IFAT: Elektro(nik)-Altgeräte – Ressourcen sichern, hochwertiges Recycling stärken!
Zu viele werthaltige Geräte gelangen nicht in den Recyclingprozess. Das liegt an fehlenden Möglichkeiten für die Bürger, Geräte bequem abzugeben und an dubiosen Sammlern, die Geräte abgreifen. Die private Entsorgungswirtschaft kann mit innovativen Sammelsystemen einen wichtigen Beitrag zu mehr Recycling leisten. Derzeit gibt es noch zu viele Hindernisse für die gewerbliche Sammlung, die Novelle des ElektroG ist die Chance, dies zu ändern“, sagte Ullrich Didszun, bvse-Vizepräsident und Vorsitzender des Fachverbandes Schrott, E-Schrott, Kfz-Recycling während der-Podiumsdiskussion zur Zukunft des Recyclings von Elektro(nik)-Altgeräten vor rund 160 Zuhörern.

Ullrich Didszun (bvse), Otmar Frey (ZVEI) und Alexander Goldberg (Stiftung ear)
Bei der gemeinsamen Veranstaltung von BMU und bvse am Rande der IFAT diskutierten Anette van Dillen (BMU), Eric Rehbock (bvse), Otmar Frey (Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie -ZVEI), Alexander Goldberg (Stiftung ear), Dr. Manfred Harant (Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit) sowie Anton Pirkl (Zweckverband Abfallwirtschaft Straubing Stadt und Land) über die Ausgestaltung des neuen ElektroG. Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Thomas Rummler (BMU).
Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig: In Zukunft muss der illegale Export von Altgeräten, der in den Empfängerländern Umwelt- und Gesundheitsschäden verursacht, effektiver bekämpft werden. Allerdings, so Harant, helfe die Beweislast für die Funktionstauglichkeit der Geräte, die zukünftig bei den Exporteuren liegen soll, nur, wenn es entsprechende Kontrollen gibt. Auch Didszun machte deutlich: „Wenn man illegale Exporte verhindern und Entsorgungsqualität sichern will, müsse man bereits bei der Sammlung hinschauen und illegales Abgreifen verhindern.
Eine Schwäche des jetzigen Systems sei des Weiteren ein fehlgeleiteter Wettbewerb. Derzeit werde der Markt von Oligopolen beherrscht, deren Interesse allzu oft darauf beschränkt sei, die Kosten der Produktverantwortung gering zu halten. Das gehe zu Lasten der Innovationen für mehr Recyclingqualität, so Didszun. Eine Verbesserung der Erfassungspraxis bei den kommunalen Sammelstellen mit konkreten Kriterien für eine zerstörungsfreie Sammlung sowie eine stärkere Orientierung am Ökodesign seitens der Industrie seien weitere wichtige Bausteine für ein erfolgreiches E-Schrott-Recycling.

Über 160 Teilnehmer besuchten die gemeinsame Veranstaltung von BMU und bvse
Zweifel äußerte Didzun jedoch im Hinblick auf die Wiederverwendung von Altgeräten: Auf den ersten Blick sei die Wiederverwendung als höchste Stufe in der Abfallhierarchie erstrebenswert. Man müsse dies aber differenziert betrachten: Geräte so aufzubereiten, dass sie wieder gebrauchsfähig sind, sei mit einem enormen finanziellen und personellen Aufwand verbunden. Darüber hinaus, ergänzte Frey, gebe es für bestimmte Geräte, wie beispielsweise Röhrenfernseher, gar keinen Markt. Dann würde eine Vorbereitung zur Wiederverwendung dem Export Tür und Tor öffnen. Didszun gab zu Bedenken, dass die jetzigen Standards der Erfassung von Geräten aus privaten Haushalten die Wiederverwendung nahezu unmöglich machen. Eine Wiederverwendung von B2B-Geräten müsse an organisatorische Rahmenbedingungen und bestimmte Anforderungen, beispielsweise die Zertifizierung zum Entsorgungsfachbetrieb, geknüpft sein. So könnten qualifizierte Betriebe dafür Sorge tragen, Wertstoffe zu kanalisieren und illegalen Export zu vermeiden.
Die Beratungen zum neuen ElektroG werden weiter fortgesetzt. Einen ersten Arbeitsentwurf kündigte van Dillen für Herbst 2012 an.





