über die der Shredderbetreiber bis hin zu denen der Automobilindustrie mehr als deutlich.
Bei den Vorträgen gewann der Zuhörer den Eindruck, dass die stoffliche Verwertung der Rückstände immer weiter zu Gunsten der Verbrennung zurückgedrängt wird. Bezeichnend waren hier die mahnenden Worte des deutschen Europaabgeordneten Karl-Heinz Florenz, Mitglied des Kommittes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz und Fachmann für die Gesetzgebung im Bereich Altfahrzeuge und Elektro- und Elektronischrott.
Er bedauerte ausdrücklich, dass nicht mal die deutsche Regierung der stofflichen Verwertung einen höheren Stellenwert gegeben hat. Für all diejenigen, die auf werk- und rohstoffliches Recycling statt Verbrennung gesetzt und entsprechende Investitionen vorangetrieben haben, ist dies allerdings nur ein schwacher Trost.
Erfrischend war der Vortrag einer jungen Türkin, Mine Koc von Anel Doga Integra-ted Recycling Industry Inc., die es verstanden hat, für ihr Land auf eindrucksvolle Weise zu werben und gleichzeitig den aktuellen Stand des Altfahrzeugrecyclings in der Türkei darzulegen. Sie machte den Willen der Türkei, den Weg nach Europa zu gehen, deutlich und zeigte an Hand von Statistiken die Bedeutung der türkischen Stahlindustrie und deren Rohstoffbedarf auf.
Obwohl das Kfz-Recycling noch in den Kinderschuhen steckt, wird die Infrastruktur hauptsächlich von Anel Doga konsequent aufgebaut. Dieses Unternehmen ist in der Türkei der wichtigste Partner auch der europäischen Automobilindustrie. Um die zunehmende Zahl an Altfahrzeugen bewältigen zu können, wird Anel Doga in Kürze einen Shredder anschaffen. Der Veranstalter ermöglichte über das Rahmenprogramm viel Raum für interessante und aufschlussreiche Gespräche. Ebenso bot die begleitende Fachausstellung viele Anreize.





