4. Wie erfolgt die Verwertung?

Schadstoffentfrachtung und Demontage

Voraussetzung für eine hohe Ergebnisqualität des Recyclings ist die Verarbeitung möglichst homogener Materialpartien. Die ersten Aufgaben des Recyclings sind deshalb die Sortierung des Elektronikschrotts nach Gerätegruppen und die anschließende Bildung von Materialfraktionen.

Eine Schadstoffentfrachtung dient dazu, die schadstoffhaltigen Bauteile sachgerecht zu entfernen und nach den Vorgaben des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes zu entsorgen. Sie erfolgt manuell. Alle Nasskondensatoren werden wegen der PCB-Gefahr demontiert, ebenso die Ni-Cd-Akkus, Lithiumbatterien, Quecksilberschalter und LCD-Anzeigen. Eine Lagerung der Stoffe und die Entsorgung erfolgt gemäß den abfallrechtlichen und lagertechnischen Richtlinien.

Die eigentliche Vordemontage bildet bei den meisten Elektro(nik)-Altgeräten den nächsten Verarbeitungsschritt. Nur bei Haushaltsgeräten, mit Ausnahme der Kühlgeräte, ist manueller Demontageaufwand kaum sinnvoll bzw. erforderlich. Die Demontage erfolgt gemäß den technischen Möglichkeiten der anschließenden maschinellen Weiterverarbeitung mit elektrischen und pneumatischen Werkzeugen. So werden bspw. Transformatoren und Lüfter, Gehäuse, Eisenrahmen u.ä. manuell fraktioniert. Einzelne Geräte, Baugruppen oder Bauteile, die noch funktionstüchtig sind oder bei denen eine Reparatur möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist, werden zur Wieder- und Weiterverwendung separiert. Art und Grad der manuellen Demontage richten sich nach der Konstruktion der Geräte und nach den Baugruppen hauptsächlich verwendeter Materialien.

Besondere Anforderungen stellen einige Geräte der Medizintechnik. Hier müssen unter Umständen gesundheitliche Aspekte – wie etwa bei Röntgengeräten die Vorschriften des Strahlenschutzes - berücksichtigt werden. Recycling und Entsorgung solcher Geräte übernehmen daher entsprechend spezialisierte Anbieter.

Schreddern und Trennen

Die Rückgewinnung von Eisen und Stahl sowie von Nicht-Eisen-Metall (NE) wie Kupfer und Aluminium hat als Sparte des Recyclings die wohl längste Tradition. Sortenreine Metallschrotte sparen in der Metallherstellung große Energie- und Rohstoffmengen ein. Die Rückgewinnung von Schrotten aus den Abfallströmen ist daher seit Jahrzehnten vorbildlich organisiert und gilt als Vorbild für das Konzept der Materialkreisläufe. Die Recyclingquote von Metallen im Elektronikschrottbereich liegt deutlich über 95%.

Voraussetzung für das Metallrecycling ist, dass die eingeschmolzenen Schrotte möglichst keine Beimischungen anderer Metalle enthalten, um die Qualität des recycelten Stahls nicht negativ zu beeinflussen. Zunächst wird der gemischte Schrott in einem Schredder zerkleinert bzw. aufgeschlossen. Der Grad der Zerkleinerung richtet sich dabei weitgehend nach der Beschaffenheit der Ausgangsgeräte. Während Wasch- und Spülmaschinen nur relativ grob geschreddert werden müssen, ist bei Baugruppen mit kleinteiligem Aufbau, wie etwa bestückten Chassis von Unterhaltungselektronik, eine feinere Zerkleinerung notwendig, um die enthaltenen Metalle anschließend sortieren zu können.

Nach dem Schreddern befreit eine pneumatische Reinigung, die Windsichtung, das Material von leichten, nichtmetallischen Bestandteilen wie Kunststoffpartikel, Lack- und Holzsplitter, Pappe und Textilmaterial. Eisen- und Stahlbestandteile werden anschließend mit Hilfe von Magneten aus dem Schreddermaterial ausgesondert.

Höhere Anforderungen bei der Trennung stellt die Separierung von NE-Metallen. Hier kommen Hochfrequenz-NE-Scheider zum Einsatz. In der Kopftrommel des Förderbandes baut dabei ein spezieller Magnetrotor ein in der Richtung wechselndes Magnetfeld auf. Es erzeugt in den elektrisch leitenden Metallstücken, die über das Band laufen, ebenfalls ein magnetisches Wechselfeld, das entgegengesetzt wirkt. So entsteht eine magnetische Abstoßung zwischen der Kopftrommel und den darüberlaufenden Metallstücken. Je nach Metallart ist diese Abstoßung verschieden stark. Die Metallstücke beschreiben deshalb beim Herunterfallen vom Band unterschiedlich weite Bögen und können dadurch getrennt voneinander aufgefangen werden. Um eine genaue Trennung sicherzustellen, müssen die sortierten Metallstücke etwa gleich groß sein. Sie werden deshalb zuvor in rotierenden Siebtrommeln nach Größen klassiert.
















Bild 2: Materialien in Elektro(nik)-Altgeräten

 

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